• Einstellungen
Donnerstag, 10.08.2017

Amtsarzt beschlagnahmt Dutzende Katzen

Den Tierschützern stehen die Haare zu Berge. Sie retten die Tiere aus einem völlig verwahrlosten Haus.

Von Heike Heisig

Ralf-Peter Loose kümmert sich im Tierheim in Leisnig um einen Kartäuser-Kater. Das Tier wurde in einem verwahrlosten Haus beschlagnahmt, in dem zeitweise rund 80 Katzen jeden Alters gehalten wurden.
Ralf-Peter Loose kümmert sich im Tierheim in Leisnig um einen Kartäuser-Kater. Das Tier wurde in einem verwahrlosten Haus beschlagnahmt, in dem zeitweise rund 80 Katzen jeden Alters gehalten wurden.

© Dietmar Thomas

Leisnig/Erlau. Es war ein Einsatz, den die Mitglieder des Tierschutzvereins (TSV) Mittweida nicht jeden Tag brauchen. Sie leisteten Amtshilfe bei der Wegnahme von Tieren einer vermeintlichen „Züchterin“ – unbestätigten Angaben zufolge einer psychisch kranken Frau um die Fünfzig. Knapp 80  Katzen befanden sich in ihrem alten Bauernhaus in der Gemeinde Erlau. „Vom erst eine Woche alten Baby über Jungtiere bis hin zu älteren, kaum kastrierten Katzen war alles dabei“, schildert Claudia Richter-Kircheis. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des TSV Mittweida.

Schon vor einer Woche ist sie in diesem Haus gewesen und vergleicht den Zustand mit dem, was der RTL-Zuschauer gewöhnlich in Sendungen über Messies (Sammelwütige) sieht. „Genauso sah es dort aus“, erzählt Claudia Richter-Kircheis. „Das Haus ist innen total verwahrlost, vermüllt, überall Katzenkacke – und es stinkt“, beschreibt die Tierschützerin, was sie gesehen hat. Sie schätzt, dass sich der Unrat in diesem Haus über Jahre angesammelt hat. „Da hat bestimmt vier oder fünf Jahre niemand aufgeräumt“, sagt sie gegenüber dem Döbelner Anzeiger.

Bereits vor zwei Wochen war der TSV Mittweida von der Betreuerin der Hausbewohnerin und dem in Mittelsachsen zuständigen Veterinär um Unterstützung gebeten worden. Damals ging es um Vermittlung der Tiere und eine Heimunterbringung, „und ob wir als Verein dabei helfen können“, so Claudia Richter-Kircheis. Da der TSV Mittweida selbst kein Tierheim betreibt – anders als der Leisniger Verein – haben die Mitglieder angefangen, herumzutelefonieren. Viele Heime seien rappelvoll, sagt die Vereinsvize. Sie selbst hatte vor einer Woche schon die Tiere mitgenommen, denen es augenscheinlich am schlechtesten ging. Die Tiere sind in Pflegestellen gekommen, eines davon hat nicht überlebt.

Claudia Richter-Kircheis ist erleichtert darüber, dass die beschlagnahmten Tiere am Donnerstag in gute Hände gegeben werden konnten. 21 haben die Mitarbeiter des Tierheimes Röhrsdorf übernommen, 19 sind ins Tierheim nach Meißen gekommen. Acht hat der Tierschutzverein für Leisnig und Umgebung im Heim am Eichberg aufgenommen – in erbärmlichem Zustand, wie Leiterin Rosi Pfumfel beschreibt. Die Tiere seien unterernährt. Auch sonst seien ihnen die widrigen Umstände, unter denen sie leben mussten, anzusehen und anzumerken.

„Die Katzen sollen sich jetzt erholen. Dann werden sie bestimmt schnell Liebhaber finden“, ist sich die Leisniger Tierheimleiterin sicher. Die beschlagnahmten und nach Leisnig gebrachten Tiere gehören den Rassen Kartäuser, Siam und Britisch Kurzhaar an. „Alles wirklich schöne Tiere und das werden die Neuzugänge auch“, ist Rosi Pfumfel überzeugt.

Wann sie vermittelt werden können, darüber redet der Tierarzt mit. Ihm stellen die Leisniger Tierschützer die Katzen in den nächsten Tagen vor. Alle müssen entwurmt und entfloht werden, geimpft und die älteren kastriert. Nur solche Tiere vermitteln die Leisniger, um zu vermeiden, dass ungewollter Katzennachwuchs ausgesetzt oder getötet wird. Pro Jungtier hat der Verein Aufwendungen von 80 Euro, 150  Euro für ein erwachsenes Tier. Doch darauf schaut Rosi Pfumfel im ersten Moment nicht. „Wir wollen helfen, dafür sind wir als Tierschutzverein da“, sagt sie.

Das Landratsamt Mittelsachsen bestätigt auf Anfrage lediglich, „dass wir derzeit an einem Fall arbeiten, wo etwa 80 Katzen ursprünglich gelebt haben“, so Sprecher André Kaiser. Da es ein laufendes Verfahren sei, äußere sich die Behörde dazu im Detail nicht weiter.

Eine Ausnahme scheint dieser Fall in der Gemeinde Erlau allerdings nicht zu sein. „Seit der Kreisgebietsreform – das ist neun Jahre her – gab es in Mittelsachsen etwa zehn Fälle im privaten Bereich, wo sehr viele Tiere an einem Ort gehalten wurden“, sagt André Kaiser. Die Palette sei breit gefächert, reiche von Tauben über Pferde bis hin zu Katzen.

Desktopversion des Artikels