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Dienstag, 21.03.2017

Altprohlis wird wieder lebendig

Ab 2018 können die Besucher des Palitzsch-Museums mit moderner Technik wieder durch das Dorf spazieren. Bald ist sogar noch mehr möglich.

Von Kenny Langer

Die Postkarte zeigt das Schloss Prohlis um 1910. Das Palitzsch-Museum lässt das Dorf samt Schloss am Computer wiederentstehen. Mithilfe einer speziellen Brille wird es dann erlebbar.
Die Postkarte zeigt das Schloss Prohlis um 1910. Das Palitzsch-Museum lässt das Dorf samt Schloss am Computer wiederentstehen. Mithilfe einer speziellen Brille wird es dann erlebbar.

© Sammlung Holger Naumann

Die Turmspitze des Schlosses Prohlis konnten sogar die Schiffer auf der Elbe erkennen. Die Prohliser waren damals stolz, dass der Baron Kap-herr sein Schloss bei ihnen errichten ließ. Als 1975 die Abrissbagger anrollten und das alte Dorf dem gigantischen Neubaugebiet weichen musste, da blieb das Schloss verschont. Durch Brandstiftung wurde es aber 1980 schwer beschädigt und fünf Jahre später abgerissen.

Nun plant das Palitzsch-Museum, das Dorf im groben 1960er-Jahres-Zustand wiederaufzubauen – zumindest virtuell. In Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) wird zunächst mithilfe von Fotos und einem Grundriss das Dorf am Computer rekonstruiert. „In einem zweiten Schritt wird in die Ausstellungsfläche des Museums ein drehbares Podest mit Stuhl eingebaut“, sagt Museumsleiter Peter Neukirch. Dort können die jährlich 3 500 Besucher Platz nehmen und dann in längst vergangene Zeiten eintauchen, die künstlich erschaffene Welt erkunden. Eine spezielle Brille ermöglicht den 360-Grad-Rundumblick.

Da Altprohlis nur ein kleines Dorf war, ist der Aufwand für die Programmierer des Projekts zunächst überschaubar. Trotzdem seien im Nachbau am Computer durchaus auch kleinere Details wie Laternen, Briefkästen, Geländer und Baumstümpfe wichtig, sagt der 43-jährige Museumsleiter. So entsteht aus einzelnen digitalen Puzzlesteinen das virtuelle Modell des alten Dorfes.

Möglich ist aber noch mehr: „Es könnte so weit gehen, Figuren auf Fotos, von denen man weiß, dass sie hier gelebt haben, mit auftreten zu lassen“, erläutert Neukirch. Denkbar wären zudem belebte und begehbare Innenräume sowie Spielsituationen, in denen mit den Dorfbewohnern interagiert werden kann.

Derzeit aber sucht das Museum noch Kartografie- und Geoinformatik-Studenten der HTW, die am Projekt in Form eines Betriebspraktikums mitwirken möchten. Der Historiker hofft, bis Anfang 2018 die erste Etappe zu schaffen. Das Museum auf der Gamigstraße in Prohlis wäre dann um eine Attraktion reicher. „Derzeit wird in keinem anderen Haus der Städtischen Museen diese Technik eingesetzt“, erläutert Richard Stratenschulte, Sprecher der Dresdner Stadt-Museen.

Palitzsch-Museum: Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt kostet vier, ermäßigt drei Euro.

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