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Mittwoch, 14.02.2018

Als Azubi im Rathaus

Maximilian Schöbel lernt in der Gemeindeverwaltung Boxberg. In Landgemeinden kommt das so gut wie gar nicht vor.

Von Constanze Knappe

Während der Ausbildung hat Maximilian Schöbel miterlebt, wie intensiv sich die Gemeinde Boxberg um die touristische Entwicklung am Bärwalder See bemüht. Im Sommer in der dortigen Tourist-Info zu arbeiten, das sei ein besonderes Highlight, sagt er.
Während der Ausbildung hat Maximilian Schöbel miterlebt, wie intensiv sich die Gemeinde Boxberg um die touristische Entwicklung am Bärwalder See bemüht. Im Sommer in der dortigen Tourist-Info zu arbeiten, das sei ein besonderes Highlight, sagt er.

© Constanze Knappe

Boxberg. Freundlich zu sein, das sei oberstes Credo, sagt Maximilian Schöbel. Schließlich sei man ja ein Dienstleister. Der 21-Jährige, der seit 2015 in der Gemeindeverwaltung Boxberg/O.L. arbeitet, sieht sich jedenfalls so. Er absolviert dort den praktischen Teil seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Dass sich Jungs, die rein statistisch gesehen in der Oberlausitz am liebsten Kfz-Mechaniker, Mechatroniker oder Koch werden wollen, für diese berufliche Perspektive entscheiden, kommt so häufig ja nicht vor. In seiner Berufsschulklasse im Beruflichen Schulzentrum in Zittau sind die Männer gerade mal zu fünft.

Ohnehin sei er in der Klasse fast so etwas wie ein Exot, sagt er. Die meisten seiner MitschülerInnen sind Azubis in den Landkreisverwaltungen Bautzen und Görlitz oder in Städten wie Hoyerswerda, Weißwasser oder auch Görlitz. Gemeinden dagegen bilden so gut wie gar nicht aus. Ihm falle aus dem Stegreif jedenfalls kein anderes Beispiel dafür ein. Das bestätigt auch der Boxberger Hauptamtsleiter Arian Leffs: „Der Fachkräftemangel, der in manchen Bereichen schon deutlich zu spüren ist, ging an den Kommunalverwaltungen bisher vorbei.“ Hinzu käme, dass fast alle Kommunen Personal abbauen müssen, weil die Zahl der Stellen an die der Einwohner gebunden ist und die meisten auch weiterhin Einwohner verlieren. Dennoch hat man sich in Boxberg schon vor einer ganzen Weile Gedanken über die Personalentwicklung gemacht. In den nächsten zwei bis drei Jahren gehen Mitarbeiter in den Ruhestand. Die Aufgaben aber werden trotz sinkender Einwohnerzahlen nicht geringer. Jemanden in der Verwaltung intern umzusetzen, sei deshalb keine Option, so Arian Leffs. Nur auf den Arbeitsmarkt zu vertrauen, ebenso wenig. „Wie die Neubesetzung einer Stelle im Kita-Bereich zeigt, ist der Arbeitsmarkt relativ leer gefegt. Ähnlich sieht es beim Personal für Verwaltungen aus. Da sitzt niemand zu Hause auf dem Sofa und wartet auf eine Anstellung“, erklärt der Hauptamtsleiter. Deshalb habe man sich in Boxberg zur Ausbildung entschlossen – zum ersten Mal überhaupt.

Dass Maximilian Schöbel und die Gemeinde zueinanderfanden, ist nicht nur dem Zufall geschuldet. Der gebürtige Uhyster, der die Grundschule in Boxberg und die Oberschule in Weißwasser besuchte, wollte eigentlich Polizist werden. Er entschied sich aber zunächst, das Fachabitur am Beruflichen Schulzentrum in Weißwasser abzulegen. Möglich war das dort in den Bereichen Soziales oder Wirtschaft und Verwaltung. Er wählte Letzteres. Die Gemeindeverwaltung Boxberg als Praxispartner erschien ihm aus praktischen Erwägungen heraus passend. Zu jener Zeit war der Uhyster noch auf den Bus angewiesen.

Alle zwei Wochen arbeitete er während des Praktikums in der Gemeindeverwaltung. Die Art, wie er aufgenommen wurde, wie er in die Arbeit der Ämter hineinschnuppern durfte, das hat ihm Spaß gemacht. So reifte der Entschluss, einen Beruf in der Verwaltung zu erlernen. Dass ein Job im öffentlichen Dienst sicher ist, habe dabei auch eine Rolle gespielt, gibt Maximilian Schöbel zu. Dass sich beide Seiten durch das Praktikum bereits kannten, hat den weiteren Gang der Dinge befördert.

Nach der Lehre zum Studium

„Er passt sehr gut rein, kannte ja auch schon alle Abläufe“, sagt Arian Leffs und lobt die selbstständige Arbeitsweise seines Azubis. Der hatte eigene Aufgaben etwa in der Öffentlichkeitsarbeit, auch war er in die Vorbereitung von Bescheiden einbezogen. „Die Kämmerei hat mich besonders interessiert, weil die Zahlen nun mal die Arbeit in den meisten anderen Bereichen beeinflussen“, erklärt Maximilian Schöbel. An der Neukalkulation der Gebührensatzung für die Friedhöfe in der Gemeinde Boxberg hat er beispielsweise mitgearbeitet. Auch war er in der Tourist-Information am Bärwalder See beschäftigt. „Dort im Sommer zu arbeiten, das ist schon ein besonderes Highlight“, schwärmt er. Ebenso mag er den Dienst im Einwohnermeldeamt. Der direkte Kontakt zu den Bürgern, das gefällt ihm.

Im dritten Lehrjahr hat Maximilian die Berufsschule so gut wie abgehakt. Im Mai folgen die schriftlichen Prüfungen, die mündliche Abschlussprüfung im Juni. Noch sei es ja bis zu den Prüfungen ein bisschen hin, aber die Aufregung werde schon noch kommen, ist er sich sicher. Wie es danach für ihn weitergeht, da hat der angehende Verwaltungsfachangestellte schon ganz konkrete Pläne. Er möchte an der staatlichen Studienakademie in Bautzen Public Management studieren. Dafür braucht er wiederum einen Praxispartner – und muss gar nicht lange suchen. Die Gemeinde Boxberg wird voraussichtlich einen Praktikumsvertrag mit ihm eingehen. „Damit hätten wir für die eigentliche Personalentscheidung noch drei Jahre Puffer“, blickt der Hauptamtsleiter voraus.

Maximilian Schöbel könnte sich vorstellen, nach dem Studium in Boxberg zu bleiben. Der Familie und der Freunde wegen. Während der Sommerferien arbeitete der Uhyster sogar mal auf einer Farm in Kanada. Aber den Wunsch, so richtig wegzugehen, den hatte er nie. Er spielt aktiv Fußball, seit 2017 in Uhyst nach 26 Jahren der Fußball neu belebt wurde. Die Resonanz der Zuschauer darauf ist riesig. Für ihn ein Grund mehr, in der Heimat zu bleiben.

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