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Freitag, 21.04.2017

Ärger wegen neuer Haltestelle

Der Ortschaftsrat fordert sie seit Jahren. Nun ist sie Teil des ÖPNV-Konzepts und soll möglichst bald gebaut werden. Der Standort gefällt nicht jedem.

Von Sven Görner

Dort, wo der Bus in Richtung Dresden gerade vorbeifährt, soll die neue Haltestelle gebaut werden. Parken ist dort dann nicht mehr möglich.
Dort, wo der Bus in Richtung Dresden gerade vorbeifährt, soll die neue Haltestelle gebaut werden. Parken ist dort dann nicht mehr möglich.

© André Wirsig

Boxdorf. Seit 19 Jahren betreibt Friseurmeisterin Manuela Sieber ihr Frisuren-Studio an der Dresdner Straße in Boxdorf. Das Geschäft läuft. Drei Mitarbeiterinnen beschäftigt die Dresdnerin. Trotzdem lassen sie die Sorgen um die Zukunft ihres kleinen Handwerksbetriebes nicht mehr so richtig zur Ruhe kommen, sagt Manuela Siebert.

Auslöser des Unbehagens sind die Pläne der Gemeinde, direkt vor ihrer Ladentür eine neue Bushaltestelle zu bauen. An dieser sollen künftig alle Busse halten, die über den Boxdorfer Berg in Richtung Dresden fahren. Derzeit gibt es für diese Linien noch zwei Haltestellen – eine in der Schulstraße und eine vor der Sparkasse in der Dresdner Straße.

Dass die Leute in naher Zukunft direkt vor ihrem Frisuren-Studio ein- und aussteigen, müsste die Inhaberin doch eigentlich freuen, könnte man meinen. Das Problem dabei ist allerdings: Durch die Haltestelle kann die kleine Fläche neben dem Geschäft nicht mehr zum Parken genutzt werden. „Und auf den wenigen öffentlichen Parkplätzen ein paar Schritte weiter darf man überall nur maximal 30 Minuten parken“, sagt Manuela Sieber.

Für die meisten ihrer Kunden reiche diese Zeit nicht. Zudem passen am Laden bis zu vier Autos hin. Auf dem Parkplatz gibt es gerade mal sieben Stellflächen. Diese werden sowohl von den Kunden der anderen dort befindlichen Geschäfte genutzt – ein Reisebüro, ein Bistro, eine Fußpflege und ein Kosmetikstudio – als auch von denen der Sparkasse. Dem kommunalen Geldinstitut gehört nicht nur das Haus, in dem sich die Geschäftsräume befinden, sondern auch das Parkplatzgrundstück. Mit der Eröffnung des Eiscafés gegenüber, das gerade seinen Probebetrieb gestartet hat, verschäft sich die Parkplatzsituation möglicherweise weiter.

„Außerdem habe ich gehört, dass die Sparkasse Meißen Haus und Grundstück verkaufen will. Was wird dann aus den Parkplätzen?“, sorgt sich Manuela Sieber. Sie versteht nicht, warum die Haltestelle ausgerechnet bei ihr gebaut werden soll.

Die Idee einer gemeinsamen Haltestelle in Richtung Dresden gibt es schon seit geraumer Zeit. Sie war ein Ergebnis der Überlegungen gewesen, die sich der Ortschaftsrat zur Verbesserung der Verkehrssituation in Boxdorf gemacht hatte. Die Gemeinde Moritzburg ließ dann schließlich von einem Planungsbüro ein ÖPNV-Konzept erarbeiten. Ein wichtiger Bestandteil ist die besagte neue Haltestelle. Was deren geplanten Standort angeht, nennt Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) zwei Gründe: „Das Grundstück mit dem Friseurgeschäft und den Parkflächen daneben gehört der Gemeinde. Das ermöglicht ein schnelles Handeln und hilft Kosten zu minimieren. Außerdem ist die Haltestelle so nicht zu weit weg von der Kreuzung, was wichtig für den geplanten Übergang ist.“

Was die Kurzzeitparkplätze angeht, so seien diese auch bei einem Verkauf des Grundstücks durch die Sparkasse gesichert. „Das ist im Grundbuch so festgeschrieben“, sagt der Rathauschef. Zudem sei er mit dem Makler im Gespräch, um durch eine kleine Umgestaltung vielleicht noch ein oder zwei zusätzliche Stellplätze zu gewinnen. Voraussichtlich fünf neue Parkplätze sollen in jedem Fall in der Haltebucht der dann nicht mehr benötigten Bushaltestelle Dresdner Straße entstehen. Wie lange die Autos auf diesen abgestellt werden dürfen, sei noch nicht entschieden.

Mit den so vorhandenen Parkplätzen sieht der Bürgermeister auch die Vereinbarung im Mietvertrag erfüllt, dass zwei Parkplätze zur Verfügung stehen. „Wir werden diese aber nicht so kennzeichnen, dass sie nur von den Friseur-Kunden genutzt werden dürfen. Das gibt es auch woanders bei öffentlichen Parkplätzen nicht“, ergänzt Jörg Hänisch. Die Sorgen von Manuela Sieber verringert das sicher nicht.