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Dienstag, 02.01.2018

Aufatmen nach der Vogelgrippe

Für Andrea Lau von der Gänsezucht in Königswartha begann das Jahr 2017 mit Bangen – und endete versöhnlich.

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Kann wieder lachen: Andrea Lau ist eigentlich eine fröhliche Frau, die andere schnell mit ihrer guten Laune ansteckt. Doch als Anfang 2017 immer wieder Fälle von Vogelgrippe gemeldet wurden, überwogen bei der Betriebsleiterin der Gänsezucht in Königswartha die Sorgen. Zum Jahresende sah die Welt für sie dann wieder viel freundlicher aus.
Kann wieder lachen: Andrea Lau ist eigentlich eine fröhliche Frau, die andere schnell mit ihrer guten Laune ansteckt. Doch als Anfang 2017 immer wieder Fälle von Vogelgrippe gemeldet wurden, überwogen bei der Betriebsleiterin der Gänsezucht in Königswartha die Sorgen. Zum Jahresende sah die Welt für sie dann wieder viel freundlicher aus.

© Uwe Soeder

Königswartha. Solch ein Foto hätte vor einem Jahr nicht entstehen können. Wegen der Vogelgrippe galt damals in Sachsen Stallpflicht für Geflügel – auch bei der Gänsezucht in Königswartha. Betriebsleiterin Andrea Lau mag nicht mehr an diese Zeit denken, denn die Gänse einsperren zu müssen, behagte ihr überhaupt nicht. „Gänse sind Weidetiere. Die wollen raus, sich bewegen, den ganzen Tag Gras zupfen so wie Schafe.“

Dabei ging es den knapp 4 000 Königswarthaer Zuchtgänsen noch relativ gut. Denn dank der überdachten Ausläufe an den Ställen konnten sie trotzdem raus. Mit engmaschigen Netzen wurden diese Bereiche nun auch seitlich geschützt, um zu verhindern, dass die Gänse mit Wildvögeln und so möglicherweise auch mit dem Vogelgrippe-Virus in Berührung kommen. „Nur an einem Stall haben wir keinen Auslauf, dort mussten die Gänse wirklich drin bleiben“, sagt Andrea Lau. Allerdings kam im Februar die nächste Hiobsbotschaft. War die Stallpflicht zunächst als Vorsichtsmaßnahme angeordnet worden, weil anderenorts die Geflügelpest umging, lag die Gefahr plötzlich vor der Haustür. In Königswartha war ein toter Silberreiher gefunden und bei ihm das gefährliche Virus nachgewiesen worden. Wie in den anderen Fällen, die damals kurz hintereinander auch im Landkreis Bautzen auftraten, wurde eine Drei-Kilometer-Zone rund um den Fundort zum Sperrgebiet erklärt. Und der zur Firma Eskildsen gehörende Zuchtbetrieb lag nun mittendrin. Mitarbeiter des Bautzener Veterinäramtes rückten an, um bei den Gänsen Proben zu nehmen. Zwei Tage später dann die erlösende Nachricht: Es wurde kein Virus nachgewiesen.

Sehr kooperative Mitarbeiter

Anderenfalls hätten, entsprechend der geltenden Vorschriften, alle Tiere getötet werden müssen. „Dann wäre das hier alles weggewesen. Das hätte das Aus für die Firma bedeutet“, sagt Andrea Lau ernst. Denn Königswartha lege als Basiszuchtbetrieb den Grundstein für das, was an den anderen Standorten des Unternehmens passiert. Das stand bereits einmal wegen der Geflügelpest kurz vor dem Aus. Am Standort in Wermsdorf bei Mutzschen war 2006 die Seuche ausgebrochen. Der gesamte Bestand – 16 000 Gänse und Puten – musste getötet werden. Nach der Reinigung und Desinfektion mussten die Ställe dann wochenlang leer bleiben – und Königswartha konnte nicht wie sonst üblich geschlüpfte Gössel nach Wermsdorf liefern. Um mehr andere Abnehmer als sonst zu finden, „hab’ ich damals im Radio einen Aufruf gemacht“, erinnert sich Andrea Lau. Immerhin schlüpfen im Frühjahr jede Woche mehrere Tausend Gössel. Die könne man unmöglich alle in Königswartha aufziehen.

„Aber diesmal ist ja alles gut gegangen“, wischt die Betriebsleiterin die trüben Gedanken beiseite. Die Mitarbeiter vom Veterinäramt seien sehr kooperativ gewesen. Nach der Entnahme der Proben „haben sie mit uns gezittert“. Als dann zu Ostern die Beschränkungen wegfielen, weil im Umkreis keine neuen Vogelgrippe-Fälle mehr bekannt geworden waren, konnte man wieder zum normalen Betrieb übergehen. Und übern Sommer konnten die Tiere dann wie üblich draußen bleiben. Erst im Oktober kamen die Zuchtgänse wieder in die Ställe. Bis sie im Februar zu legen beginnen, haben sie nun ihre Ruhezeit.

Für die sechs Mitarbeiter der Gänsezucht und viele zusätzliche Kräfte herrschte dagegen von Anfang November bis Weihnachten wieder Hochbetrieb. Gut sieben Wochen lang lockte der Gänsemarkt Gäste an. Mehr als 10 000 sind es wohl gewesen, die sich Gänsebrust, -gulasch oder -suppe schmecken ließen. Richtig hektisch wurde es dann in den letzten Tagen vor Weihnachten, als die Kunden ihre bestellten Gänse fürs Fest abholten. „Das ist für uns immer wieder eine Herausforderung, aber es macht auch Spaß, und wir sind hier ein ganz tolles Team“, blickt Andrea Lau auf die arbeitsintensiven Wochen zurück. Die nimmt sie auch 2018 gern in Kauf – aber bitte ohne Hiobsbotschaften.

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