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Dienstag, 17.04.2018

Antworten auf Dynamos Trainerfrage

Uwe Neuhaus bleibt, aber: Warum wurde überhaupt über ihn diskutiert – eine Analyse der SZ.

Von Sven Geisler

Geht Uwe Neuhaus in Deckung vor den verbalen Heckenschützen im Dynamo-Umfeld? Bei einigen steht der Trainer schon die ganze Saison in der Kritik.
Geht Uwe Neuhaus in Deckung vor den verbalen Heckenschützen im Dynamo-Umfeld? Bei einigen steht der Trainer schon die ganze Saison in der Kritik.

© Robert Michael

Bloß keine Panik! Das sagt sich so leicht. Aber wie bewahrt man die Ruhe nach einer 0:4-Klatsche zu Hause und dem Blick auf die Tabelle? Die Lage für Dynamo ist nicht hoffnungslos, aber ernst wie lange nicht mehr. Dass es eng werden könnte im Kampf um den Klassenerhalt in Liga zwei, hat sich über die Saison angedeutet, aber jetzt, vier Spieltage vor Schluss, fühlt es sich plötzlich bedrohlich an. Und das ist es auch, denn nach vier sieglosen Spielen spricht die Tendenz gegen die Dresdner.

Es ist der übliche Reflex, in dieser Situation den Trainer infrage zu stellen. Ungewöhnlich ist es, zumindest für Dynamo, dass Uwe Neuhaus bleibt. Wie die Diskussion lief und was die Entscheidung bedeutet – die SZ erklärt die Hintergründe.

Wie ernsthaft wurde über den Trainer diskutiert?

Von einflussreichen Kräften im und um den Verein wurde die Trainerfrage bereits vor der Partie in Braunschweig gestellt, die Diskussion vorerst aber nur in einem kleineren Kreis geführt. In der vergangenen Woche sickerte das Gerücht durch, dass Neuhaus bei einer Niederlage gegen Kiel entlassen werden soll. Allerdings war dieses Vorhaben in den Gremien nicht mehrheitsfähig. Nach dem Treffen am Sonntagvormittag stand, wie die SZ am Montag berichtete, fest: Der Trainer bleibt. Der Aufsichtsrat tagt zwar am Mittwoch wieder – planmäßig und zu anderen Themen.

Welche Gründe gibt es, Neuhaus infrage zu stellen?

Wenn man auf die Stimmungsmacher hört, die sich vorzugsweise anonym im Internet austoben, steht Neuhaus in dieser Saison latent vor dem Rauswurf. Die Kritikpunkte wechseln dabei: die Spielweise, das System, der Torwart-Rücktausch. Der Wechsel von Markus Schubert zu Marvin Schwäbe zählt jedoch kaum zu den Personalien, die nach außen tatsächlich fragwürdig erscheinen. Weniger nachvollziehbar war zuletzt die Auswahl der Ersatzspieler, speziell für den Sturm. Peniel Mlapa durfte – selbst für ihn überraschend – mit nach Braunschweig, während Pascal Testroet genauso fehlte wie Lucas Röser. Dynamos mit neun Treffern bester Torschütze gehörte auch gegen Kiel nicht zum Aufgebot.

Es entscheide auch die Wochenform, hatte Neuhaus grundsätzlich erklärt. Und die kann kein Außenstehender sachlich beurteilen. Was aber sogar die Zaungäste mitbekommen: Der Umgangston der Spieler untereinander beim Training ist rauer geworden. Neuhaus müsste einschreiten, wenn darunter der Teamgeist leidet.

Wieso hat sich die Vereinsspitze gegen einen Wechsel ausgesprochen?

Positiv gesehen: Vertrauen in Neuhaus’ Krisenmanagement. Bisher hat er unter Bedrängnis immer einen Ausweg gefunden. Die Art und Weise, wie die Mannschaft nach der gemeinsam beschlossenen Rückkehr zum System mit einer Spitze spielt, spricht dafür, dass sie dahintersteht. Allerdings ist sie offensiv uneffektiv und defensiv anfällig. Das ist, wie es Kapitän Marco Hartmann sagte, eine Frage der Qualität. Zur Erinnerung: Dynamo hat in zwei Jahren insgesamt sechs Leistungsträger verloren, in dieser Saison fehlten (Testroet, Hartmann) und fehlen (Sören Gonther, Jannik Müller) potenzielle Stützen.

Negativ ausgelegt: Es gibt keine Alternativen. Eine externe Lösung wie etwa Mirko Slomka, dessen Name als Gerücht gestreut wurde, wären zu teuer und vermutlich bei den Fans schwer vermittelbar. Die würden eher eine interne Variante etwa mit Cristian Fiel begrüßen. Der steckt aber mit der B-Jugend im Bundesliga-Abstiegskampf und vor allem fehlt ihm die Fußballlehrer-Lizenz. Neuhaus’ Assistenten Peter Nemeth, der 2014/15 schon mal Chefcoach war, und Matthias Lust würden kaum einen neuen Impuls bringen.

Welchen Einfluss hat Ralf Minge auf die Entscheidung?

Das ist spekulativ. In der Mitteilung des Vereins zur krankheitsbedingten Auszeit von Ralf Minge hieß es, er bleibe bei strategischen Fragen involviert. Als Dynamo im Herbst auf dem Abstiegsrelegationsplatz stand, hatte der Sportgeschäftsführer die Trainerfrage an seine Person geknüpft. „Die emotionalen Ausschläge sind hoch bei uns, aber ich kann doch nicht etwas, das zweieinhalb Jahre super funktioniert hat, nach sechs schwierigen Wochen infrage stellen“, sagte er dazu im Januar im Trainingslager – und erklärte: „Diese Botschaft wirkt nach innen und nach außen. Es war uns wichtig, auch der Mannschaft zu zeigen, dass kein Millimeter zwischen uns war.“ Die Frage wäre nun, wie viel Gewicht Minges Wort in seiner Abwesenheit hat. Sein Vertreter Kristian Walter hat betont, die Arbeit in seinem Sinne fortzuführen.

Wie sicher ist es, dass Uwe Neuhaus mindestens bis zum Saisonende bleibt?

Es gibt kein Ultimatum, was insofern beruhigend klingt, weil das 2005 schiefgegangen war. Damals wäre Christoph Franke nach dem 2:3 gegen Unterhaching bereits entlassen gewesen, aber am nächsten Tag verkündete der damalige Geschäftsführer Volkmar Köster: „Dresden ist anders.“ Franke blieb, schaffte die Wende jedoch nicht. Neuhaus muss das gelingen. Bei einer Niederlage in Kaiserslautern dürfte sich die Trainerfrage erneut stellen, aber: siehe oben … Ob die angeblichen Nachfolge-Kandidaten Matthias Maucksch oder Heiko Scholz als schnelle Alternative zu bekommen wären – und ob sie zum Feuerwehrmann taugen – sei dahingestellt.

Wie bereitet sich die Mannschaft auf das Spiel in Kaiserslautern vor?

Das geplante Geheimspiel am Dienstag in Chemnitz ist offiziell abgesagt worden, als es publik wurde. Es könnte jedoch kaum überraschen, wenn es trotzdem zustande kommt. Für Neuhaus wäre es allemal wichtig, in einem ernsthaften Test zu sehen, wer der Herausforderung auf dem Betzenberg am Sonntag gewachsen sein kann.

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