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Montag, 19.03.2018

Als es noch keine Hausnummern gab

Dirk Dietrich engagiert sich im Königsteiner Stadtarchiv. Zahlen spielen dabei eine besondere Rolle.

Von Katharina Klemm

Dirk Dietrich studiert eine historische Akte im Stadtarchiv.
Dirk Dietrich studiert eine historische Akte im Stadtarchiv.

© SZ/Katharina Klemm

Königstein. Das Lesen alter Schriften, vor allem handgeschriebene, musste sich Dirk Dietrich erst mühevoll aneignen. Denn als er 2016 begann das historische Königsteiner Stadtarchiv aufzuräumen und alles zu sortieren, hieß das bald auch, die Notizen auf den Aktendeckeln zu archivieren.

Dietrich ist Teil der Arbeitsgruppe, die sich um das Stadtarchiv kümmert. Jeden Aktendeckel hat er eingescannt. Am Computer konnte er dann die oft schwer zu lesenden Zeilen vergrößern und so das meiste entziffern. Nur selten musste er ein Wort als „unlesbar“ markieren. Manchmal stolperte der Halbestädter dann über veraltete Redewendungen. Doch auch die lernte er zu entschlüsseln. „Auf roher Wurzel“ bauen zu wollen bedeutete beispielsweise, dass das Land noch nicht erschlossen ist, erklärt er und zeigt die Worte auf einer Akte von 1843.

Die Informationen der Deckblätter trug Dietrich in eine Datenbank ein. Jede Akte erhält dort eine Zeile. Über 5 000 Zeilen sind es geworden. Nun kann in der Datenbank konkret nach Schlagwörtern gesucht werden.

Eng verbunden mit dieser Arbeit ist eine andere mühevolle: Die heutigen Adressen hat er den sogenannten Brandkataster- oder Ortslistennummern zu. Mit einer solchen Nummer waren Häuser in Königstein bis etwa 1945 für die Brandversicherung gekennzeichnet, so Dietrich. In vielen historischen Unterlagen sind diese Nummern angegeben. Hausnummern wie heute gab es noch keine.

Eine solche Liste für Königstein stammt aus dem Jahr 1839. Will man etwas über ein Haus zur damaligen Zeit in den Akten finden, muss man wissen, welche Brandkatasternummer es hatte. In seiner Datenbank hat Dirk Dietrich den Nummern auch die Straßennamen, die sich oft änderten, mit Hausnummern zugeordnet und auch Informationen zu den Besitzern der Gebäude, der Nutzung und der Anzahl der Bewohner, soweit bekannt. „Im Idealfall ist so die wechselhafte Geschichte eines Hauses bis heute nachvollziehbar.“ Und das ist eine wichtige Grundlage für Historiker.