• Einstellungen
Samstag, 09.09.2017

Akte weitergegeben – fristlos gekündigt

Einer Arzthelferin darf gekündigt werden, wenn sie Patientendaten an Dritte weiterleitet – ohne vorherigen Abmahnung. Das geht aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg hervor. In dem Fall ging es um eine Arzthelferin in einer radiologischen Praxis. Ihr Vertrag enthielt eine Verschwiegenheitsklausel. Als eine Patientin im Oktober 2015 einen Termin absagte, rief sie deren Datenblatt auf. Darauf standen Name, Geburtsdatum, der zu untersuchende Körperbereich und dafür nötiges medizinisches Gerät. Die Frau fotografierte das Datenblatt und sendete das Foto mit dem Zusatz „Mal sehen, was die schon wieder hat“ an ihre Tochter, die die Nachricht im Sportverein herumzeigte. Der Vater der Patientin beschwerte sich in der Praxis. Der Arzthelferin wurde fristlos gekündigt. Sie zog vor Gericht. Eine Abmahnung hätte ausgereicht, fand sie. Laut Gericht war es der Praxis nach dem Vorfall aber nicht mehr zumutbar, das Arbeitsverhältnis aufrechtzuerhalten – auch nicht bis zum Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist. Die ärztliche Schweigepflicht sei grundlegend für das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt und für alle Mitarbeiter bindend. Die Weitergabe von Patientendaten sei ein wichtiger Grund für die außerordentliche Kündigung, auch ohne Abmahnung. (dpa)

Aktenzeichen: 12 Sa 22/16

Desktopversion des Artikels