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Freitag, 18.05.2018

Baustart verschoben am Bahnhof

Die Deutsche Bahn will im dritten Quartal den Bahnsteig in Neugersdorf erneuern. Das ist bereits der zweite Anlauf.

Von Gabriela Lachnit

Die Bahnsteigkante am Bahnhof in Neugersdorf ist krumm und buckelig und vor allem sehr niedrig. Älteren und gehbehinderten Reisenden bereitet das Ein- und Aussteigen in und aus dem Zug deshalb Schwierigkeiten. Mit dem Neubau der Bahnsteigkante soll das Problem behoben werden.
Die Bahnsteigkante am Bahnhof in Neugersdorf ist krumm und buckelig und vor allem sehr niedrig. Älteren und gehbehinderten Reisenden bereitet das Ein- und Aussteigen in und aus dem Zug deshalb Schwierigkeiten. Mit dem Neubau der Bahnsteigkante soll das Problem behoben werden.

© Matthias Weber

Neugersdorf. Still ist es am Bahnhof Neugersdorf. Nur das Gezwitscher der Vögel ist zu hören. Kein Mensch ist zu sehen. Auf dem Parkplatz stehen einige Autos. Das Gebäude muss einst recht ansehnlich gewesen sein. Das ist aber nur noch zu erahnen. Nahezu jedes Fenster ist mit einer Sperrholzplatte vernagelt. Graffiti-Sprayer haben sich daran ausgelassen – schön sieht anders aus. Die Bahnsteigkante an dem einen Gleis, das noch vorhanden ist, ist bucklig und krumm. Wie das? Eigentlich sollte hier doch schon längst eine neue Bahnsteigkante gebaut sein? Von Bauarbeiten ist aber weit und breit nichts zu sehen.

In den vergangenen Monaten hat sich weder am Bahnsteig noch an der Beleuchtung am Bahnhof etwas verbessert. Bereits Anfang November 2017 sollte unter anderem die Bahnsteigkante erneuert werden. Sogar ein Schienenersatzverkehr war für die Zeit der Arbeiten angekündigt worden. Denn an dem eingleisigen Schienenstrang kann kein Zug fahren, wenn dort Bauarbeiten stattfinden. Dann hatte sich der Baubeginn verschoben, wie die Deutsche Bahn ohne Begründung im Vorjahr mitgeteilt hatte. Aber es rührte sich weiter nichts, es wurde nicht gebaut.

Nach Aussage der Pressestelle der Deutschen Bahn soll es nun im dritten Quartal dieses Jahres losgehen. Ein genauer Termin ist nicht benannt worden. Dann wird der Bahnsteig an der eingleisigen Strecke neu gebaut. Der Außenbahnsteig soll auf einer Länge von 170 Metern auf 55 Zentimeter erhöht werden. Das bedeutet, dass eine neue Bahnsteigkante gesetzt und verfüllt sowie gepflastert werden muss. Außerdem ist eine neue Beleuchtungsanlage vorgesehen. Die Bahn hat zudem vor, ein neues Wetterschutzhaus bauen zu lassen und neue Sitzbänke aufzustellen. Derzeit gibt es vor Ort gar keine. Neue Papierkörbe und eine Beschilderung sowie Vitrinen sollen für mehr Sauberkeit, für mehr Übersicht und vor allem bessere Informationsmöglichkeiten sorgen.

Die Deutsche Bahn begründet die Verspätung der Bauarbeiten damit, dass „aufgrund mehrerer Projekte die Bauarbeiten in Neugersdorf nicht zum geplanten Zeitpunkt starten konnten“, wie ein Sprecher der Bahn mitteilt. „Zur Durchführung der Baumaßnahme mussten neue Sperrpausen – Streckensperrungen – eingerichtet werden, welche auf den nächstmöglichen Zeitpunkt gelegt wurden“, ergänzt er.

In der jüngsten Sitzung des Stadtrates von Ebersbach-Neugersdorf gab es dazu eine ganz andere Aussage. In der Bürgerfragestunde wollte ein Neugersdorfer wissen, warum die angekündigten Arbeiten am Bahnhof Neugersdorf auf sich warten lassen. Dort erfuhr der Mann, dass es Schwierigkeiten zwischen der Deutschen Bahn und der bauausführenden Firma gegeben hätte und es deshalb zur Verzögerung der Bauarbeiten gekommen sei. Das war der Wissensstand, den die Stadtverwaltung zu diesem Zeitpunkt hatte. Auf eine Nachfrage diesbezüglich ging die Bahn nicht ein.

Das Bahnhofsgebäude Neugersdorf befindet sich in Privatbesitz. Es ist im Januar 2014 von einem Mann aus Meschede im Sauerland für 4 000 Euro bei einer Auktion ersteigert worden. Eine schriftliche SZ-Anfrage an den Eigentümer, was er mit der Immobilie vorhat, blieb unbeantwortet. Bauamtsleiter Matthias Lachmann ist in Verbindung mit dem Bahnhofseigner, allerdings gäbe es nichts, was man derzeit öffentlich informieren könnte, sagt er. Er betont, dass irgendwann etwas passieren müsse mit dem Bahnhof, denn er sei ein bedeutsames Objekt in der Stadt, von dem sich nicht nur die Stadtverwaltung wünscht, dass es einer öffentlichen Nutzung dient. Allerdings habe die Stadt nur eine Handhabe, sollte von dem Gebäude eine Gefahr ausgehen oder ein städtebaulicher Zwang bestehen. Beides sei derzeit nicht der Fall.

Ansonsten macht der Bahnhof Neugersdorf allenfalls von sich reden, wenn Vandalismusschäden zu vermelden sind. Zwar sind am Hauptgebäude Fenster mit Holzplatten versehen, dafür stehen die Fenster im Nebengebäude offen. Lücken im Zaun haben Leute angelockt, die dort ihren Müll abgelagert haben. Im Inneren des Gebäudes haben mehrfach Vandalen gewütet.

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