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Freitag, 29.12.2017

AZV gibt Wartung von Kleinkläranlagen auf

Der Zweckverband überlässt das in Zukunft Unternehmen der freien Wirtschaft. Seine Verträge hat er gekündigt.

Von Heike Heisig

© AZV Leisnig

Leisnig/Gersdorf. Beim Abwasserzweckverband (AZV) ändert sich gegenwärtig einiges. Das betrifft nicht nur die Gebühren, die sich ab nächstem Jahr in solche für die Schmutzwasserbehandlung und die für die Ableitung von Regenwasser aufteilen werden. Der Verband schränkt auch seine Dienstleistungen ein. Das tut er nicht ganz freiwillig, sondern nach einem Hinweis.

„Der Verband soll sich auf seine ureigenen Aufgaben – also die Entsorgung und Behandlung von Abwasser – konzentrieren“, erklärt AZV-Geschäftsführer Michael Tecklenburg. Kleinkläranlagen werden genauso von Mitarbeitern verschiedener Dienstleister in der freien Wirtschaft sowie in vielen Fällen von Herstellern solcher Abwasserbehandlungsanlagen gewartet. Deshalb müsse der Verband da nicht unbedingt tätig werden.

Hinzu kommt, dass diese Dienstleistung ab einer bestimmten Größe umsatzsteuerpflichtig geworden wäre. „Diese Schwelle haben wir überschritten“, so Tecklenburg. Das hätte bedeutet, die Preise neu zu kalkulieren und um die Umsatzsteuer zu erhöhen, veranschaulicht der Geschäftsführer. Die Konsequenz: Auf die Kunden wären Mehrkosten in Höhe von 20  Prozent zugekommen.

Aus diesem Grund hat der AZV Leisnig seine Kunden, die diesen Wartungsservice bislang in Anspruch genommen haben, rechtzeitig informiert. „Wir haben sie angeschrieben und erklärt, weshalb wir dieses Angebot nicht mehr aufrechterhalten“, sagt Michael Tecklenburg. Die Verträge mit den privaten Grundstücksbesitzern hat der Verband schon vor Monaten gekündigt, damit die sich in Ruhe nach einem neuen Anbieter umsehen, Dienstleistung und Preise vergleichen konnten, nichts unter Druck entscheiden mussten.

„Rund 100 solcher Verträge mit Privatpersonen gab es“, schätzt der Geschäftsführer. Zu ihnen sind Mitarbeiter des Zweckverbandes ein- bis zweimal im Jahr – je nach Anlagentyp – nach Hause gekommen und haben die inzwischen meist auf Vollbiologie umgerüstete Kläranlage gewartet. Auch bei abflusslosen Gruben waren regelmäßig Kontrollen Vorschrift. Indes gibt es davon nur noch wenige. Die meisten Altanlagen entsprachen nicht mehr dem Stand der Technik. Daher sind die Grundstücksbesitzer über mehrere Jahre hinweg angehalten gewesen, ihre alte Kleinkläranlage zu sanieren oder durch einen Neubau zu ersetzen.

Als sich die ersten vor rund sieben Jahren entschlossen, umzurüsten, hat der Leisniger Verband entschieden, sein Dienstleistungsangebot zu erweitern und auch die Wartung mit zu übernehmen. Das sollte den Kunden zusätzliche Wege ersparen. Weil das in Zukunft nicht mehr so praktiziert wird, hat der Abwasserzweckverband auch die entsprechende Satzung aufgehoben. Sie war bislang Basis dafür, dass Verträge abgeschlossen und Kosten berechnet werden konnten.

Dass die Wartungserlöse wegfallen, ist für Michael Tecklenburg aber nur eine Seite der Medaille. „Auf der anderen sind dadurch auch mehr Arbeit und höhere Kosten angefallen, die es so in Zukunft nicht mehr gibt.“

Das allerdings heißt nicht, dass die Klärwärter die sprichwörtliche ruhige Kugel schieben. Drei Männer sind beim Leisniger Verband beschäftigt. Sie müssen sich im gesamten Verbandsgebiet um immerhin 52  öffentliche Kläranlagen unterschiedlicher Größe kümmern und auch das Kanalnetz in Ordnung halten, wie der Geschäftsführer auflistet.

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