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Montag, 22.01.2018

Afrikanische Schweinepest: Jäger rüsten auf

Schon in den vergangenen Jahrzehnten sorgte die klassische Schweinepest in Deutschland für Aufruhr unter Landwirten und Züchtern.

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Bild: Ein Überspringen der ASP auf Deutschland scheint unvermeidbar. (Quelle: Frankonia.de)
Bild: Ein Überspringen der ASP auf Deutschland scheint unvermeidbar. (Quelle: Frankonia.de)
Bild: Auch Sauen und Frischlinge rücken in den Fokus der Jagdintensivierung. (Quelle: magenbrot (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)
Bild: Auch Sauen und Frischlinge rücken in den Fokus der Jagdintensivierung. (Quelle: magenbrot (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)
Bild: Der Transport aus Osteuropa gilt als Risikofaktor für die Verbreitung von ASP. (Quelle: StockSnap (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)
Bild: Der Transport aus Osteuropa gilt als Risikofaktor für die Verbreitung von ASP. (Quelle: StockSnap (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Erst 2006 mussten in Nordrhein-Westfalen rund 92.000 Schweine gekeult werden. Doch nicht nur die klassische Schweinepest scheint ein Risiko darzustellen. Die neue Gefahr heißt „Afrikanische Schweinepest“, kurz ASP. Sie kommt der Bundesrepublik immer näher, ein Ausbruch scheint nicht mehr vermeidbar. Auch Jäger wappnen sich nun und wollen die Bejagung von Schwarzwild intensivieren.

Die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest

Bei ASP handelt es sich um eine Viruserkrankung, von der Schweine betroffen sein können. Sie verläuft in aller Regel tödlich und erweist sich als hochansteckend. Dass die Afrikanische Schweinepest nicht nur für Wildschweine, sondern auch für Hausschweine zur Gefahr werden kann, löst Besorgnis unter deutschen Züchtern und Politikern aus. Schäden, die ein Ausbruch hierzulande auf den Plan treten lassen könnte, könnten Verluste in Milliardenhöhe bedeuten. Dass es gegen die Afrikanische Schweinepest keine Impfung gibt, verschärft die Situation darüber hinaus. Für den Menschen wiederum besteht keine Gefahr, da das Virus ausschließlich Schweine befällt.

Das wiederum erklärt, warum der Deutsche Bauernverband nun einen großangelegten Abschuss des Wildschweinbestandes in Deutschland fordert. Die Gefahr für Bauern – auch für jene, die nicht in der Schweinezucht tätig sind – muss laut Verband so effektiv wie nur möglich gesenkt werden. Offiziell bedeutet das Forderungen, rund siebzig Prozent des aktuellen Bestandes an Wildschweinen in Deutschland zu schießen.

Dass das zügig geschehen muss, zeigt das jüngste Geschehen in Bezug auf die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest in osteuropäischen Ländern. Karten des Friedrich-Löffler-Instituts beweisen, dass sich die Krankheit Schritt für Schritt gen Westen ausbreitet und der deutschen Grenze folglich immer näher kommt. Lag der Sicherheitsabstand vor Kurzem noch bei knapp 300 Kilometern, könnte er sich inzwischen erneut verringert haben. Es gilt also, so schnell und effizient wie möglich zu handeln. Das wiederum ist der Punkt, an dem auch Deutschlands Jäger gefordert sind.

Warum die Afrikanische Schweinepest auch für Jäger problematisch ist

Das Risiko der Afrikanischen Schweinepest für deutsche Bauern ist inzwischen hinlänglich bekannt. Tötungen ganzer Bestände und somit auch die Bedrohung wirtschaftlicher Existenzen stehen auf dem Spiel. Doch nicht nur das, denn auch für Jäger könnten die Konsequenzen eines Ausbruchs unangenehm sein.

Das berichtet Frankonia in einem umfangreichen Beitrag und befasst sich darüber hinaus mit den Möglichkeiten, die Jägern derzeit zur Verfügung stehen. Folgen eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland könnten

  • die Auslöschung lokaler Wildschwein-Bestände
  • die Ausrufung einer Jagdruhe in betroffenen Gebieten,
  • Anordnungen von Fallwildsuchen
  • angeordnete Drückjagden zur Liquidierung großer Bestände
  • oder auch die Involvierung von Spezialunternehmen zur Kadaverentsorgung

sein.

All das bedeutet, ungeachtet des zusätzlichen Aufwandes, im Ernstfall auch für Jäger ein finanzielles Risiko. Denn ihre zu entrichtende Pacht könnte im Falle eines Ausbruchs weiterhin fällig werden.

So sind sich Jäger und Behörden inzwischen einig, dass eine intensivere Jagd auf Schwarzwild als wichtige Maßnahme zur Vorbeugung eines Ausbruchs anstehen muss. Weitere Informationen finden Jäger auch auf der Webseite des Landkreises Mittelsachsen. Hier wird auch eine mögliche Kostenübernahme hinsichtlich der Entnahme von Proben thematisiert.

Das Problem, vor dem Jäger nun stehen, ist zunächst ein zeitliches. So sind die meisten von ihnen ohnehin sehr intensiv mit der Bejagung von Wildschweinen beschäftigt, was zusätzliche Zeitpuffer auf ein Minimum reduziert. Verantwortliche raten daher dazu, alternative Möglichkeiten auszuloten, Gemeinschaften zu bilden und die Art und Weise des Jagdvorgangs zu verändern. Wie das genau aussehen kann, ist jedoch von Verband zu Verband unterschiedlich und sollte von Betroffenen daher im Vorhinein genau ausgelotet werden.

Tierschützer bleiben kritisch

Herrscht unter Landwirten, Politikern und Jägern weitestgehend Einigkeit über den Sinn der intensiveren Jagd, zeigen sich Tierschützer landesweit empört. Sie betonen, dass Wildschweine kaum als Gefahr für die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest gelten, da es sich um recht ortsgebundene Tiere handelt. Als weitaus größeres Risiko für einen Ausbruch erachten Tierschützer den Menschen. Sowohl Nahrungsmittel, die importiert werden, als auch der Transportverkehr per se könnte eine Verschleppung des Virus nach Deutschland weitaus stärker fördern als Wildschweine vor Ort.

So wird vielerorts bemängelt, dass die Konzentration auf tatsächliche Hauptursachen fehlt. Kritiker erachten Massentierhaltung und Transport als Faktoren, die noch vor einer Jagdintensivierung verändert werden müssten. Das jedoch ändert nichts an der Tatsache, dass eine Ausweitung der Jagd auf Schwarzwild tatsächlich eine sinnvolle Prophylaxe-Maßnahme darstellt. Entscheidend für Tierschützer ist daher auch, dass die nun anstehende Intensivierung nicht zu einer Art „Hetzjagd“ verkommt, bei der die Belange des Tierschutzes zunehmend ignoriert werden.

Und auch hier sind Jäger erneut gefragt. Eine Balance zwischen Tierschutz, Seuchenprophylaxe und eigenen Interessen zu halten, ist eine Mammutaufgabe. Diese wiederum lässt sich nur dann stemmen, wenn eine effektive Zusammenarbeit alle Beteiligten gewährleistet bleibt. Raum für Diskussionen und heftige Kritik jedoch wird es auch weiterhin geben.

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