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Freitag, 11.08.2017

Als die Fluten kamen

Vor 15 Jahren begann das Jahrhundert-Hochwasser. Seitdem investierten Land und Stadt rund 160 Millionen Euro.

Am 13. August 2002 erreicht die Flut Dresden. Die Weißeritz überflutet Teile von Löbtau und Friedrichstadt und rauscht durch den Hauptbahnhof ins Zentrum.
Am 13. August 2002 erreicht die Flut Dresden. Die Weißeritz überflutet Teile von Löbtau und Friedrichstadt und rauscht durch den Hauptbahnhof ins Zentrum.

© Jürgen Lösel

Dresden. Thomas Jakob kann sich noch genau an den 12. August vor 15 Jahren erinnern. Als Sachgebietsleiter ist der 54-Jährige jetzt beim Umweltamt für den Hochwasserschutz an der Elbe und den Nebenflüssen zuständig. Heute hat er sie genau im Blick, verfolgt jeden Anstieg. Doch damals wurde seine Behörde genauso von der Jahrhundertflut überrascht wie alle Dresdner.

Das Ereignis: Die Weißeritz wird zum reißenden Strom

„Keiner von uns wusste, was geschieht“, berichtet Jakob. Zum Auftakt wird die Weißeritz zum reißenden Strom, der Straßen von Löbtau und der Friedrichstadt überflutet und sich seinen Weg bis in die Innenstadt bahnt. Kurz danach steigt die Elbe kräftig an und erreicht am 17. August mit 9,40 Metern in Dresden ihren höchsten jemals gemessenen Stand. Während dieser Zeit schwingt sich Jakob aufs Fahrrad und radelt zur Elbe. Eine Woche lang gibt er per Handy Wasserstände zum Hochwasserstab durch. „Das war unsere einzige Möglichkeit, um uns ein Bild zu machen, was auf die Stadt zukommt“, sagt er.

Der Plan: Dresden soll vor künftigen Fluten geschützt werden

Nach diesem Hochwasser sei eins klar gewesen: Eine vernünftige Stadtentwicklung kann es nur mit einem umfassenden Plan zur Hochwasservorsorge geben. Darin sollten einerseits alle Gefahren durch Flüsse, Bäche, die Kanalisation und das Grundwasser für die Stadtteile aufgelistet werden. Darauf aufbauen wird ein Maßnahmenkonzept zum Hochwasserschutz erarbeitet. 2010 beschließt der Stadtrat den Plan.

Als die Weißeritz Dresden flutete

Die Elbe: Dresdens Zentrum und der Westen sind jetzt sicher

Rund 160 Millionen Euro sind in den vergangenen Jahren für Dresdens Flutschutz investiert worden. Eine Hälfte hat das Land gezahlt, die andere die Stadt. Für den Flutschutz von Dresdens größtem Fluss sowie für Weißeritz und Lockwitzbach ist der Freistaat zuständig. Darum kümmert sich Betriebsleiter Eckehard Bielitz von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) mit seinen Fachleuten. „Bei der Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Elbe ist Dresden schon ganz weit vorangekommen“, sagt der 45-Jährige. Die Innenstadt, Pieschen, Kaditz und der Dresdner Westen sind jetzt vor einem Hochwasser wie 2002 geschützt, unter anderem durch Fluttore, Deiche und Mauern. Für den Schutz von Cossebaude, Stetzsch und Gohlis sind ein Deich und eine Schutzwand entstanden, die insgesamt 5,2 Kilometer lang sind.

Fakten zum Flutschutz

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Rund 1,35 Milliarden Euro Schaden hatte die Jahrhundertflut 2002 angerichtet. Durch besseren Schutz waren es 2013 mit 120 Millionen Euro weniger als ein Zehntel davon.

Die Weißeritz als Dresdens gefährlichster Fluss wird auf 4,5 Kilometern ausgebaut. Drei Kilometer sind fertig.

Im 20. Jahrhundert gab es kein vergleichbares Elbehochwasser wie 2002. Acht Meter wurden nie erreicht, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht einmal sieben Meter. Die letzten vergleichbaren Ereignisse waren 1845 (8,77 m) und 1890 (8,37 m)

Weitere Informationen zum Hochwasser: dresden.de/hochwasser

Seit 2008 wurde gestritten, wie das Laubegaster Elbufer geschützt werden soll. Die Stadt diskutierte mit den Bürgern. 2011 lagen die Ergebnisse vor. Mit der LTV gibt es eine Kooperationsvereinbarung. Eine Variante könnten mobile Wände sein. Für den Schutz der anderen Seite von Laubegast am Altelbarm liegt ein Plan vor, der allerdings noch genehmigt werden muss. Dort sind kleine Deiche und Mauern vorgesehen.

Die Weißeritz: Löbtauer Knick wird jetzt entschärft

2009 hatte die LTV mit dem Weißeritzausbau begonnen. Von der Mündung bis zur Brücke Altplauen sollen 4,5 Kilometer ausgebaut werden. Zwei Drittel davon sind geschafft. 40 Millionen Euro werden für ein tieferes Flussbett und höhere Mauern investiert. Die Stadt beteiligt sich mit 14 Millionen Euro, damit in Dresdens gefährlichstem Fluss nicht nur wie vom Freistaat geplant eine 200-jährliche, sondern 500-jährliche Flut wie 2002 sicher abfließen kann.

Das Straßen- und Tiefbauamt hat fünf städtische Weißeritzbrücken abgerissen und so erneuert, dass die Fluten besser hindurchfließen können. Dafür wurden rund zehn Millionen Euro investiert.Begonnen wird jetzt damit, den nahezu rechtwinkligen Weißeritzknick zwischen den Brücken Löbtauer und Kesselsdorfer Straße zu entschärfen. Das Flussbett wird tiefer und breiter. Die Weißeritz schlägt künftig nur noch eine leichte Kurve. „Wir streben an, 2021 fertig zu sein“, sagt Bielitz – und damit zwei Jahre früher als geplant.

Nicht so weit ist die LTV beim Lockwitzbach gekommen. Erste Schwachstellen wurden zwar beseitigt. Aber erst in den nächsten Jahren soll an der Lockwitz der Schutz vor einem 25-jährlichen Hochwasser hergestellt werden. Ein stärkerer Schutz ist nur mit dem Bau eines Rückhaltebeckens oberhalb des Kreischaer Ortsteiles Lungkwitz möglich. „Doch dafür gibt es noch keine Planungen“, sagt Bielitz.

Die Bäche: Bereits 30 Millionen für den Flutschutz investiert

Auf mehr als 400 Kilometern durchfließen kleine Flüsse oder Bäche Dresden. Für deren Flutschutz hat die Stadt 30 Millionen Euro investiert. Als Beispiele führt Sachgebietsleiter Jakob neue Hochwasser-Rückhaltebecken für den Kaitzbach, wie im Hugo-Bürkner-Park, sowie die Renaturierung und Offenlegung des Gorbitzer Weidigtbaches auf 600 Metern Länge an.

Das Grundwasser: Eigentümer müssen im Ernstfall den Stand im Blick haben

Bei einem Hochwasser gibt es allerdings noch eine andere Gefahr, die aus dem Untergrund kommt – das Grundwasser. „Dagegen ist kein Gebietsschutz möglich“, sagt Jakob. Durch den Druck kann das Wasser in Keller fließen oder Schäden an Gebäuden verursachen. Eigentümer können sich in dem Fall eigentlich nur rechtzeitig informieren, um schnell handeln zu können. Die Stadt stellt Messwerte von 80 Stationen permanent im Internet bereit.

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