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Mittwoch, 15.11.2017

Angekommen im Kleinen Welttheater

Henriette Ehrlich und Alf Mahlo brechen in ihrem eigenen Theater durchs Unterholz und ziehen spitze Spritzen auf.

Von Nadja Laske

Plakate drucken lassen, Website bestücken, Tickets verkaufen – Alf Mahlo und Henriette Ehrlich haben vor und hinter ihrem roten Samtvorhang viel zu tun.
Plakate drucken lassen, Website bestücken, Tickets verkaufen – Alf Mahlo und Henriette Ehrlich haben vor und hinter ihrem roten Samtvorhang viel zu tun.

© Norbert Millauer

Dresden. Es fühlt sich schon richtig heimisch an, das erste eigene Theater: das Kleine Welttheater des Künstlerpaars Henriette Ehrlich und Alf Mahlo. Im Sommer sind die beiden dort eingezogen, haben im Gewölbe des Radebeuler Sonnenhofes eine Bühne bauen lassen – mit allem, was die Bretter brauchen: rote Samtvorhänge, Zugänge von links und rechts und genug Raum, um auch im Rücken des Geschehens von einer Seite zur anderen huschen zu können.

Erprobt hatten sich der gelernte Pantomime und Moderator und die studierte Schauspielerin schon Jahre zuvor auf ihrem eigenen Hof bei Moritzburg. Dorthin luden sie zu Sommertheaternächten ein und brachten jedes Mal rund 180 Gäste zum Lachen. Mit ihren Produktionen reisten sie quer durchs Land, ihr Aschenbrödel-Spektakel auf Schloss Moritzburg ist legendär. Ein regelmäßiger Theaterbetrieb jedoch verlangt unzählige versteckte Handgriffe neben Stückeschreiben und Probieren – keine Überraschung für die Profis, aber eine Herausforderung. Alf Mahlo textet, Henriette Ehrlich führt Regie, gemeinsam stehen sie vorm Publikum, häufig unterstützt von Schauspielkollege Mario Grünewald. Werbung, Ticketverkauf, Homepage pflegen, auch das verlangt Aufmerksamkeit und ein Händchen für die Technik. Dabei braucht schon das Bücherwälzen so viel Zeit. Allein für das Stück „Der Kurschatten vom Bilz-Sanatorium“ recherchierten Henriette und Alf wochenlang, durchforsteten historische Schriften und machten dabei abenteuerliche Entdeckungen – von der Einlaufspritze bis zum Plagiatsvergehen.

Dank straffem Spannungsbogen lässt sich so manche fette Beute schnurstracks erlegen. Mit „Jägerstolz im Unterholz“ haben sich die beiden den Traum von der Jagd-Komödie erfüllt. „So etwas gab es einfach noch nicht, dabei ist es doch ein herrlicher Stoff“, schwärmt der Mime von all den spannenden Themen rund um Regelwerk, Ehre und Jägerlatein.

Absurdes Theater, das an die Nieren geht, nicht nur im Sanatorium, das wollen Alf Mahlo und Henriette Ehrlich. Wahrhaftiges erzählen und dabei aus der Sprache die Essenz wringen, dass es frappiert und nicht nur ihnen irrsinnig Spaß macht.

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