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Freitag, 08.12.2017

Ärger unterm Weihnachtsbaum

Ausgerechnet ein von der Stadt gesponsertes Nadelgehölz trifft auf den Widerstand der Sohländer.

Von Constanze Junghanss

Das Exemplar in Sohland gefällt nicht jedem. Das Schild in den Ästen aber auch nicht, mittlerweile hat es jemand entfernt.
Das Exemplar in Sohland gefällt nicht jedem. Das Schild in den Ästen aber auch nicht, mittlerweile hat es jemand entfernt.

© Constanze Junghanß

Sohland. Ein Baum spaltet das Dorf. Und zwar ein Weihnachtsbaum – eigentlich als Symbol der (Vor)Freude und Harmonie gedacht. Doch in Sohland ist das dieses Jahr anders. Das Nadelgehölz sorgt für unübersehbaren Missmut: In der Ortsmitte ist der Baum aufgestellt und mit Beleuchtung geschmückt worden, zwischen den Ästen aber prangt statt Strohsternen oder Engelsfiguren ein graues Pappschild. Darauf steht: „Dieser Weihnachtsbaum ist eine Sparmaßnahme der Stadt Reichenbach. Wir bitten um Verständnis. Die Organisatoren des Weihnachtsmarktes.“ Wer die sind, steht nicht dabei. Und warum sie sich über das – etwas kleine – Bäumchen ärgern, auch nicht.

In der Tat hat die Stadt Reichenbach den Baum gekauft und von einer ortsansässigen Firma aufstellen lassen. Vonseiten der Verwaltung wird das so bestätigt. Sohland bekam sogar zwei Bäume gesponsert. Einer davon steht nur einen Steinwurf vom kritisierten Gewächs entfernt im Brunnenring vor dem Schloss und ist mit roten Kugeln dekoriert. In den anderen Ortsteilen gab es keine solche öffentliche Kritik. Neben der Rotsteingemeinde bekamen Zoblitz und Meuselwitz Weihnachtsbäume von der Stadt. Mengelsdorf blieb in diesem Jahr außen vor. Grund dafür: Am üblichen Stellplatz vor dem Feuerwehrhaus wird gebaut. Laut einer Vorgabe vom Rathaus dürfen die Bäume eine bestimmte Höhe in den Dörfern nicht überschreiten. Die beträgt vier bis fünf Meter. Die Weihnachtsbäume auf dem Markt- und Kirchplatz Reichenbach sind dagegen mit einer Höhe bis zu acht Metern erlaubt. Diese beiden Exemplare hat die Stadt nicht wie die anderen Tannenbäume zugekauft, sondern am Oberen Weg bei den Neubauten fällen lassen. Sie mussten so oder so entfernt werden, weil sie zu nahe am Straßenbereich wuchsen. Die Liste zu den unterschiedlichen Größen existiere seit mehreren Jahren und sei nichts Neues, so die Verwaltung.

Das sieht eine der Organisatorinnen des Sohländer Weihnachtsmarktes anders. „Wir haben das Schild tatsächlich angebracht, weil die Leute uns immer wieder fragten, warum wir in diesem Jahr so einen unschönen Baum aufgestellt haben“, sagt Katrin Röke. Zusammen mit einem zehnköpfigen Team und weiteren Helfern kümmert sie sich um den Weihnachtsmarkt. Nur hätte eine Einwohnerin ihren eigenen Baum spenden wollen, der von einer ortsansässigen Firma aufgestellt worden wäre. „So habe ich das bei der Verwaltung auch gesagt“, erinnert sich Katrin Röke. Aber da kam eben der Hinweis, dass Reichenbach die Bäume sponsert. So, wie in den letzten Jahren das auch der Fall gewesen ist. „Wenn allerdings ein Verein das künftig machen möchte und die Haftung geklärt ist, dann kann die Genehmigung für einen privaten Baum erteilt werden“, sagt ein Mitarbeiter der Stadt. Das jedoch passierte für Sohland nicht. Möglich ist das aber, wie beispielsweise Königshain vormacht: Da stellt traditionell die Jagdgenossenschaft den Baum auf, der von Einheimischen bereitgestellt wurde. In diesem Jahr ist das übrigens eine Fichte, die nun am Barockschloss zu sehen ist.

In Sohland gab es nun gestern noch eine überraschende Wende: das Baum-Pappschild ist plötzlich wieder verschwunden. Stattdessen haben Unbekannte das Bäumchen nun hübsch geschmückt.

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