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Montag, 16.04.2018

Bedenken gegen Industriepark hinterm Barockgarten

270 Großsedlitzer wenden sich an die Stadt. Sie sehen Landschaft und Zukunft gefährdet – und bekommen ein Angebot.

Von Heike Sabel und Domokos Szabó

Dort, wo der Barockgarten zu Ende ist, soll der Industriepark beginnen. Er soll den Garten nicht stören, doch die Einwohner sind skeptisch.
Dort, wo der Barockgarten zu Ende ist, soll der Industriepark beginnen. Er soll den Garten nicht stören, doch die Einwohner sind skeptisch.

© Norbert Millauer

Heidenau. Eine graue unscheinbare Mappe, drinnen ein dreiseitiges Schreiben und 270 Unterschriften: Damit geht ein Vertreter der Großsedlitzer Bürgerinitiative an jenem Montagmorgen ins Heidenauer Rathaus. Dort will er das Schreiben mit den Einwänden und Fragen zum Industriepark Oberelbe und die Unterschriften spontan dem Bürgermeister überreichen, doch der ist im Moment nicht da oder nicht zu sprechen.

Die Großsedlitzer verstehen sich nicht als Gegner des Industrieparks Oberelbe (IPO), haben aber ihre Bedenken. Pirna, Heidenau und Dohna wollen entlang der A 17 rund 140 Hektar zum Gewerbegebiet machen. Dort sollen mindestens 3 000 Leute arbeiten. Welche große Firma sich wohl in dem Park ansiedeln wird? Ein Grund für die Großsedlitzer, das Vorhaben zu hinterfragen. Sie sehen den Arten- und Biotopschutz gefährdet, den landschaftsästethischen Wert des Gebietes verletzt und vermissen unter anderem Alternativen zum weiteren Bebauen von Flächen. Immer mehr Natur würde so weggenommen. Außerdem sei der Abstand zu den Wohnhäusern zu gering. Damit verbunden ist auch die Befürchtung, dass der Wert der Immobilien sinkt. „Wie gedenkt die Stadt Heidenau, damit umzugehen?“, ist deshalb eine der Fragen der Großsedlitzer.

Denen sei erst vor Kurzem im Zusammenhang mit dem Heidenauer Flächennutzungsplan und dem Förderprogramm für Großsedlitz so richtig klar geworden, was da vor ihrer Haustür vorgesehen ist. Seit über einem Jahr werden die Industriepark-Pläne jedoch schon diskutiert, in öffentlichen Veranstaltungen, in den Stadträten und Partei-Runden.

Die Flächen und die Arbeitskräfte


Manfred Elsner, der für die drei Städte alles im Zusammenhang mit dem Industriepark koordiniert, reagiert gelassen auf die Großsedlitzer Bürgerinitiative. „Es ist normal, dass es auch gegenteilige Meinungen gibt.“ Die beiden Informationsveranstaltungen in Heidenau seien aus seiner Sicht positiv gelaufen, ohne fundamentale Bedenken.

Auch Elsner sieht zwei kritische Punkte. Erstens die landwirtschaftlichen Flächen, die für das Vorhaben benötigt werden. Zweitens: die Arbeitskräfte. Schon jetzt befürchten Firmenchefs und Handwerker, dass ihnen von großen Firmen im künftigen Gewerbegebiet Arbeitskräfte abgeworben werden. Elsner nimmt das nach eigenen Worten ernst und arbeitet an Lösungen. Was den Fachkräftebedarf angeht, werde man nicht umhinkommen, Personal von auswärts anzuwerben.

Die Großsedlitzer waren an dem Montag nicht die Einzigen, die den vorerst letzten Tag für die Abgabe ihrer Einwände zum Flächennutzungsplan im Rathaus nutzten. „Die Leute geben sich die Klinke in die Hand“, hieß es am Nachmittag.

Das Sekretariat von Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) bietet den Großsedlitzern einen Gesprächstermin für den 26. April an. In der zweiten Maihälfte soll ein Verband der drei Städte gegründet werden, um das Projekt voranzutreiben. IPO-Koordinator Manfred Elsner rechnet noch in dieser Woche mit Post vom Landratsamt, das die Gründung des Verbandes genehmigen muss. Für den Mai kündigt Elsner eine weitere Informationsveranstaltung zum Industriepark an, in Pirna.

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