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Samstag, 07.10.2017

Achtung Zuschauerschwund

Leipzigs DHfK-Handballer sind so erfolgreich wie lange nicht, haben aber ein neues Problem.

Von Tino Meyer

Ein typisches Bild bei Leipziger Heimspielen. Die Tribüne ist gut besetzt und der Manager engagiert bei der Sache. Selbstläufer, sagt Karsten Günther, seien weder erfolgreiche Spiele noch eine volle Halle
Ein typisches Bild bei Leipziger Heimspielen. Die Tribüne ist gut besetzt und der Manager engagiert bei der Sache. Selbstläufer, sagt Karsten Günther, seien weder erfolgreiche Spiele noch eine volle Halle

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Was für eine wahnsinnige Spannung! Die Spielzeit ist bereits abgelaufen, doch noch gibt es den einen Freiwurf. Und tatsächlich trifft Nationalspieler Steffen Fäth über die ausgestreckten Abwehrarme ins Tor – und besiegelt die 30:31-Niederlage der DHfK-Handballer gegen seine Berliner.

Gut 4 100 Zuschauer in der Arena Leipzig pfeifen, schreien und leiden mit ihrer Mannschaft, gehen am Donnerstagabend aber trotzdem irgendwie zufrieden nach Hause. Ihr Kommen hat sich gelohnt. „Das war ein Spektakel für alle Zuschauer – nur das Ergebnis schlecht“, sagt Karsten Günther, Leipzigs Manager. Er kann dagegen nicht gut schlafen. Diese eine letzte Szene läuft in Endlosschleife in seinem Kopf.

Zu gern hätte er – und natürlich auch das Publikum – gesehen, dass der SC DHfK nach Flensburg-Handewitt und Hannover das nächste Spitzenteam besiegt. „Logisch bin ich enttäuscht und ein Stück weit auch traurig“, gesteht Günther am Tag danach. Hadern kann und will er allerdings nicht. Das entspricht nicht seinem Naturell, und außerdem ist da ja noch der erfreuliche Aspekt des nervenaufreibenden, überaus spannenden Abends, mal abgesehen vom starken sportlichen Auftreten: nämlich die fast ausverkaufte Halle.

Über 4 000 Zuschauer sind in dieser Saison noch nicht da gewesen, nicht mal beim Topspiel gegen Flensburg. „Wir sehen einen Trend. Der ist positiv und spiegelt auch die Leistungen der Mannschaft wider“, betont Günther, wohl wissend um die weiter bestehende Diskrepanz. In der Tabelle sind die Leipziger jetzt Siebenter mit nur zwei Zählern Rückstand auf Rang drei, in der Zuschauerrangliste aber auf dem elften Platz mit durchschnittlich 3 693 Besuchern in den bisherigen vier Heimspielen.

Der Liga-Schnitt liegt bei 4 200, und Durchschnitt ist eigentlich nicht Günthers Anspruch. „Neben der sportlichen Entwicklung sind die Zuschauer einer unserer Schwerpunkte. Wir müssen überlegen, wie wir noch mehr Leuten zeigen, welch toller Sport in der Arena geboten wird. Das wissen immer noch nicht alle“, sagt er.

Das Vorhaben ist immens und offenbar schwerer umzusetzen, als sich dauerhaft in der stärksten Liga der Welt zu behaupten und in zwei, drei Jahren auch im Europapokal zu spielen. Das zeigt schon die Vorsaison, in der Leipzigs Publikumsschnitt um 250 auf 4 100 Zuschauer sank – und das trotz der sportlich erfolgreichsten Saison seit der Neugründung vor zehn Jahren mit Bundesliga-Platz acht, Einzug in die Pokal-Endrunde und Ausrufezeichen wie dem deutlichen Heimsieg gegen Kiel.

Das könnte auch daran liegen, dass die Neugier auf Erstliga-Handball erst einmal gestillt ist, hat aber vor allem mit der städtischen Fußball-Konkurrenz zu tun. Neben den Champions-League-Kickern von RB, die in Sichtweite der Arena spielen, sowie den Viertliga-Teams Lok und Chemie gilt es, sich immer wieder neu zu behaupten.

Selbst wenn es bei den Spielterminen kaum Überschneidungen gibt, bleibt der Kampf um die Publikumsgunst eine Frage des Geldes. DHfK-Tickets kosten zwischen 12 und 24 Euro, bei RB-Spielen liegen die Preise zum Großteil sehr weit darüber. Die Champions League in bester Lage gibt es für 85 Euro. „Das Angebot ist riesig, die Kaufkraft nicht“, sagt Günther und meint: „Das macht die Herausforderung aus.“

Die nächste wartet an diesem Sonntag. Dann tritt der Tabellenletzte N-Lübbecke bei den Leipzigern an, die zurzeit die Oktober-Fest-Spiele ausgerufen haben und mit Schaubuden, Kinderkarussell und Freigetränken locken. Anwurf ist dann neuerdings ligaübergreifend 12.30 Uhr. Auch das ist sicher gewöhnungsbedürftig.

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