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Sonntag, 19.03.2017

Aushilfskraft mit Torinstinkt

Sebastian Zauner trifft beim 3:0-Sieg der Eislöwen gegen Kaufbeuren, dabei sagt er, die Offensive liege ihm nicht.

Von Sven Geisler

Sebastian Zauner (Mitte) lässt sich nach seinem Tor zum 1:0 von Mirko Sacher (links) und Arturs Kruminsch feiern.
Sebastian Zauner (Mitte) lässt sich nach seinem Tor zum 1:0 von Mirko Sacher (links) und Arturs Kruminsch feiern.

© Robert Michael

Sein erster Schuss ist gleich ein Treffer. Sebastian Zauner zieht einfach mal ab und lässt Kaufbeurens Torwart Stefan Vajs unglücklich aussehen. Es ist die frühe Führung für die Dresdner Eislöwen im dritten Spiel des Viertelfinales in der Deutschen Eishockey-Liga 2 – und anders als in den beiden Duellen davor dominieren sie am Sonntagnachmittag in eigener Halle fast über die kompletten 60 Minuten. Der Sieg ist mit dem 3:0 (1:0, 1:0, 1:0) klar und auch verdient. Damit haben sie ihre Chance auf den Einzug ins Halbfinale gewahrt und in der Serie „Best of 7“ auf 1:2 verkürzt.

„In den ersten zwei Spielen waren wir nicht gut genug“, sagt Zauner, und er nennt die entscheidenden Unterschiede: „Heute haben wir die Tore geschossen, defensiv besser gestanden, schlauer agiert, waren enger an den Gegenspielern dran und haben weniger Schüsse zugelassen.“ Der 22-Jährige, der sonst verteidigt, spielte diesmal als Linksaußen in der dritten Angriffsreihe. „Das Offensive liegt mir eigentlich nicht so, aber wenn mich die Mannschaft dort braucht, gebe ich mein Bestes.“

Trainer muss nicht überreden

Der Trainer habe ihn jedenfalls nicht überreden müssen, erzählt er und schmunzelt dabei. Schon im Nachwuchs bei Red Bull Salzburg hatte der gebürtige Berchtesgadener ab und zu im Sturm ausgeholfen. „Da finde ich mich schon rein“, meint er – und stellt sein Licht damit ein wenig unter den Scheffel. Denn nicht nur wegen seines Treffers war Bill Stewart mit dem Mann im besonderen Einsatz mehr als zufrieden. „Er ist ein guter Verteidiger“, sagt der Kanadier, „aber aufgrund der Ausfälle musste er diesmal auf dem linken Flügel aushelfen. Das hat er großartig gemacht.“

Der Chefcoach konnte diesmal mit der Teamleistung zufrieden sein und lobte den Charakter, den die Mannschaft nach der Niederlage in der Verlängerung am Freitagabend in Kaufbeuren gezeigt hat. „So muss es sein.“ Schon vor dem ersten Bully zündete ein Feuerwerk in der Halle, und die Fans hüllten die Kurve in eine blau-weiße Choreografie: „Ganz Dresden dreht sich um den ESC.“ Das ist zwar übertrieben, aber mit 3 682 Zuschauern war es das bisher bestbesuchte Heimspiel dieser Saison, von den Sachsenderbys abgesehen.

Nach Zauners Führungstreffer hatten die Eislöwen die Partie gut im Griff und konnten sich bei den wenigen Chancen der Gäste einmal mehr auf ihren Torwart Kevin Nastiuk verlassen. Schon zur ersten Drittelpause gab es verdienten Beifall, im zweiten Abschnitt legte Arturs Kruminsch mit einer entschlossenen Aktion über rechts das 2:0 nach. Einziges Manko: Aus drei Überzahl-Situationen im zweiten Drittel – davon 25 Sekunden mit drei gegen fünf – sprang kein weiterer Treffer heraus. Teemu Rinkinen traf dann aber zu Beginn des Schlussabschnitts zum 3:0, als Kaufbeuren gerade wieder komplett war (42.).

Auf jeder Seite entschied der Schiedsrichter je einmal nach Videobeweis: kein Tor. Auch beim Lattenkracher von Zauner in der 45. Minute. „Anfangs dachte ich: Der ist drin, aber eigentlich wusste ich, dass es nicht so war“, sagt der neue Dresdner Torjäger. Aber das wäre ihm dann doch zu dick aufgetragen. „Ich habe ein Tor geschossen, gut. Hauptsache, wir haben gewonnen.“ Das ist ein gebräuchlicher Spruch, aber in dem Fall trifft er den Nagel auf den Kopf. Es wäre eine schwierige psychologische Herausforderung für die Eislöwen geworden, mit dem drohenden Sweep – dem schnellstmöglichen Aus in den Play-offs nach vier Niederlagen – im Nacken am Dienstag in Kaufbeuren anzutreten.

Mit dem Erfolg ist klar, dass sie – unabhängig vom Ausgang der Auswärtspartie – das nächste Heimspiel am Freitag haben. Stewart geht sogar davon aus, dass sie die Serie von sieben Spielen auskosten. „Jedes Spiel bisher war extrem eng, die Torhüter auf beiden Seiten exzellent aufgelegt“, begründet er – und hat noch ein Sonderlob für seine Aushilfskraft. Zauner sei der Spieler im Kader, der sich in dieser Saison am meisten weiterentwickelt hat. „Darauf kann er sehr stolz sein.“

Zauner will es bestätigen – und lässt dafür den Bart stehen. „Das machen viele Fans auch, zeigt Zusammenhalt.“ Es sieht so aus, als würden die Play-offs für die Dresdner jetzt erst so richtig losgehen.

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