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Montag, 13.11.2017

Bauarbeiten im Nadelöhr

Ab Mitte 2019 soll der A-4-Tunnel Königshainer Berge saniert werden. Es geht vor allem um mehr Sicherheit.

Von Frank-Uwe Michel

Bauarbeiten im Tunnel Königshainer Berge, hier nach dem Brand eines Lkw am 31. Mai 2013, sind immer eine Herausforderung – mit Blick auf Stau und Umleitungen auch für die Autofahrer. Ab Mitte 2019 ist mit längeren Einschränkungen zu rechnen. Dann soll der Tunnel aufwendig saniert werden.
Bauarbeiten im Tunnel Königshainer Berge, hier nach dem Brand eines Lkw am 31. Mai 2013, sind immer eine Herausforderung – mit Blick auf Stau und Umleitungen auch für die Autofahrer. Ab Mitte 2019 ist mit längeren Einschränkungen zu rechnen. Dann soll der Tunnel aufwendig saniert werden.

© Archivfoto: Jens Trenkler

›Nieder Seifersdorf. Gefühlt wird der A-4-Tunnel Königshainer Berge ständig gewartet. Einschränkungen im Fahrzeugverkehr sind die Folge. Doch 2019 könnte alles noch viel schlimmer kommen, denn dann soll der Tunnel umfassend saniert werden. Die SZ erklärt die baulichen Erfordernisse, gibt einen Ausblick auf das eventuelle Umleitungsgeschehen und sagt, welche Schwierigkeiten die Anliegergemeinden mit dem Brandschutz im Tunnel haben.

Welchen Wartungszyklus gibt es im A-4-Tunnel Königshainer Berge?

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) spricht von vier Terminen, die nach Herstellervorgaben eingehalten werden müssen, um die Wartungsvorschriften für die eingebauten Anlagen zu erfüllen.

Was wird bei diesen Wartungen gemacht?

Die Arbeiten umfassen etwa 1 000 Positionen. So gehören zum Beispiel Sicht- und Funktionskontrollen, die Reinigung, aber auch der Austausch defekter und verschlissener Teile in über 20 Anlagen dazu. Im Einzelnen betrifft das unter anderem die Brandmeldeanlage, Verkehrstechnik, die Beleuchtungs- und Lüfteranlage. Dabei werden alle Arbeiten, für die eine Sperrung der Tunnelröhre notwendig ist, zu einem Wartungstermin zusammengefasst. Hierbei werden dann Leistungen durchgeführt, die im Tunnelfirst oder mit Hubbühnen stattfinden müssen. Dazu gibt es spur- oder fahrtrichtungsweise Sperrungen.

Ist der hiesige Tunnel im Vergleich zu anderen Tunneln ein Sonderfall?

Nach Angaben des Lasuv liegt die Besonderheit des Tunnels Königshainer Berge darin, dass er trotz seiner Länge von 3 300 Metern, wegen seines geringen Querschnitts und der fehlenden Standspur über keine Rauchabsaugung verfügt. Er wird ausschließlich mit Längslüftung betrieben. Um dieses Defizit auszugleichen, haben die Erbauer verstärkt auf Sicherheitstechnik gesetzt.

In Kürze gibt es einen neuen Tunnel-Standard. Was steht da drin?

Die Richtlinie für Ausstattung und Betrieb von Straßentunneln (RABT) wird laufend aktualisiert. Vor allem die immer moderner werdende Technik spielt eine Rolle, außerdem der steigende Sicherheitsstandard. Darüber hinaus geht es um höhere organisatorische Anforderungen für Betrieb und Verwaltung. Auch den Belangen von Verkehrsteilnehmern mit eingeschränkter Mobilität muss Rechnung getragen werden. Die jüngste Überarbeitung mit dem Stand 2016/17 steht kurz vor der Bestätigung. Tunnel müssen demnach jetzt mit optischen Leiteinrichtungen ausgestattet werden. Außerdem muss die Lautsprecher- und Videotechnik sowie die Kopplung zwischen Verkehrs- und Automatisierungstechnik dem aktuellen Stand angepasst werden. Gefordert wird zudem die Ausstattung der Notrufnischen mit außen angebrachten Notruftastern. Überdies muss die komplette im Tunnel verbaute Technik temperaturbeständiger gemacht werden, was in erster Linie auf die Lüfter zutrifft.

Was bedeutet das für den Tunnel Königshainer Berge?

Der Tunnel wurde nach der RABT des Jahres 1999 geplant und gebaut. Die ab der zweiten Hälfte 2019 vorgesehene Nachrüstung umfasst nahezu alle Bereiche. Nach Lasuv-Angaben geht es zum Beispiel um die Abschottung aller Querschläge mit Brandschutztoren, den Einbau von Notrufkabinen, die Beschichtung der Tunnelwand sowie den Bau von Feuerlöschleitungen durch die Querschläge. Die Lüftung soll mit dem Einbau je eines weiteren Lüfterpaares pro Röhre verbessert werden. Die Beleuchtungsanlage wird mit LED-Leuchtmitteln bestückt. Außerdem ist an beiden Portalen eine Adaptationsbeleuchtung vorgesehen. Vor den beiden Einfahrten werden je eine neue Verkehrszeichenbrücke und eine Schrankenanlage errichtet. Alle 20 Meter werden im Tunnel Brandnotleuchten mit Fluchtweghinweisen installiert. Auch die Videotechnik wird aufgerüstet. Zusätzliche Kameras sollen für eine lückenlose Videoüberwachung sorgen. Ebenfalls erneuert wird die Technik zur Datenübertragung. Sämtliche Steuerungseinheiten werden wie auch die Unterzentralen für Verkehr und Video, die elektrische Lautsprecheranlage sowie die Brandmeldezentrale an einen Glasfaserring angebunden. Ausgetauscht werden ebenso sämtliche Löschwasserentnahmestellen .

Wie soll die Tunnelsanierung praktisch über die Bühne gehen?

„Trotz des großen Sanierungsumfanges soll die A 4 mit ihrem hohen Lkw-Anteil „als leistungsfähige Verkehrsachse verfügbar bleiben“, stellt das Lasuv klar. Im Vorfeld der Arbeiten wird deshalb intensiv an der Planung gearbeitet – vor allem in Sachen Lärmemission, Verkehrs- und Arbeitssicherheit, Reisezeit. Natürlich steht auch die Bautechnologie auf dem Prüfstand. Bauzeit und -kosten sollen so optimiert werden, dass die Tunnelsanierung mit einer vertretbaren Verkehrsführung zu realisieren ist. Laut Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert läuft der Planungsprozess noch. Um zusätzliche Daten einfließen zu lassen, werden unter anderem Risikoanalysen für die bauzeitliche Verkehrsführung im Gegenverkehr durchgeführt. Erst wenn die Variantenuntersuchungen abgeschlossen sind, will man die betroffenen Gemeinden, den Landkreis und die Rettungsdienste informieren und sich mit ihnen über die Pläne austauschen. Konkrete Aussagen zu Bauzeit und Baukosten könnten deshalb in der momentanen Planungsphase noch nicht getroffen werden, so Siebert.

Könnten Tunnelumleitungen mit anderen Umleitungen kollidieren?

Von Mitte 2018 bis Mitte 2019 soll die Straßenbrücke im Zuge der B 115 bei Niesky erneuert werden, was zu einem extrem erhöhten Verkehrsaufkommen in der Stadt führen dürfte. Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert sieht jedoch keine Überschneidung beider Bauprojekte und des sich daraus ergebenden Umleitungsverkehrs, weil die Tunnelsanierung nicht vor Mitte 2019 beginnen soll. Außerdem würden sämtliche in der betreffenden Zeit vorgesehenen Straßenbaumaßnahmen in die Planungen einbezogen.

Was passiert mit dem Tunnel, wenn die A 4 doch sechsspurig wird?

Würde der sechsspurige Ausbau der A 4 zwischen Dresden und der Landesgrenze in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, dann würde das nach Auffassung des Lasuv zwangsläufig den Bau einer weiteren Tunnelröhre bedeuten.

Wie steht es um die Absicherung des Brandschutzes im Tunnel?

In Kodersdorf und Waldhufen fühlt man sich nicht genügend gerüstet, um die Sicherheit im Tunnel dauerhaft zu gewährleisten. Beide Kommunen sind jedoch für den Brandschutz zuständig. Nach Angaben des Kodersdorfer Bürgermeisters René Schöne ist die brandschutztechnische Absicherung des Tunnels mit der dreifachen Kostenbelastung wie bei einer normalen Feuerwehr verbunden. Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert beschwichtigt: Ihre Behörde arbeite eng mit dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises Görlitz zusammen. Die Zuständigkeiten und Haushaltsordnungen seien im Freistaat Sachsen jedoch klar geregelt. Hilfe müsse demnach von der Kommune, dem Landkreis, der Landesdirektion und aus dem Sächsischen Innenministerium kommen.