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Samstag, 12.08.2017

Anklage fordert lebenslänglich

Im Prozess um den Mord an der Tante von Dynamo-Profi Wachs geht es dem Staatsanwalt um die besondere Schwere der Schuld.

Marc Wachs war bei dem Überfall auf den Kiosk seiner Tante schwer verletzt worden.
Marc Wachs war bei dem Überfall auf den Kiosk seiner Tante schwer verletzt worden.

© Robert Michael

Wiesbaden. Im Prozess um tödliche Schüsse auf eine Kioskbesitzerin in Wiesbaden hat der Staatsanwalt am Freitag vor dem Landgericht lebenslange Haft für den 26  Jahre alten Angeklagten wegen Mordes gefordert. Er plädierte auch dafür, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine vorzeitige Entlassung des Täters erschweren würde.

Der Angeklagte wird beschuldigt, bei einem Überfall kurz vor Weihnachten 2016 eine 59 Jahre alte Frau erschossen zu haben. Der Ehemann des Opfers und der Neffe der Frau, Fußball-Profi Marc Wachs vom Zweitligisten Dynamo Dresden, waren dabei schwer verletzt worden. Wachs wurde im Hals getroffen, er hatte großes Glück – das Projektil blieb an der Halswirbelsäule stecken. Nach den Schüssen war der Täter geflüchtet. Er wurde aufgrund von DNA-Spuren verhaftet.

Die Beweisaufnahme war nach sechs Verhandlungstagen weitgehend abgeschlossen. Nach dem forensisch psychiatrischen Gutachten ist der Angeklagte voll schuldfähig. Er selbst spricht von einem Raubüberfall, das soll „eher so eine Schnapsidee“ gewesen sein. Er, der Hartz-lV-Bezieher, habe vier Tage vor Weihnachten ein „bisschen Geld“ erbeuten wollen und ein „paar Zigaretten“, so seine Version. Das Geld habe er verwenden wollen für Weihnachtsgeschenke, für den Kauf eines Weihnachtsbaumes und für den Gänsebraten, den er zum Fest habe besorgen wollen. In jenen Tagen, so hat der Angeklagte erklärt, sei „alles zusammengekommen – Hass, Frust, Selbsthass“. Er will „total kaputt im Kopf“ gewesen sein, als ihm der Gedanke mit dem Überfall gekommen sei.

Drei Stunden lang hatte die psychiatrische Sachverständige Hildegard Müller vor der Schwurgerichtskammer Person und Persönlichkeit eines jungen Angeklagten skizziert, der bereits im Kindergarten schwere Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hatte. Sie ziehen sich durch die Kindheit und Jugendzeit wie ein roter Faden. In verschiedenen Heimen und Einrichtungen galt er als untragbar, weil er sich allen Regeln verweigerte. Eine dieser Einrichtungen, die er verlassen musste, ist in Wilsdruff, vor den Toren Dresdens. (dpa/SZ)

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