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Freitag, 20.04.2018

Auf einer Wellenlänge mit den Teamgefährten

Der junge Nigerianer Frank Imafidon ist beim Döbelner SV „Vorwärts“ voll integriert. Er hat aber auch Pflichten wie alle anderen Vereinsmitglieder.

Von Dirk Westphal

Für Frank Imafidon ist die Tischtennisabteilung des Döbelner SV seine neue Familie.
Für Frank Imafidon ist die Tischtennisabteilung des Döbelner SV seine neue Familie.

© André Braun

Aufmerksam sitzt Frank Imafidon im Büro von Jörg Dathe. Er verfolgt jedes Wort vom Abteilungsleiter Tischtennis des Döbelner SV „Vorwärts“. Versteht er etwas nicht, fragt er wissbegierig nach. Der 17-jährige Nigerianer ist ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Er lernt Deutsch, will seinen Hauptschulabschluss machen und eine Lehre beginnen. Frank hat sich zum Tischtennis-Schiedsrichter qualifiziert und sitzt bei Turnieren in der Wettkampfleitung. „Er ist super integriert“, sagt Dathe, und dass es bei seinem Verein Tradition hat, Menschen, die in Deutschland neu beginnen, zu helfen.

Um Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance zu geben, sich betätigen und einbringen zu können, ist der Verein schon jahrelang Ausrichter verschiedener Veranstaltungen. Mitte der 1990er-Jahre fingen Dathe und sein Team Einwanderer aus den ehemaligen Sowjetrepubliken im Verein auf. „Wir haben versucht, ihnen Trainingszeiten zu geben, damit sie zumindest ihre Freizeit sinnvoll verbringen, dass sie im Verein Bezugspersonen hatten“, sagt Dathe und fügt an: „Das hat eigentlich gut geklappt. Viele haben im Verein mitgeholfen. Das war oft ein erster Schritt in den ersten Arbeitsmarkt.“

Die Erfahrungen aus diesen Jahren kamen Jörg Dathe und seinen Mitstreitern bei der Flüchtlingswelle 2015/16 zugute. „Wir sind durch die Heime gefahren, haben Fußballturniere organisiert und auch andere Angebote für Beschäftigung“, sagt Dathe, dessen Verein Stützpunktverein im Projekt „Integration durch Sport“ ist. Um diese Projekte zu unterstützen und zusätzlich einige Vereinsmitglieder für das Thema Integration zu sensibilisieren, wurden die Tischtennisspieler Nico Schneider und Jessica Gückel zu Integrationsbotschaftern ausgebildet.

Dabei sei es allerdings auch wichtig, dass Vereinsmitglieder mit Migrationshintergrund gleichbehandelt werden. „Ohne Vorurteile. Wie unsere Leute“, sagt Dathe und erklärt: „Die das nicht wollen, kommen ohnehin nicht wieder.“ Zur Gleichbehandlung zählt für Dathe auch, dass sich Frank seinen Mitgliedsbeitrag und seine Ausrüstung erarbeitet. Mit Tätigkeiten als Schiedsrichter oder im Kampfgericht. Die Aufwandsentschädigungen werden gesammelt und zur Tilgung des Mitgliedsbeitrags genutzt. „Er lernt dabei auch, dass nicht alles umsonst ist, er genau das Gleiche bezahlen muss, wie die anderen Vereinsmitglieder. Das ist ganz wichtig“, so Dathe.

Aufmerksam auf Frank Imafidon sind die DSV-Verantwortlichen bei einem Tischtennisangebot in der Wohngruppe Großweitzschen geworden. Der Nigerianer stellte sich nicht schlecht an und trainiert seit zwei Jahren im Verein. Punktspiele bestreitet er in der dritten Mannschaft in der Mittelsachsenliga als Nummer vier. Dort pirscht er sich aber immer mehr an die Besten heran. „Er hat schon riesigen Ehrgeiz und sich toll entwickelt“, sagt Trainerin Evelin Dathe, die Frank, wie auch ihr Mann, ins Herz geschlossen hat.

Diese beiden sind mittlerweile ebenso eine Art Familienersatz wie seine Teamgefährten. „Wenn Herr Dathe mit mir Spaß macht, ist er wie mein Papa“, sagt Frank, der nichts über den Verbleib seiner Familie weiß und in Deutschland bleiben möchte. Das möchten auch seine Teamgefährten, für die Frank einer von ihnen ist. Wohl auch, weil er wie viele Tischtennisspieler keinen Fußball mag. „Da liegen wir doch voll auf einer Wellenlänge“, sagt Jörg Dathe lachend.

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