• Einstellungen
Dienstag, 14.03.2017

Auswärts ein Aufsteiger

Dynamo holt in der Fremde mehr Punkte als im heimischen DDV-Stadion – woran das liegt und was es bedeutet.

Von Sven Geisler

Erich Berko (l.) schaut staunend, wie sich die Mitspieler um Niklas Kreuzer (M.) über das 2:0 in Würzburg freuen. Staunen kann man auch über Dynamos Auswärtsbilanz.
Erich Berko (l.) schaut staunend, wie sich die Mitspieler um Niklas Kreuzer (M.) über das 2:0 in Würzburg freuen. Staunen kann man auch über Dynamos Auswärtsbilanz.

© Jan Huebner

Dazu hat er eine völlig andere Sichtweise, und so sagt es Uwe Neuhaus auch. „Ich glaube, dass wir zu Hause wie auswärts viele Punkte geholt haben für einen Aufsteiger“, erklärt der Trainer von Dynamo Dresden. Und damit hat er natürlich grundsätzlich recht. 18 Zähler im eigenen DDV-Stadion und 20 in der Fremde nach jeweils zwölf Spielen sind eine starke Ausbeute, zusammengerechnet ergibt das Platz fünf. Getrennt liest sich die positive Bilanz ein wenig anders: Zweiter in der Auswärts- und Elfter in der Heimtabelle. Insgesamt gab es zu Hause erst vier Siege zu feiern, auswärts war das 2:0 in Würzburg bereits der sechste. Daraus ließe sich nun eine Heimschwäche ableiten.

Neuhaus hatte das selber schon angesprochen, ironisch von einer Mini-Krise geredet. Das war vor den Spielen gegen Hannover (1:2) und Kaiserslautern (3:3), die beide nicht gewonnen wurden. Der letzte Heimsieg ist gefühlt eine Ewigkeit her: das 2:1 gegen Greuther Fürth am 20. November vorigen Jahres. In den fünf Partien seitdem gab es vier Unentschieden und eine Niederlage. Auswärts haben die Schwarz-Gelben in der gleichen Zeit aber vier Siege eingefahren und zweimal verloren.

„Das heißt nicht, dass wir zu Hause schwächer sind“, betont Neuhaus, aber: Woran liegt es, dass die Ergebnisse nicht richtig zu den gezeigten Leistungen passen? Der Chefcoach nennt für die scheinbare Diskrepanz einen entscheidenden Grund: „Wir sind in vielen Heimspielen an unserer Chancenverwertung gescheitert.“ Um diese Theorie zu belegen, reichen die jüngsten beiden Partien und der im Fußball gern verwendete Konjunktiv, was gewesen wäre, wenn ...: Dynamo gegen Hannover in den ersten 20 Minuten nicht gleich fünf gute Möglichkeiten vergeben oder Aias Aosman und Niklas Hauptmann gegen Kaiserslautern die Doppelchance genutzt hätten. Weitere Beispiele ließen sich finden.

Deshalb sagt Kapitän Marco Hartmann: „Mich belastet das gar nicht, weil unsere Leistungen trotzdem überzeugend sind.“ Das 0:0 gegen Union Berlin ist vielleicht erst im Nachhinein als Punktgewinn zu werten, gegen Hannover haben sie auf Sieg gesetzt und verloren, und Kaiserslautern war sowieso besonders. „Das war ein richtig gutes Spiel von uns, vor allem in der ersten Halbzeit“, sagt Hartmann, der es wegen einer Gelbsperre von der Tribüne aus genau beobachten konnte. „Die zwei Gegentore fallen aus dem Nichts, und dann so zurückzukommen – das war schon stark.“

Eindrucksvolle Aufholjagden

Dynamo drehte das Ergebnis, musste aber am Ende dem hohen Aufwand Tribut zollen und konnte die 3:2-Führung nicht über die Zeit bringen. „Vielleicht wollen wir zu Hause zu viel“, mutmaßt Niklas Kreuzer, „laufen deshalb ins offene Messer.“ Das hat mindestens unterbewusst auch etwas mit der Kulisse zu tun, die mit durchschnittlich 28 979 Zuschauern hoch emotional ist. Hier springt der Funke tatsächlich über, das haben die erfolgreichen Aufholjagden gegen RB Leipzig im DFB-Pokal und den damaligen Spitzenreiter Eintracht Braunschweig eindrucksvoll bewiesen.

Andererseits besteht die Gefahr, zu überdrehen. Das gehört zu dem Lernprozess, den die junge Mannschaft durchmacht, in der die meisten Spieler nach wie vor nur wenig Zweitliga-Erfahrung haben. Hinzu kommt, dass Dynamo zu Hause ohnehin mehr gefordert ist. „Die Spiele laufen schon ein kleines bisschen anders“, meint Neuhaus. „Man hat nicht so viele Räume, weil sich der Gegner teilweise ziemlich tief hinten reinstellt.“ Genau das ist der Punkt, an dem die Schwarz-Gelben arbeiten müssen. „Es ist ein Schritt in der Entwicklung zur Konstanz, Lösungen auf dem Platz zu finden, wenn der Gegner etwas verändert. Das ist manchmal noch nicht der Fall“, erklärt der Trainer. In Würzburg ist das mit einer taktischen Umstellung auf mehr lange Bälle gelungen.

Der nächste Gegner, der SV Sandhausen, kommt da gerade recht. Könnte man denken, denn der Dorfverein aus Nordbaden wird immer noch gern unterschätzt. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Tabelle und die Bilanz: zwei Siege, sechs Unentschieden, drei Niederlagen. Die bisher letzte war das 0:2 in der Hinrunde. „Das war eines unserer schwächsten Spiele in dieser Saison überhaupt“, meint Neuhaus, und Torwart Marvin Schwäbe bestätigt: „Dort sind wir vielleicht ein bisschen zu locker reingegangen, lagen ruckzuck 0:2 hinten. So schnell geht’s dann.“

Passiert ist es auswärts, was also eigentlich überhaupt nicht zur Statistik passt. Die soll nun auch am Sonntag korrigiert und, wie es Schwäbe sagt, „der Spieß umgedreht“ werden. Im eigenen Stadion. Dann wäre die Diskussion über Auswärtsstärke und Heimschwäche erst einmal beendet, die ohnehin eine theoretische ist. Denn was allein zählt, ist die Summe aller Punkte. Und die ist mit 38 nach 24 Spieltagen so hoch wie noch nie in Dynamos bisher fünf Zweitliga-Jahren. Der Bestwert aus der Saison 2011/12 lag bei 32.

Bewerten Sie die Leistungen der Dynamo-Spieler in Würzburg!

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.