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Freitag, 17.02.2017

Auf dem Sprung

Das Heimspiel der Eislöwen gegen Bayreuth steht am Sonntag im Zeichen des Nachwuchses – der will hoch hinaus.

Von Cornelius de Haas

Wie die Großen: Bei den Heimspielen der Dresdner Eislöwen präsentiert sich der Nachwuchs beim Pausenspiel – und auch da kann es schon mal hart zur Sache gehen.
Wie die Großen: Bei den Heimspielen der Dresdner Eislöwen präsentiert sich der Nachwuchs beim Pausenspiel – und auch da kann es schon mal hart zur Sache gehen.

© Ronald Bonß

Das Ziel ist ambitioniert. „Wir wollen schon, dass in den nächsten Jahren wenigstens fünf Spieler aus unserem Nachwuchs im Kader der Eislöwen stehen“, sagt Thomas Barth. Der 36-Jährige ist Geschäftsführer beim Stammverein ESC Dresden und trainiert dort die Schüler der U 10. Allein in dieser Altersklasse haben sich 70 Kinder der Puckjagd verschrieben, insgesamt zählt der Nachwuchs im Verein 300 Sportler zwischen drei und 19 Jahren.

Während sich die Jüngsten in der Laufschule langsam auf die Gegebenheiten auf dem Eis einlassen können, messen sich die Erfahreneren in Barths Gruppe bereits mit Gleichaltrigen im Spielbetrieb. Aufgeteilt in vier Mannschaften – zwei spielen in der Ostdeutschen Meisterschaft, zwei sind in der Nordböhmischen Liga aktiv – geht es da noch vorrangig um den Spaß am Sport. „In der U 14 und mit dem Übergang zur Sportschule trennt sich dann die Spreu vom Weizen“, sagt Barth.

Die Nachwuchsausbildung – davon ist Barth überzeugt – liegt auf einem ähnlichen Level wie bei den Fußballern von Dynamo oder den Volleyballerinnen des DSC. Die Auszeichnung des Standorts durch den Deutschen Eishockey Bund mit der höchstmöglichen Anzahl von fünf Sternen spricht dafür. Und doch hat es der Nachwuchs in diesem Sport besonders schwer. „Nicht umsonst haben wir in Deutschland seit Jahren Probleme, international zu bestehen“, sagt Barth. „Das System ist nicht für junge Spieler gemacht.“

Das liege zum einen am Geld, vor allem aber daran, „dass es an einem Übergang von der Deutschen Nachwuchs Liga (DNL) in den Profibereich fehlt“. Mit 19 Jahren sei kein Eishockeyspieler fertig ausgebildet, sagt der Trainer Barth. Der Sprung in die DEL gelinge darum keinem, nur ganz wenigen der in die DEL 2. „Dann bleibt nur die Oberliga, aber die ist eben nur semiprofessionell. Dort sind ältere, erfahrenere Spieler aktiv und es wird nicht mehr täglich trainiert. Da kann ein junger Spieler nicht mehr adäquat weiter ausgebildet werden.“

Und so empfiehlt auch Barth bei Fragen nach der Karriereplanung derzeit oft, sich nach dem Ende der DNL-Zeit auf die berufliche Ausbildung oder das Studium zu konzentrieren. „Ein junger Spieler absolviert ein härteres Pensum als die Profis“, sagt Barth. „Er trainiert jeden Tag, an manchen auch zweimal und spielt Samstag und Sonntag.“ Diesen Aufwand auch noch in Einklang mit einer Ausbildung zu bringen?

Für Barth ein illusorisches Unterfangen. Und doch sieht er seinen Verein auf einem guten Weg, in Zukunft mehr Spieler an die erste Mannschaft heranführen zu können. Seit dieser Saison stellen die Dresdner ein Team in der DNL, das sich besser schlägt als erwartet. „Wir haben nicht nur Spiele gegen die Mitaufsteiger aus Ingolstadt und Schwenningen gewonnen, sondern auch gegen Teams Punkte geholt, die uns zuvor nicht zugetraut worden sind“, sagt Barth. Und selbst die Niederlagen gegen die arrivierten Mannschaften aus Köln und Berlin blieben im Rahmen.

Was aber fast noch wichtiger ist: Am strukturellen Problem, dass junge Spieler nach ihrer Juniorenzeit ohne eigene Spielklasse dastehen, arbeitet der Verband. So ist angedacht, die Altersbeschränkungen in den Spielklassen um ein Jahr anzuheben und – ähnlich dem Fußball – auch U23-Teams einzuführen. Einer, der davon profitieren könnte, ist Gregory Saakyan.

Der 16-Jährige – einer von vier Auswahlspielern des ESC – wird bereits im Kader der Eislöwen geführt und trainiert regelmäßig mit den Profis. Ein Einsatz in der DEL 2 kommt für ihn aber noch zu früh. „Er hat Talent, ist fleißig und investiert viel in den Sport“, sagt Barth. „Es spricht derzeit viel dafür, dass er den Sprung schafft. Aber das kann nächste Saison schon wieder ganz anders aussehen.“ Sehr wahrscheinlich sei, dass der gebürtige Moskauer erst einmal bei einem Kooperationspartner in der Oberliga Spielpraxis sammeln werde.

Dass es in Dresden an Talenten nicht mangelt, soll beim Heimspiel der Eislöwen am Sonntag – Beginn bereits 16 Uhr – gegen Bayreuth zu sehen sein. Beim Eislöwen Juniors Game Day „können unsere Talente die komplette Bühne der Profis nutzen“, sagt deren Geschäftsführer Volker Schnabel. Ein Programmheft stellt alle Nachwuchsteams vor und alle Erlöse aus einer Tombola, dem Becher- und Sitzkissenwerfen kommen dem Stammverein zugute.

Für Thomas Barth geht es vor allem um die weitere Entwicklung, also darum, „dass wir mit unserer Nachwuchsabteilung präsenter werden. Die beste Unterstützung, die wir da bekommen können, ist die unserer Anhänger.“ Die könnte bald auch an anderer Stelle nötig werden. „Wenn wir uns so weiter entwickeln wie zuletzt, stoßen wir bald an unsere Grenzen“, sagt Barth und verweist auf etwa 90 Neuanmeldungen pro Saison. Und auch wenn davon ein Viertel im ersten Jahr wieder abspringt; Schon jetzt gibt es Probleme mit Eiszeiten sowie Kabinen- und Lagerkapazitäten.

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