• Einstellungen
Montag, 13.02.2017

Alles drin

Die Dresdner Eislöwen besiegen die Lausitzer Füchse in einem munteren Derby voller Emotionen und Kampf.

Von Maik Schwert

Torschützen unter sich: Eislöwe Juuso Rajala (links) trifft erstmals, Dennis Palka zum wiederholten Mal für die Füchse. Foto: Ronald Bonß
Torschützen unter sich: Eislöwe Juuso Rajala (links) trifft erstmals, Dennis Palka zum wiederholten Mal für die Füchse. Foto: Ronald Bonß

© ronaldbonss.com

Die letzten beiden Minuten dauern eine gefühlte Ewigkeit. Dabei ist das Derby da längst entschieden. Dresden führt mit 5:2 gegen Weißwasser. Die meisten der 4 412 Besucher in der ausverkauften Energieverbund-Arena bejubeln den Heimerfolg der Eislöwen bereits mit Applaus und im Stehen. Da fliegen auf dem Eis doch noch die Fäuste. Dresdens Brendan Cook und Tomas Schmidt sowie die Lausitzer André Mücke, Sean Fischer und Nick Beneteau sehen das Ende des Duells aus der Kühlbox – aufgrund übertrieben harter Spielweise oder unerlaubter Körperangriffe. So heißt das im Schiedsrichterdeutsch.

„Da hat sich in dieser Partie einiges angestaut“, sagt Thomas Götz von den Füchsen. „Deshalb ist das am Ende eskaliert und explodiert.“ Eislöwe Alexander Höller sagt es so: „Wir müssen uns nicht vertragen.“ Das machen die Profis beider Mannschaften tatsächlich nicht. Beinstellen, Haken, Stockschlag – alles ist drin. In der 4. Minute bekommt Mücke erstmals etwas ab. Eine gute halbe Stunde später blutet er im Gesicht und muss sich an der Bande behandeln lassen. Dresdens Lucas Dumont erwischt es in der 42. Minute noch heftiger – an der rechten Hand. Er muss mit Verdacht auf Unterarmfraktur ins Krankenhaus.

Rupprich gelingt ein Sonntagsschuss

Das Ende überdeckt beinahe, dass die Teams auch Eishockey gespielt haben – und zwar von Anfang an und extrem gut für DEL-2-Maßstäbe. Die Blau-Gelben beginnen besser, führen dank der Tore durch Jakub Svoboda und Dennis Palka schnell mit 2:0. Doch die Antwort der Blau-Weißen lässt nicht lange auf sich warten. Erst spielt Arturs Kruminsch einen Konter überlegt aus und netzt ein. Dann gleicht Steven Rupprich mit einem Sonntagsschuss aus. „Den macht er auch nicht immer rein“, sagt Götz zum Geschehen im Auftaktabschnitt.

Im Mitteldrittel erwischen die Elbestädter den besseren Start. Mirko Sacher schnappt sich an der blauen Linie den Puck, lässt sich nicht beirren und dem Torhüter keine Chance. Wenig später baut Rupprich den Vorsprung aus. Gästetrainer Hannu Järvenpää nimmt eine Auszeit. Am Verlauf ändert das nichts. Im Schlussdurchgang bestimmt zunehmend der Kampf das Derby. In der 52. Minute feiert Sacher zwar erneut, aber der Schiedsrichter nutzt den Videobeweis und entscheidet gegen Tor. Kurz vor dem Ende trifft Juuso Rajala erstmals für die Gastgeber und zum Endstand – in Unterzahl und ins leere Tor.

„Das war richtig emotional“, sagt Bill Stewart. Der Eislöwen-Trainer lobt den Gegner: „Weißwasser macht einiges richtig, spielt über alle drei Zonen offensives Eishockey. Die Füchse bewegen den Puck viel, spielen sehr kreativ.“ Da treffen zwei gute Mannschaften aufeinander, die sich alles abfordern. „Die Zuschauer wurden gut unterhalten und hatten das Gefühl, dass die Partie ihr Geld wert war.“ Beide Trainer wollen sich in den Play-offs zwar zunächst einmal in Ruhe lassen, aber nach derzeitigem Tabellenstand treffen ihre Teams als Vierter und Fünfter schon im Viertelfinale aufeinander.

„Es war ein enges Spiel“, sagt Järvenpää. „Leider hat es am Ende nicht gereicht. Wir hatten unsere Chancen, aber Dresden wollte unbedingt gewinnen. Wenn man ein Derby verliert, ist es kein gutes Gefühl, aber zum Glück haben wir am Dienstag bereits die Chance, mit einem Erfolg Wiedergutmachung zu betreiben.“ Dann empfangen die Lausitzer ab 19.30 Uhr die drittplatzierten Kassel Huskies. Auch für Dresden geht es am gleichen Abend zur selben Zeit daheim weiter – und mit den zweitplatzierten Löwen aus Frankfurt am Main ebenfalls gegen einen starken Gegner. Ihnen bleibt also kaum Zeit zum Jubeln.

Zeit zum Analysieren nehmen sie sich dennoch. „Wir sind zwar schlecht gestartet, haben aber nach dem Rückstand Charakter gezeigt, sind zurückgekommen, haben uns die Führung erarbeitet und sie bis zum Schluss gehalten“, sagt Höller zum Erfolg in der Partie um den vierten Platz und das Heimrecht in den Play-offs. „Das gibt Selbstbewusstsein für die nächsten Spiele.“ Acht sind es jetzt noch in der Hauptrunde.

Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kommt auch bei Rupprich, dem Mann dieses Derbys, immer mehr zurück. „Ich brauche jedes Mal ein bisschen länger“, sagt der Stürmer, der derzeit auch als Verteidiger aushilft, da Kapitän René Kramer verletzt fehlt. Jetzt, in der entscheidenden Phase dieser Saison, wenn es darauf ankommt, sei er wieder da. „Dieses Mal haben wir mehr Biss bewiesen, cleverer agiert, die Chancen reingemacht, Schüsse geblockt und alles reingeschmissen, was wir hatten.“ Das sei die Mentalität, die der Trainer von ihnen verlangt, und mit der es Weißwasser in den bisherigen Duellen gegen Dresden zu drei Erfolgen und gegen Crimmitschau zu vier Siegen gebracht hat.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.