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Freitag, 11.08.2017

Aus dem großen wird ein kleiner Sonnenkönig

Die Gläubiger erlauben Solarworld-Gründer Frank Asbeck, in Freiberg weiterzumachen. Er gibt schon wieder Garantien.

Von Georg Moeritz

Da ist er wieder: Frank Asbeck – Gründer von Solarworld. Zweimal hat er den Konzern an den Abgrund geführt. Nun darf er Teile davon retten.
Da ist er wieder: Frank Asbeck – Gründer von Solarworld. Zweimal hat er den Konzern an den Abgrund geführt. Nun darf er Teile davon retten.

© dpa

so kennen ihn seine Geschäftspartner: Frank Asbeck gibt den Stehaufmann und spricht drei Monate nach der Pleite schon davon, nächste Woche die Produktion von Solarzellen wieder zu beginnen – und womöglich weiter hochzufahren.

20 Jahre Produktgarantie, auch das steht auf der Internetseite des neuen Unternehmens Solarworld Industries GmbH, das seit Freitag die Fabriken in Freiberg in Sachsen und Arnstadt in Thüringen weiterführen darf. Die Gläubigerversammlung am Solarworld-Konzernsitz Bonn billigte am Freitag Asbecks Plan, Teile seines Pleite-Konzerns zu kaufen. Wie angekündigt, dürfen in Freiberg 285 von 1 000 Beschäftigten bleiben, in Arnstadt 180 von zuletzt 650. Transferfirmen in beiden Orten bieten den ehemaligen Beschäftigten an, sie bis Ende Februar zu schulen. Wer mitmacht, bekommt 80 Prozent des bisherigen Nettogehalts, größtenteils bezahlt von der Arbeitsagentur, aber nach Sozialplanverhandlungen mit Metall- und Chemiegewerkschaft etwas aufgestockt.

Die künftige Belegschaft sei nur eine „Notbesetzung“, hatte die IG Metall kritisiert. Wie ein Bruchteil der Fachleute die Fabriken von der Solarzelle bis zum fertigen Modul weiterführen soll, dazu äußerte sich der neue und alte Chef nicht. In einer Pressemitteilung am Freitagnachmittag kündigte Asbeck lediglich an, nächste Woche mit der Solarzell- und Modulproduktion zu beginnen. Gerade erst war die Produktion heruntergefahren worden, Chemikalien wurden abgelassen. Das neue Unternehmen soll mit einer Fertigungskapazität von 700 Megawatt starten, die „auch wieder auf die bisherige Kapazität von über 1 000 MW hochgefahren werden kann“, schrieb der alte und neue Sprecher von Solarworld, Milan Nitzschke. Diese Zahl sagt nur aus, wie viel Strom die Solarzellen aus einem Jahr Produktion maximal erzeugen können. Ein Auftrag über 25 MW liege vor.

Sprecher Nitzschke bestätigte, dass außer dem bisherigen Mitbesitzer Asbeck auch wieder das Unternehmen Qatar Solar Technologies beteiligt ist. Die Firma aus dem Emirat Katar hatte Asbeck bereits 2013 unterstützt, als er Solarworld schon einmal von Schulden befreien konnte. Inzwischen produzieren die Katarer in ihrem Land auch selbst den Rohstoff Solar-Silizium. Die neue Firma Solarworld Industries soll sich ausschließlich auf „Premiumprodukte“ konzentrieren, also mit eher teuren Solaranlagen den Wettbewerb gegen Billigkonkurrenz aus Asien aufnehmen. Dazu gehören Module mit verspiegelter Rückseite („monokristalline Perc-Solarzellen“) oder mit Glas auf beiden Seiten zu beidseitiger Energiegewinnung. Mit einer ähnlichen Luxus-Strategie etablierte sich schon der Dresdner Hersteller Solarwatt, der sich vor einigen Jahren ebenfalls von einem Teil der Mitarbeiter und der Gläubiger getrennt hatte und danach Wachstum meldete.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bedauerte am Freitag, dass nicht mehr Stellen in Freiberg erhalten bleiben. Doch ihm sei wichtig, die „gesamte Wertschöpfungskette“ der Solarindustrie in Europa zu erhalten – einschließlich der Forschung. 60 Stellen in der Freiberger Forschungsfirma bleiben erhalten, laut Dulig auch alle 27 Auszubildenden.

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