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Donnerstag, 04.01.2018 Aus dem Gerichtssaal

Autoklau als Geschäft

Zwei Männer stehen vor Gericht. Sie sollen Chefs einer Bande mit vielen Komplizen sein.

Von Christoph Springer

© Fabian Schröder

Sie hatten es auf die Marken Ford, Opel und Mazda abgesehen und haben sich die Arbeit mit ihren Komplizen geteilt. Sie waren die Chefs, ihre Komplizen agierten als Fahrer, Mechaniker und Schweißer. Maciej B. und Tomasz S. suchten die Autos aus und bereiteten sie für den Diebstahl vor, steht in der Anklageschrift gegen die zwei Männer aus Polen. „Vorbereitung“ bedeutet dabei, dass sie die Pkws aufbrachen oder mit nachgearbeiteten Schlüsseln öffneten, die Fahrzeugrechner mit kleinen Diagnosecomputern manipulierten und dann ihre Helfer riefen, die die Fahrzeuge nach Polen bringen sollten. Es handelte sich um eine Bande, die mit den Autoteilen in Polen handelte, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Am Mittwoch standen Maciej B. und Tomasz S. deshalb in Dresden vor Gericht.

S. war den Ermittlern bereits im April 2016 in Dresden mit einem Kia aufgefallen. In dem Auto fand die Polizei damals jede Menge Werkzeug für Autoeinbrüche. Gemeinsam mit einem Helfer soll er nachts Pkws unter anderem auf der Müller-Berset-Straße und der Comeniusstraße ausspioniert haben.

Mitte Mai 2017 überwachten die Fahnder dann mehrere Telefone. Sie hörten die Gespräche mit und registrierten, wo sich die Handynutzer gerade aufhielten. Zeitgleich war ein verdächtiger Renault-Transporter mit polnischem Kennzeichen in Leipzig aufgefallen. Eine Woche später war der Transporter wieder nach Leipzig unterwegs. Auch während dieser Fahrt wurde telefoniert, und wieder hörten die Beamten mit. Am darauffolgenden Morgen, dem 23. Mai, klickten dann die Handschellen. In dem Auto, das auf einem Parkplatz stand, hatten die zwei Angeklagten übernachtet. Bei der Durchsuchung fand die Polizei wieder Einbruchswerkzeug, eine Adressenliste und einen kleinen Zettel mit vier extra vermerkten Fahrzeugen. Darauf stand, um was für Autos es sich handelt, wo sie stehen und welche polnischen Kennzeichen für sie vorgesehen sind. Bereits tags zuvor hatten Polizisten in Bad Muskau ein Auto kontrolliert, das über die Grenze gekommen war. Unter der Rückbank steckten genau diese Kennzeichen. In dem Auto saßen vier junge Polen, zwei Frauen und zwei Männer. Sie wurden laufengelassen. Später erst wurde klar: Es handelte sich wohl um Fahrer für die gestohlenen Autos.

Das Gericht unter Vorsitz von Roland Wirlitsch sah es als erwiesen an, dass die zwei Polen die Köpfe einer Autoknackerbande sind. Er schickte sie für zwei Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Die Anwälte der Männer wollen das Urteil anfechten.

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