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Dienstag, 02.01.2018

Baum-Veteran erlebt seine zweite Feuerprobe

Der Neujahrstag bescherte der Görlitzer Berufsfeuerwehr gleich zehn Einsätze. Nicht immer ging es dabei aber um Flammen.

Von Ralph Schermann

Stundenlang musste die Görlitzer Feuerwehr rund 5500 Liter Wasser in diesen Baum im Stadtpark pumpen, der immer wieder aufflammte. Unbekannte hatten offensichtlich Böller in den offenen Stamm des Naturdenkmals geworfen.
Stundenlang musste die Görlitzer Feuerwehr rund 5 500 Liter Wasser in diesen Baum im Stadtpark pumpen, der immer wieder aufflammte. Unbekannte hatten offensichtlich Böller in den offenen Stamm des Naturdenkmals geworfen.

© Feuerwehr

Wieder einmal hielt ein Naturdenkmal die Berufsfeuerwehr auf Trab. Das neue Jahr war erst zwei Stunden alt, als die Kameraden in den Stadtpark mussten, um über 2 000 Liter Wasser in den rund 200 Jahre alten Silber-Ahorn zu pumpen. Unbekannte hatten den Hohlraum des historische Gewächses auf der Margeritenwiese mit Feuerwerk misshandelt. Als 4.30 und 7.50 Uhr der Baum wieder entflammte, rückte die Wehr erneut an, ließ weitere 3 500 Liter Wasser folgen, auch etwas Schaum, und trug Teile der Holzkohleschicht manuell ab. Schon Neujahr 2013 hatten Naturfrevler den Baum unter Böllerbeschuss genommen. Auch damals brauchte die Feuerwehr mehrere Lösch-Anläufe, und Baum-Experte Steffen Leder von der Stadtverwaltung erklärte, warum der schrumplige Baumgeselle so feuerfreudig blieb: In seinem Inneren entfacht sich Glut immer wieder neu, weil der Ahorn auch in der Krone offen ist und eine starke Kaminwirkung entwickelt. Mit einem unteren Stammdurchmesser von bis zu 2,5 Metern hat der Stadtparkveteran auch jede Menge Spielraum dafür.

Der Berufsfeuerwehr indes blieb wenig Spielraum am ersten Tag des neuen Jahres. Zehn Einsätze standen am Ende zu Buche. Einzelne Löschfahrzeuge rückten aus, um gegen 0.10 Uhr eine auf 20 Meter brennende Hecke an der Friedhofstraße zu löschen, gegen 1 Uhr auf der Heilige-Grab-Straße Flammen aus einem Baucontainer zu unterbinden und gleich danach zu einer brennenden Mülltonne auf der Landeskronstraße zu eilen. Wehrleute verhinderten gegen 1.30 Uhr, dass sich auf dem Sechsstädteplatz der Brand eines Gebüsches ausweitete. Und um 3 Uhr leistete die Feuerwehr Hilfe beim Sichern eines Ladens mit Holzplatten. Unbekannte hatten auf der Berliner Straße eine Schaufensterscheibe zerschlagen. Gelöscht wurde um 13.20 Uhr brennender Unrat hinter einem Trafohaus in der Innenstadt und gegen 14.30 Uhr ein schwelender Textilcontainer auf der Fichtestraße. Der letzter Löscheinsatz am 1. Januar erwies sich aber als Fehlalarm: Gegen 17 Uhr wurde der Leitstelle ein Balkonbrand auf der Kunnerwitzer Straße gemeldet. Hier rückte wegen der dichten Bebauung der komplette Löschzug mit elf Mann aus, ohne den Brand zu finden. Der Anrufer hatte wohl ein im Hinterhof ordentlich betriebenes Grillfeuer dafür gehalten.

Der Jahresauftakt hielt aber auch für die Funktion der Feuer- als Wasserwehr gleich eine umfangreiche Aufgabe bereit. Gegen 9.40 Uhr wurde aus einem Haus der Heilige-Grab-Straße ein Rohrbruch gemeldet. Ingolf Höntsch von der Görlitzer Feuerwehr berichtet: „In mehreren Kellern stand das Wasser bis zu acht Zentimeter hoch. Die Zuleitung wurde von einem Fachbetrieb unterbunden, und unsere Einsatzkräfte arbeiteten fast drei Stunden lang mit Tauchpumpen und Nass-Saugern, um die Kelleranlage trocken zu bekommen.“ Alle Einsätze konnten von der diensthabenden Schicht der Berufsfeuerwehr in den Griff bekommen werden. So durften sich zumindest alle freiwilligen Feuerwehrleute über einen für sie alarmfreien Jahreswechsel freuen. Was bleibt, ist die Frage, wie es mit dem Baum im Stadtpark weitergeht. Björn Mierisch von der Berufsfeuerwehr hofft auf einen Ausgang wie 2013: „Damals hat sich der Ahorn wieder erholt.“

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