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Mittwoch, 13.09.2017

„Auch wir sind ungeduldig“

Der Ausbau der Johnsbacher Ortsdurchfahrt wird erst 2018 beginnen. Warum, das erklärt der zuständige Beigeordnete.

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Die Johnsbacher Ortsdurchfahrt steht seit Längerem in der Kritik. Ihr Zustand ist an mehreren Stellen nicht der allerbeste. Das weiß man auch im Landratsamt, dem die Straße gehört. Seit Jahren wird dort der Ausbau geplant. Nun warten die Johnsbacher, dass es losgeht.
Die Johnsbacher Ortsdurchfahrt steht seit Längerem in der Kritik. Ihr Zustand ist an mehreren Stellen nicht der allerbeste. Das weiß man auch im Landratsamt, dem die Straße gehört. Seit Jahren wird dort der Ausbau geplant. Nun warten die Johnsbacher, dass es losgeht.

© Egbert Kamprath

Heiko Weigel ist als Erster Beigeordneter für den Straßenbau im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zuständig.
Heiko Weigel ist als Erster Beigeordneter für den Straßenbau im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zuständig.

© Frank Baldauf

Glashütte. Die Ungeduld wächst. Seit Jahren warten die Johnsbacher, dass der Landkreis ihre Ortsdurchfahrt ausbaut. Um den Kreis zu drängen, haben sie Unterschriften gesammelt und die dem zuständigen Beigeordneten des Landrates, Heiko Weigel, übergeben. Dieser wird nächste Woche in die Ortschaftsratssitzung kommen, um den Johnsbachern Rede und Antwort zu stehen. Die SZ nahm das zum Anlass, mit ihm über das Projekt zu sprechen.

Herr Weigel, Sie werden die nächste Ortschaftsratssitzung in Johnsbach besuchen. Wer gab den Anstoß dazu?

Das waren die Einwohner von Johnsbach selbst. Sie haben mit einer Unterschriftensammlung auf einen baldigen Baubeginn gedrängt und sollen in der öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrates Informationen aus erster Hand erhalten.

Können Sie verstehen, dass die Johnsbacher ungeduldig sind, was den Straßenbau angeht?

Ungeduldig sind wir auch, vor allem mit Blick auf den Zustand der Straße. Diese ist von Grund auf erneuerungsbedürftig und zu schmal, verschlissene Stützwände und Durchlässe zwingen uns zusätzlich zu Verkehrseinschränkungen. Wir haben jetzt in vier Jahren gemeinsam mit der Stadt den Regelausbau der Straße auf sechs Meter, stellenweise mit Gehweg, die Erneuerung der insgesamt 22 Bauwerke – darunter mehr als hundert Meter lange denkmalgeschützte Stützwände –, die Neuordnung der Entwässerung und den nötigen Grunderwerb geplant. Das alles braucht Zeit, die Bauwerke sollen dann schließlich die nächsten hundert Jahre halten.

Wurden die Johnsbacher aus Ihrer Sicht gut über den Verlauf der Planung informiert?

Es gab im Mai 2015 eine sehr gut besuchte Einwohnerversammlung, auf der wir das Gesamtkonzept und die Planung vorgestellt haben. Davor und danach gab es unzählige Abstimmungen und Einzeltermine vor allem mit der Stadt sowie mit den betroffenen Grundstückseigentümern und Anliegern. Das wird auch bis zum Abschluss der Baumaßnahme so bleiben. Die Johnsbacher wollen wissen, was in ihrem Ort passiert und sie sind interessiert. Straßenbau in einer engen Ortslage ist immer eine öffentliche Veranstaltung, nichts für Arbeiten im stillen Kämmerlein.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit der Straßenplanung in Johnsbach?

Das war 2011, als die Stadt Glashütte mit der Vorplanung für den Anbau eines Gehweges an der Kreisstraße begann. Im Jahr 2013 haben wir uns als Landkreis mit dem Straßenbau eingeklinkt. Seitdem planen wir den grundhaften Ausbau der circa 2,4  Kilometer langen Ortslage.

Der Ausbau hat bekanntlich immer noch nicht begonnen. Wo liegen die Knackpunkte?

Logistik und Bauablauf sind eine Herausforderung. Wir haben innerorts kaum Umleitungstrassen und die Straße ist schmal. Wir bauen also unter Vollsperrung. Dadurch können wir aber nicht an mehreren Bauwerken parallel arbeiten, weil wir sonst die Anwohner zwischendrin komplett abschneiden würden. Es wird fünf Bauabschnitte geben, die Bauzeiten liegen jeweils zwischen acht Monaten und zwei Jahren. Die zweite Herausforderung ist wie immer die einvernehmliche Herstellung von Baurecht. Das heißt, wirklich alle Beteiligten müssen zustimmen. Für den ersten Bauabschnitt ist das jetzt gelungen. Und die dritte Herausforderung ist die Finanzierung. Das Geld kommt aus unterschiedlichen Töpfen, überall muss es exakt vor dem Baubeginn verfügbar sein. Daran arbeiten wir. In zeitlicher Hinsicht gilt beim Straßenbau die Faustregel: Achtzig Prozent sind Vorbereitung und nur zwanzig Prozent sind das, was sichtbar ist – der Bau selbst.

Wann beginnt der Ausbau?

Wenn wir über den Winter alle Finanzierungsfragen geregelt bekommen, kann der erste Bauabschnitt im Frühjahr starten und wird planmäßig nach acht Monaten beendet sein. Weiter schauen wir aktuell noch nicht, denn die nächsten Abschnitte werden aufwendiger. Dort haben wir teilweise nur fünf Monate im Jahr als Bauzeit zur Verfügung, weil wir durch die Nähe zum Johnsbach die gesetzliche Fischschonzeit beachten müssen. Wir verhandeln allerdings noch mit der Fischereibehörde über eine Ausnahme.

Wie teuer wird der Ausbau?

Der erste Bauabschnitt wird knapp eine Million Euro kosten und alle Bauabschnitte insgesamt etwas über sechs Millionen Euro. Davon entfallen circa zwei Drittel auf den Landkreis und ein Drittel auf die Stadt Glashütte.

Sind alle Fragen zur Straßen- und Grundstücksentwässerung geklärt?

Durch die Nähe zum Johnsbach müssen wir das Wasser nicht durchgängig sammeln. Abschnittsweise fließt es wie bisher direkt in das Gewässer. Trotzdem müssen wir praktisch für jedes Grundstück die Abflussmengen ermitteln. Das ist aufwendig und wird uns bis zum Abschluss des Vorhabens beschäftigen.

Welche Priorität besitzt die Straße im Kreisstraßennetz?

Der Landkreis hat in den letzten Jahren viele Kilometer Deckenerneuerung auf der freien Strecke realisiert. Jetzt konzentrieren wir uns stärker auf die Ortslagen. Johnsbach steht in der Dringlichkeit wegen des schlechten Zustandes der Bauwerke seit Jahren weit oben. Wir sind froh, dass wir in der Vorbereitung so weit gekommen sind und der Bau jetzt bevorsteht.

Das Gespräch führte Maik Brückner.