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Donnerstag, 07.12.2017 Aus dem Gerichtssaal

Aus Eifersucht die Falschen verdächtigt

Ein 43-Jähriger hat sich wüste Dinge eingebildet und seine Ex-Partnerin öfter angegriffen. Hintergrund ist der Kampf um die gemeinsame Tochter.

Von Alexander Schneider

© Fabian Schröder

Es ist schon recht verschwörerisch, was einem 43-Jährigen so durch den Kopf gegangen sein mag. Jose M. hatte den Verdacht, dass Fremde online Zugang zu seinem Email-Konto hatten. Kurz darauf habe er auf einem Parkplatz zwei Männer in einem BMW gesehen, die gerade ihre Handys wegpackten. Er sei er ihnen gefolgt und habe festgestellt, dass das Duo, ein Älterer und ein Jüngerer, ihn schon früher observiert hätten. Möglicherweise bildete sich Jose M. nun auch ein, seine Ex-Lebensgefährtin betrügt ihn mit einem der beiden.

Am Mittwoch stand der Pflasterer aus Portugal vor dem Amtsgericht Dresden. Jose M. soll bereits im Frühjahr 2015 seine Ex (41) mehrfach angegriffen und verletzt haben, auch vor den Augen der gemeinsamen Tochter (8) und dem älteren Sohn der Frau. Im Jahr 2016 hat M. laut Anklage beim Jobcenter geschwindelt und 301 Euro zu viel kassiert und mehrfach zwei Syrer, Vater und Sohn, angegriffen und bedroht. Außerdem bedrohte er einen Mann vor einem Netto-Markt mit einem Messer.

Vater und Sohn berichteten, sie kannten weder den Angeklagten, ehe der bei ihnen nachts geklingelt hatte, noch seine Ex-Partnerin. Dreimal habe er ihnen aufgelauert, berichteten die Syrer. Gut erinnern konnte sich die Ex-Frau. Immer wieder habe M. sie geschlagen, schon vor der Trennung 2012. Seit Sommer 2015 jedoch habe er sich ihr nicht mehr genähert.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten, der nur einen Teil der Vorwürfe zugegeben hatte, zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung – unter anderem wegen Körperverletzung, Bedrohung, Betruges und Nötigung. M. sei „völlig ausgetickt“, sagte Richter Thomas Hassel, er habe sich Dinge eingebildet, die nichts mit der Realität zu tun gehabt hätten.

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