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Donnerstag, 07.12.2017

Ausflug in die Welt der Puppen

Sammlerin Gudrun Schöne zeigt Spielzeug-Raritäten in Großröhrsdorf. Besucher können schauen und staunen.

Von Reiner Hanke

Ein Leben lang Puppenmutti: Gudrun Schöne sammelt leidenschaftlich Puppen und Puppenstuben. Einen Teil stellt sie jetzt in Großröhrsdorf aus.
Ein Leben lang Puppenmutti: Gudrun Schöne sammelt leidenschaftlich Puppen und Puppenstuben. Einen Teil stellt sie jetzt in Großröhrsdorf aus.

© Matthias Schumann

Lichtenberg/Großröhrsdorf. Die Welt der Puppen ist auch die Welt von Gudrun Schöne aus Lichtenberg. In die entführt sie jetzt die Besucher der aktuellen Weihnachtsausstellung im Großröhrsdorfer Heimatmuseum. Die Schau wird zum Weihnachtsmarkt am Wochenende eröffnet. Anlass ist das 15-jährige Bestehen ihres Puppenmuseums, der Puppenstube in Lichtenberg. Zum Jubiläum ihres eigenen Museums holt Gudrun Schöne nun ganz besondere Stücke für die weihnachtliche Ausstellung nach Großröhrsdorf. Natürlich auch etliche Puppenstuben. Die sind wie ein Streifzug durch die Puppenzeit des 19. und 20. Jahrhunderts. So gewährt die Schau einen Blick in die gute Jugendstilstube. Und in die Küche aus der Zeit Anfang des vorigen Jahrhunderts, wo die Hausherrin den Nachwuchs versorgt. Es gibt aber auch die Küche der 1950er-Jahre. Und einen prächtigen Kaufmannsladen etwa um 1900 entstanden, natürlich mit Verkäuferin hinter dem Tresen. Beeindruckend ist der Detailreichtum. So kann der Betrachter die Zeit vor den Schaustücken leicht vergessen, um immer wieder Neues zu entdecken, das liebevoll arrangiert ist. Vieles auch in stundenlanger Kleinarbeit selbst hergestellt. Im historischen Raumausstatter gleitet der Blick über winzige Stoffballen, Hutschachteln, Kopfputz, Büchlein und vieles mehr. So ist jedes Schaustück etwas Besonderes. Dazu gehört auch die in Deutschland wohl einmalige Sammlung von Miniaturpuppenwagen. An die 70 von historisch bis modern und sogar selbstgebaut und mit Perlen verziert sind zu sehen. Dazu Spielzeugnähmaschinen und seltenes Puppenspielzeug aus Metall und Porzellan. Gudrun Schöne zeigt auch gern die technischen Raffinessen. Zum Beispiel ein Puppenstübchen mit Waschbecken und einem winzigen Hahn. Aus dem kann sogar Wasser fließen. „Die Mädchen sollten perfekt aufs Leben vorbereitet werden“, sagt Gudrun Schöne. Da fehlt nichts vom Fleischwolf bis zur Kaffeemühle.

Schon als Kind Puppen gesammelt

Ihre Leidenschaft für die Puppen, Puppenstuben und das ganze Zubehör begleitet die inzwischen 77-Jährige Puppenmutti aber nicht erst seit 15 Jahren, sondern seit ihrer Kindheit in Kriegs- und Nachkriegszeiten, als Spielzeug knapp war. „Es gab nichts, nur etwas Gebrauchtes.“ Schon damals habe sie sogar auf Sperrmüllhalden nach Spielzeug gesucht und die Schätze auf dem Dachboden in Lichtenberg versteckt. Die Mutter sah das wohl nicht so gern. Aus dieser Zeit hatte sie zum Beispiel noch ein Puppensofa. Nach der Wende entdeckte sie dann auf dem Trödelmarkt eine passende Puppenstube und konnte natürlich nicht vorbei gehen. Die Kindheit stand ihr sofort wieder vor Augen. Es war dann auch nach der Wende, als sie sich ihrer Leidenschaft wieder intensiv zu widmen begann. Denn die ist ihr Leben. Bis Anfang der 1990er-Jahre war der ganze Fundus in Säcken verstaut. Vieles musste dann repariert und ergänzt werden. Sie stöberte auf Trödelmärkten und verfolgte Haushaltsauflösungen. Um die 180 Puppen verpasste sie mit Stricknadel und Wolle oder Garn die passende Kleidung. Sie fädelte Perlen für dekorative Stubenlampen und modellierte Kuchen für den Bäckereiladen. In die Puppenleidenschaft investierte und investiert die Lichtenbergerin ihre ganze Freizeit und will das auch noch weiterhin tun. Denn sie habe immer neue Ideen. Die Puppen sind ihr schließlich Leben. Nun hoffe sie, dass sich auch künftige Generationen noch an ihrer Sammlung erfreuen können. Gerade ältere Leute kommen immer sehr glücklich vom Rundgang durch die Museums-Puppenstube. Die Chance, diese endlich zu eröffnen und die Schätze für viele Menschen auszustellen, ergab sich nach einem Umzug vor 15 Jahren. Allein über 1 000 Puppen besitzt die Lichtenbergerin inzwischen. Ein kleiner Teil der Sammlung ist in Großröhrsdorf zu bestaunen. Wer mehr sehen möchte, kann derzeit auch ins Pulsnitzer Stadtmuseum gehen. Das präsentiert Miniaturpuppenstuben aus ihrer Sammlung. Ein Teil geht jetzt auch nach Boxdorf für eine Ausstellung. Und natürlich lohnt immer ein Besuch in Lichtenberg.

Gezeigt wird die Ausstellung im Großröhrsdorfer Heimatmuseum auf der Schulstraße erstmalig am 9./10. Dezember von 14  bis  18 Uhr. Danach kann die Sammlung bis Ende Januar nach Voranmeldung besichtigt werden. Die Puppenstube in Lichtenberg hat von November bis März immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet (oder nach telefonischer Vereinbarung, 035955 43282).

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