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Mittwoch, 03.01.2018

Aus für Gewerbemesse in Staucha

Die 17. Auflage wurde abgesagt. Grund sind finanzielle Verluste. Manche Aussteller finden das nicht besonders schlimm.

Von Jürgen Müller und Sylvia Jentzsch

Daniel Kniesel, Geschäftsführer Firma Kniesel Haustechnik aus Panitz, installiert einen Duschkopf in einer kombinierten Wanne/Dusche für kleine Räume auf der Gewerbemesse. Zumindest in diesem Jahr wird es aber die traditionsreiche Messe in Staucha nicht geben.
Daniel Kniesel, Geschäftsführer Firma Kniesel Haustechnik aus Panitz, installiert einen Duschkopf in einer kombinierten Wanne/Dusche für kleine Räume auf der Gewerbemesse. Zumindest in diesem Jahr wird es aber die traditionsreiche Messe in Staucha nicht geben.

© Christian Schultz

Stauchitz. Sie war viele Jahre das Aushängeschild des Handwerks in der Region, besonders in der Lommatzscher Pflege: die Gewerbemesse in Staucha. In der historischen Markthalle und auf dem Gelände des Herrenhauses präsentierten sich Firmen aus der Region. Tausende Besucher wurden Jahr für Jahr gezählt. 16 Mal fand die Schau bereits statt, aber eine 17. Auflage wird es nicht geben.

Der Stauchitzer Gemeinderat beschloss, die Gewerbemesse zumindest 2018 nicht durchzuführen. Grund sind finanzielle Verluste, welche die Gemeinde Stauchitz als Veranstalter zu tragen hat. Die Rede ist von 15 000 Euro allein in diesem Jahr. Der Stauchitzer Bürgermeister Frank Seifert (parteilos) widerspricht. „In dieser Rechnung wurden die Einnahmen wie die Standgebühren nicht eingerechnet.“ Und dennoch: Auch bei Abzug der Einnahmen bleibt ein Finanzloch im fünfstelligen Bereich.

„Wir waren fast immer auf der Gewerbemesse präsent“, sagt Peter Teichert von Teichert Nutzfahrzeuge in Ostrau. Das Publikum habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Zuerst waren es vor allem Bauwillige, die Interesse zeigten. In den letzten Jahren waren es eher Leute, die unterhalten werden wollten und keine potenziellen Kunden waren“, so Peter Teichert. Vielleicht müsse ein neues Konzept her. Das bisherige habe in Zeiten des Internets und der vielen Feste in der Region keine Chance, so der Geschäftsmann. Er ist über die Entscheidung, die Messe 2018 nicht stattfinden zu lassen, nicht besonders enttäuscht.

„Die Messe hat sich für uns nicht wirklich gerechnet. Neben den Gebühren musste der Stand auch mit Fachpersonal abgesichert und entsprechend gestaltet werden“, so Peter Teichert. Auch die Firma Pumpen Billig aus Döbeln gehörte zu den Firmen, die auf der Messe ihre Produkte angeboten haben. „Eigentlich wollte ich die Firma bis Ende des Jahres angemeldet haben. Das ist ja nun nicht mehr notwendig“, so Chefin Jana Billig. Auch sie spricht davon, dass sie in den letzten Jahren kaum neue Aufträge auf der Messe abschließen konnte. Ihr sei es lediglich um die Präsentation des Unternehmens gegangen, damit die Leute wüssten, dass es die Firma gibt.

Bürgermeister Frank Seifert bedauert die Absage. „Mit dieser Messe haben wir nicht nur dafür gesorgt, dass die Gemeinde bekannter wird, sondern auch etwas für die Bewohner des ländlichen Raumes getan, ihnen etwas geboten. Diese Messe war einzigartig auf dem Land“, sagt er.

Völlig überraschend kommt die Entscheidung allerdings nicht. Seit Jahren verlor die Messe sowohl an Ausstellern als auch an Besuchern. Letzteres wurde vor allem in den vergangenen zwei Jahren auf das Wetter geschoben, war aber wohl nicht der alleinige Grund. Derartige Messen als „Gemischtwarenladen“ haben sich offenbar überlebt.

Hinzu kam in den vergangenen Jahre mangelndes Interesse der Aussteller. Dies liegt wohl zum großen Teil daran, dass die Wirtschaft boomt, sich auch kleine Firmen vor Aufträgen kaum retten können, weil viele Leute Geld ausgeben, statt es auf der Bank verfallen zu lassen. Die Folge ist, dass die Firmen weder Zeit noch Personal haben, sich auch noch am Wochenende auf eine Messe zu stellen.

Dem Schicksal wollte man sich in der veranstaltenden Gemeinde Stauchitz nicht ergeben.

Es gab für 2018 viele Ideen, die Verluste zu minimieren und die Messe zu retten, sagt der Bürgermeister. So wurde daran gedacht, die gesamte Fläche an einen Pächter zu vermieten, der dann wieder Verträge mit den Ausstellern schließt. Somit wären für die Gemeinde die Pachteinnahmen gesichert gewesen. Ebenfalls wurde ins Auge gefasst, auch am Sonnabend Eintritt zu verlangen. War der Besuch der Messe in den ersten Jahren generell kostenfrei, wurde später am Sonntag Eintritt kassiert. Damit sollten die Künstler bezahlt werden, die an diesem Tag auftraten, so die offizielle Begründung.

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