• Einstellungen
Mittwoch, 03.01.2018

„Bautzen hat kein Parkplatz-Problem“

Neue Stellflächen im Zentrum lehnt Alexander Ahrens ab. Der Oberbürgermeister hat für die Stadt eine andere Vision.

Bild 1 von 2

Mit mehr Gelassenheit möchte sich OB Alexander Ahrens den Herausforderungen im neuen Jahr stellen. Vor allem die Verkehrssituation beschäftigt ihn.
Mit mehr Gelassenheit möchte sich OB Alexander Ahrens den Herausforderungen im neuen Jahr stellen. Vor allem die Verkehrssituation beschäftigt ihn.

© Uwe Soeder

Zu viele Autos rollen derzeit noch durch Bautzens Innenstadt, meint der Oberbürgermeister – und wünscht sich einen verkehrsberuhigten Bereich.
Zu viele Autos rollen derzeit noch durch Bautzens Innenstadt, meint der Oberbürgermeister – und wünscht sich einen verkehrsberuhigten Bereich.

© Uwe Soeder

Bautzen. Über kaum ein Thema wird derzeit mehr diskutiert: Das Parken bewegt viele Bautzener und die Gäste der Stadt. Die einen wollen am liebsten neue Parkhäuser im Zentrum errichten. Andere setzen sich für eine autofreie Innenstadt ein. Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) hat dazu eine klare Meinung. Im SZ-Interview spricht er über seine Ideen für den Innenstadtverkehr, aber auch von seinen Wahlversprechen, den vielen Pendlern und seinem Verhältnis zu den Stadträten.

Herr Ahrens, Ihre Kritiker sagen, seit Ihrem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren hat sich in Bautzen nichts getan. Trifft Sie das?

Nein, das perlt an mir ab. Man muss wissen: Die Vorläufe in einer öffentlichen Verwaltung sind extrem lang. Es fällt mir auch schwer, mich daran zu gewöhnen. Ich kenne das Arbeiten in der freien Wirtschaft. Wenn man dort Geld braucht, geht man zu seiner Bank. Spätestens nach sechs Wochen weiß man, ob man das Vorhaben starten kann. Das ist in einer Verwaltung anders. Die Sachen, die wir schnell erledigen konnten, haben wir gemacht. Wir haben die Vergnügungssteuer abgeschafft, genau wie die Straßenbaubeiträge.

Richtig, aber Sie hatten noch viel mehr versprochen. Die Innenstadt wollten sie beleben. Was ist daraus geworden?

Da sind wir unterwegs. Wenn ich mir nur angucke, wie sich die Romantica entwickelt hat. Vor einem Jahr kamen 30 000 Besucher. Da dachte man schon, die Stadt ist voll. Dieses Jahr waren es sogar 50 000.

Das ist eine einzelne Veranstaltung. Was ist mit den leeren Geschäften?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Bürger von der Verwaltung erwarten, dass sie über alles auf dem Stadtgebiet entscheiden kann. Davon sind wir weit entfernt. Wir haben privaten Investoren nichts vorzuschreiben. Im Gegenteil: Die reagieren nicht einmal auf bestimmte Anfragen unsererseits. Die größten Probleme bei leeren Gewerberäumen haben wir mit den Immobilien von Leuten, die irgendwo in München sitzen und mit der Stadt und der Region nichts zu tun haben. Die Verwaltung hat Gespräche angeboten. Mehr können wir nicht tun. Druckmittel besitzen wir nicht.

Es gibt aber auch Wahlversprechen, die Sie ohne private Investoren einlösen könnten. Sie wollten die Brötchentaste. Warum lehnen Sie diese nun ab?

Ich lehne sie nicht ab. Aber das, was ich bis jetzt an Information zum Thema erhalten habe, hat meine Sicht auf die Dinge deutlich beeinflusst. Es besteht offenbar die Gefahr, dass die Brötchentaste zu erhöhtem Park-Such-Verkehr und dadurch zu einer gesteigerten Verkehrsbelastung führt. Es kann also sein, dass die Brötchentaste zu einem nachteiligen Effekt wird. Wir brauchen deshalb unbedingt eine Probephase.

Eine Probephase im Jahr 2019?

Ja, anders geht es nicht. Wir können nicht einfach die Anschaffung der Automaten vorziehen. 2019 wollen wir ohnehin Automaten kaufen, die dann für die Probephase umprogrammiert werden könnten.

Ob mit oder ohne Brötchentaste, die Stadt Bautzen hat ein Parkplatz-Problem. Wie wollen Sie das lösen?

Ich finde nicht, dass Bautzen ein Parkplatz-Problem hat. Es ist ja beileibe nicht so, dass wir einen Infarkt bekommen, weil man nirgendwo sein Auto abstellen kann. Direkt vor dem Geschäft, zu dem ich möchte, gibt es vielleicht zu wenig Parkplätze. Aber dass man in einer Innenstadt 200 Meter laufen muss, ist doch nichts Ungewöhnliches. Ich denke, wir müssen nicht mehr für den Autoverkehr tun. Wir müssen dafür sorgen, dass die Altstadt attraktiver wird. Und das wird sie nicht dadurch, dass wir ein Maximum an Autos hinein lenken.

Das heißt, Sie packen das Thema jetzt richtig an und sagen, wir machen die Altstadt komplett autofrei?

Ob wir die komplette Altstadt autofrei machen, ist noch nicht entschieden. Viel wichtiger ist mir, dass wir den Plan im Auge behalten, aus der Strecke Steinstraße und Lauengraben irgendwann nur noch eine Zufahrtsstraße zu machen. Natürlich muss man noch von allen Seiten an die Stadt herankommen. Aber als Durchgangsstraße ist die Strecke vollkommen überflüssig. Im Moment vielleicht noch nicht, weil wir gerade noch die Baustelle Zeppelinbrücke haben. Aber wenn das fertig ist, spricht eigentlich nichts dagegen, aus dem Kornmarkt eine Art Fußgängerzone zu machen.

Täglich pendeln 18  000 Menschen nach Bautzen. Sie sind stolz darauf, haben Sie gesagt. Wäre es nicht besser, wenn die auch hier wohnen würden?

Natürlich wäre das besser. Das Problem ist, bei den Arbeitseinpendlern sind viele dabei, die gut bezahlte Jobs und auch gewisse Ansprüche an ihre Wohnsituation haben. Und da hat Bautzen einen sehr begrenzten Markt. Wenn jemand eine gute Arbeit hat und Familie, sagt er nicht, ich ziehe in eine freie Wohnung in Gesundbrunnen, auch wenn dort viel passiert ist. Er kauft lieber einen leeren Bauernhof in Kubschütz.

Kann man nicht neue Häuser bauen?

Ich bin da einigermaßen desillusioniert. Wir haben nicht mehr viele Flächen, auf denen wir hochwertigen Wohnungsbau durchführen können. Auf der anderen Seite müssen die Gemeinden rings um Bautzen auch leben. Es erhöht die Qualität der Stadt, dass wir im Umland noch viele schöne und vor allem lebendige Dörfer haben.

Sie sind 2017 in die SPD eingetreten. Können Sie verstehen, dass einige sich da vor den Kopf gestoßen fühlen?

Nein, das kann ich nicht. Ich habe im Wahlkampf oft gesagt, dass ich ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat bin. Mir ist klar, dass ich als parteiloser Bürgermeister ein einfacheres Leben gehabt hätte. Sowohl im Stadtrat als auch im Ansehen der Bevölkerung. Als parteiloser kann ich prima mein Mäntelchen in den Wind hängen und mich wegducken. Doch genau das will ich nicht. Mit dem Eintritt in die Partei wollte ich zeigen, was meine inneren Werte sind.

Bleiben wir bei den Stadträten. Mit denen hatten Sie 2017 heftige Auseinandersetzungen. Nervt Sie das?

Das einzige, dass mich wirklich ärgert, ist nicht das Verhalten der anderen, sondern dass ich mich so darüber aufrege.

Müssen Sie gelassener werden?

Ja natürlich. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und so groß geworden, dass ich auch voll Kontra geben kann, wenn es darauf ankommt. Es müsste mir viel öfter gelingen, mich zurückzulehnen. Da will ich definitiv an mir arbeiten.

Gespräch: Marleen Hollenbach und Sebastian Kositz.