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Freitag, 04.05.2018 Kommentar

Auschwitz als PR-Nummer

Kollegah und Farid Bang wollen der Einladung des Auschwitz-Komitees folgen. Dienlich dürfte der „Sühnebesuch“ im KZ wohl aber nur dem ramponierten Ruf der Rapper sein. Ein Kommentar.

Von Oliver Reinhard

Oliver Reinhard
Oliver Reinhard

© Robert Michael

Einen größeren Gefallen als diese PR-Steilvorlage hätte das Auschwitz-Komitee Kollegah und Farid Bang gar nicht tun können: Selbstverständlich nahmen die Rapper, die mit der Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“ einen Skandal ausgelöst und das Ende des Musikpreises Echo eingeläutet hatten, die Einladung gerne an. Alsbald werden sie die KZ-Gedenkstätte in Polen besuchen.

Und es gilt nach den Gesetzen der Öffentlichkeits-Arbeit nicht nur im Pop als sicher: Die beiden werden von dort ungeheuer beeindruckt, betroffen und belehrt wiederkehren, Besserung geloben und von der Branche als verlorene, nun aber wiedergefundene Söhne mit offenen Armen an die mit Goldketten behangene Brust gedrückt. Reuige Sünder, zurück auf dem rechten Weg; ließe sich Schöneres, Rührenderes, Vergebenswürdigeres denken?

Ja: Ehrlichkeit. Denn die beiden haben schon beim Liedtexten genau gewusst, was Auschwitz war, was dort geschehen ist und was sie taten. Nicht trotzdem, sondern gerade deshalb haben Kollegah und Bang, deren Erfolgsrezept nun mal die gezielte Provokation ist, ihre Zeile formuliert. Es ist also nicht ihr Kenntnisstand, der einen Aufklärungstrip nach Auschwitz bräuchte. Es ist allein ihr ramponierter Ruf, dem dieser scheinheilige, aber enorm öffentlichkeitswirksame Sühnebesuch nutzen wird.

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