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Mittwoch, 14.02.2018

Beim Sterben begleiten

Der Kinderhospizverein kümmert sich um todkranke Kinder und deren Familien. Jetzt aber braucht der Verein selbst Hilfe.

Von Julia Vollmer

Ehrenamtlerin Brigitte Maier und Koordinatorin Heike Lebelt sprechen auch untereinander oft über die Kinder, die sie betreuen.
Ehrenamtlerin Brigitte Maier und Koordinatorin Heike Lebelt sprechen auch untereinander oft über die Kinder, die sie betreuen.

© Rene Meinig

„Ich war in diesem Jahr das erste Mal beim Fasching, ohne sie wäre ich da wahrscheinlich nie gelandet“, erzählt Brigitte Maier. Sie heißt Mathilda und ist schwer krank. Lebensbedrohlich krank. Die 9-Jährige kann wegen einer seltenen Stoffwechselkrankheit fast nur mit einer Sonde ernährt werden und hat schon 30 verschiedene Operationen hinter sich. Seit zwei Jahren sind Mathilda und Brigitte Maier ein Team, denn Maier ist Ehrenamtliche beim Kinderhospizdienst am Fetscherplatz. „Sie war so glücklich, beim Fasching dabei zu sein und strahlte über das ganze Gesicht.“

Beide heißen in Wirklichkeit anders, wollen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. „Etwa aller 14 Tage, gerne auch öfter, treffe ich Mathilda und verbringe Zeit mit ihr“, erzählt die Seniorin Maier. Mal unternehmen sie etwas, mal basteln oder malen sie zusammen. Fünfmal am Tag muss dem Mädchen eine neue Sonde gelegt werden, manchmal ist sie danach zu schwach und sie muss im Rollstuhl sitzen. Aber nie verliert sie ihren Kampfgeist, erzählt ihre Begleiterin. „Inzwischen besteht zwischen uns eine enge Bindung, auch wenn wir uns nicht sehen, schreiben wir uns Nachrichten, das berührt mich sehr“, erzählt Brigitte Maier.

Bevor die Dresdnerin ihren Dienst als Ehrenamtliche beim ambulanten Kinder-und Jugendhospizdienst begann, wurde sie geschult, wie alle Begleiter. In rund 15 Terminen spricht Koordinatorin Heike Lebelt mit den Teilnehmer über Leben und Tod, Geschwisterbegleitung, rechtliche Fragen und über die Bestattung.

Denn die Kinder, die sie begleiten, sind alle todkrank, haben Krebs-, Muskel- oder Stoffwechselkrankheiten. Von der Diagnose bis zum Tod begleiten Heike Lebelt und ihre rund 40 Ehrenamtler die Familie. Aktuell sind es in Dresden 24 Familien. „Wir wollen zusätzliche Zeit geben, den Kindern, den Geschwistern und auch den Eltern.“ Zeit, in denen die Eltern Behördengänge erledigen oder sich einfach erholen können. Alle Angebote vom Kinderhospizdienst sind für die Familien kostenlos. Der Verein bekommt Fördermittel von Stadt und Freistaat, zu 50 Prozent finanziert er sich mit Spenden, so Lebelt.

Sie sucht händeringend nach neuen Ehrenamtlern, denn der Bedarf wächst.

Interessierte können sich beim Kinder-und Jugendhospizdienst unter Tel. 3146472 oder dresden@deutscher-kinderhospizverein melden.

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