• Einstellungen
Mittwoch, 16.05.2018

Aue will 2. Liga aufstocken

Der DFB lehnt den ersten Einspruch des FC Erzgebirge gegen die Wertung des Darmstadt-Spiels ab. Jetzt legen die Sachsen erneut Einspruch ein - und haben einen kuriosen Vorschlag. Wirbel gibt es außerdem um eine Anzeige gegen den Schiedsrichter.

30

Bild 1 von 2

Helge Leonhardt, Präsident von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue, würde die 2. Liga gern auf 19 Vereine aufstocken.
Helge Leonhardt, Präsident von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue, würde die 2. Liga gern auf 19 Vereine aufstocken.

© Thomas Eisenhuth/dpa

Sören Storks gibt das Tor für den FC Erzgebirge nicht. Ein Stadtrat aus Aue stellt Strafanzeige.
Sören Storks gibt das Tor für den FC Erzgebirge nicht. Ein Stadtrat aus Aue stellt Strafanzeige.

© Uwe Anspach/dpa

Aue/Frankfurt. Der FC Erzgebirge Aue kämpft weiter gegen die Wertung des 0:1 im letzten Saisonspiel der 2. Fußball-Bundesliga. Der Club legte am Mittwoch Einspruch gegen ein Urteil des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein. Dieses hatte zuvor festgelegt, dass die Auer Niederlage beim SV Darmstadt 98 gültig ist.

Der zweite Widerspruch wird nun mündlich am Donnerstag (13.30 Uhr) am Sportgericht in der Frankfurter DFB-Zentrale verhandelt. Bleibt es danach bei dem bisherigen Urteil, muss Aue im Kampf um den Klassenverbleib die beiden Relegationsspiele gegen den Drittliga-Dritten Karlsruher SC bestreiten.

Helge Leonhardt will dem Sportgericht vorschlagen, die Liga auf 19 Vereine aufstocken lassen. „Vielleicht können wir uns auf diesen Deal einigen“, sagte der FCE-Präsident. „Aue bleibt in der 2. Bundesliga, und der Karlsruher SC steigt auf. Das wäre ein salomonisches Urteil.“ Der Auer Clubchef geht allerdings davon aus, dass das Relegations-Hinspiel am Freitag beim Karlsruher SC stattfinden wird.

Unterdessen erklärte der Sportgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz in einer DFB-Mitteilung das erste Urteil. „Die Entscheidungen des Schiedsrichters sind als unanfechtbare Tatsachenentscheidungen zu werten.“ Zudem sei der Verdacht einer vorsätzlichen Spielmanipulation „aus der Luft gegriffen und nicht ansatzweise nachgewiesen.“

Keine Auffälligkeiten auf dem Sportwettenmarkt

Der vom DFB beauftragte Dienstleister „Sportradar“ hatte mitgeteilt, dass nach Analyse des nationalen und internationalen Marktes keine Auffälligkeiten bei Wetten auf die Zweitliga-Partie festgestellt werden konnten.

Als Grund für den Widerspruch hatten die Erzgebirger drei eklatante Fehlentscheidungen durch das Schiedsrichterteam unter der Leitung von Sören Storks angegeben. Die Sachsen begründeten ihren Einspruch damit, dass das Nicht-Anerkennen eines eigentlich regulären Tores in der 4. Minute einen Regelverstoß des Schiedsrichters darstelle. Storks hatte übersehen, dass Calogero Rizzutos Schuss erst deutlich hinter der Torlinie geklärt wurde.

Außerdem verweigerte der Unparteiische den Gästen wohl einen klaren Handelfmeter sowie einen Foulelfmeter. Bei einem Sieg von Aue hätten auch die Darmstädter absteigen oder auf den Relegationsplatz fallen können. Aus Sicht des sächsischen Vereins drängte sich zumindest der Verdacht einer Spielmanipulation auf.

Neben dem Hin und Her um die Wertung des Spiels ermittelt der DFB-Kontrollausschusses auch gegen Vereinspräsident Leonhardt „wegen verschiedener Äußerungen“. Der Auer hatte davon gesprochen, dass sein Verein verschaukelt worden sei und er nicht wisse, „ob fahrlässig oder vorsätzlich“. DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich hatte diese Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Das Spiel sei aus Schiedsrichtersicht nicht gut gelaufen. Aber Fehler könnten passieren und seien menschlich.

DFB kritisiert Strafanzeige eines Stadtrats

Auf einem weiteren Nebenschauplatz hatte Tobias Andrä, parteiloses Mitglied des Stadtrats der Großen Kreisstadt Aue, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt gegen Referee Storks wegen des Verdachts des Betruges gestellt. Zudem hatte er vom DFB disziplinarische Maßnahmen gegen Storks gefordert.

Zu der Strafanzeige hat sich am Mittwoch DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann geäußert. „Irgendwo hört der Spaß auf. Jemanden mit einer Strafanzeige zu überziehen, nur weil er im Sport einen Fehler gemacht hat - da ist mein Verständnis am Ende“, sagte er der „Sport Bild“. „Ich weiß nicht, ob der Stadtrat auch auf die Idee gekommen wäre, den eigenen Stürmer anzuzeigen, wenn Aue einen Elfmeter verschossen hätte“, kritisierte Zimmermann weiter.

Unabhängig davon, wie der erneute Einspruch ausgeht und sich die Strafanzeige entwickelt, der emotionalen Unterstützung eines prominenten Sachsen kann sich Erzgebirge Aue sicher sein. Michael Kretschmer, der auf sozialen Medien umtriebige Ministerpräsident, hat auf der Facebook-Seite des Vereins einen Kommentar hinterlassen: „Ganz Sachsen stärkt dem FC Erzgebirge Aue den Rücken! Wir setzen auf Sieg!“ (dpa/fsc)

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 1 von 6

Insgesamt 30 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Oberlausitzer

    Ganz offensichtlich ist auch der DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann voreingenommen oder blind: „Irgendwo hört der Spaß auf. Jemanden mit einer Strafanzeige zu überziehen, nur weil er im Sport einen Fehler gemacht hat - da ist mein Verständnis am Ende“ - Es war nicht EIN Fehler, es waren DREI klare spielentscheidende Fehlentscheidungen!

  2. Dresdner45

    Warum wird der DFB immer falsch dargestellt? Die richtige Bezeichnung ist DFB e.V. Ich hatte dies bisher auch nicht gewusst, aber mit dieser Bezeichnung wird klar, dass es kein staatliches Unternehmen ist, sondern ein rein privates, welches Geld verdienen will. Bitte in Zukunft den Namen vollständig schreiben. Danke.

  3. Freier Bürger

    Der Schiedsrichter hat keinen "Fehler" gemacht, sondern eine Mannschaft aus der ehemaligen DDR ist wieder einmal ganz klar betrogen wurden. Doch dies ist im Verantwortungsbereich der (häufig kriminellen) DFB-Funktionäre ja nichts neues.

  4. Anmerkung

    Inhaltlich setzt sich Herr Zimmermann mit der Anzeige gar nicht auseinander. Herr Andrä behauptet in der Strafanzeige, dass der Schiri eben nicht "paar Fehler" gemacht hat, sondern dass er aktiv Sportbetrug a la Hoyzer begangen hat. Auf die Anzeige hin kann die Staatsanwaltschaft ermitteln (und nur die kann da tatsächlich ermitteln). Sollte man dabei nichts finden, ist das Verfahren ganz schnell eingestellt.

  5. kein Fan

    Wenn der Schiri sein Fehler einsieht dann sollte es doch nicht das Problem sein das Tor zugeben.oder? Ich denke aber da steckt mehr dahinter.......ein Schelm der da was böses bei denkt.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 6

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein