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Samstag, 20.05.2017

Absage an die Lederfabrik

Der Stadtrat hat sich gegen eine Sanierung entschieden. Nun bleibt noch ein Strohhalm.

Von Carina Brestrich

Wird die alte Lederfabrik abgerissen? Darüber entscheidet nun der Freistaat. Eine Sanierung durch die Stadt ist jedenfalls vom Tisch.Eine Nummerzu groß
Wird die alte Lederfabrik abgerissen? Darüber entscheidet nun der Freistaat. Eine Sanierung durch die Stadt ist jedenfalls vom Tisch.Eine Nummer zu groß

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Zum Schluss klang es fast schon wie eine Entschuldigung. „Ich konnte nicht anders“, sagte Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) nach der Abstimmung zur alten Lederfabrik. In einer Sondersitzung am Donnerstagabend hatte der Stadtrat über die Zukunft des maroden Industriedenkmals entschieden. Das Ergebnis: Die Stadt wird die Lederfabrik nicht sanieren. Stattdessen wird das Gebäude abgerissen, sollte sich kein Käufer für die mit Schadstoffen belastete Immobilie finden.

Mit Spannung war die Entscheidung erwartet worden. Zur Diskussion stand, ob die Lederfabrik abgerissen oder erhalten und als Zentrum für Kunstschaffende und Gewerbetriebende aus dem Kreativbereich hergerichtet wird. Schätzungen zufolge wären für eine einfache Sanierung 8,7 Millionen Euro fällig. Mindestens 3,8 Millionen Euro müsste die Stadt davon selbst tragen. Ein Abriss dagegen würde die Stadt 1,5 Millionen Euro kosten, so die Kalkulation. 2013 hatte die Stadt die Immobilie für etwa 750 000 Euro gekauft.

Die Entscheidung, ob Sanierung oder Abriss, machte sich der Stadtrat nicht leicht. Lange wurde im Vorfeld über die Möglichkeiten für das historische Gebäude diskutiert. Es wurden Gutachten angefertigt und Zahlen kalkuliert, zum Schluss auch fraktionsübergreifend nach einer Lösung gesucht. Am Donnerstag stimmte der Stadtrat schließlich mit 17 zu zehn Stimmen gegen eine Sanierung.

CDU-Fraktionschef Martin Rülke hatte zuvor noch einmal deutlich gemacht, dass bei einer Sanierung der Lederfabrik viele andere Vorhaben in der Stadt nicht möglich seien. Zudem warnte er vor dem gesundheitlichen Restrisiko der Bausubstanz, das im Falle einer einfachen Sanierung bestehen bleiben würde. Die AfD-Fraktion äußerte vor allem Bedenken über die Folgekosten. Zumeist als Freischaffende tätig, würden Künstler und Kreative kaum Einnahmen bringen, sondern womöglich noch Zuschüsse vonseiten der Stadt nötig machen. Die Freien Wähler sehen im Abriss eine Chance für das Areal, etwas Neues zu schaffen, nachdem die Ruine inzwischen mehr als 20 Jahre die Fläche verschandele, sagte Fraktionschef Frank Gliemann.

Die Fraktion aus SPD und Grüne dagegen versuchte, mit ihrem Beschlussvorschlag Zeit zu gewinnen. So solle zunächst nach weiteren Fördermöglichkeiten gesucht werden. Die Linken verwiesen auf Beispiele von Industrieruinen, deren Entwicklung gelungen sei, etwa die Zeche Zollverein in Essen. FDP-Stadtrat Lothar Brandau erklärte, dass die Sanierung eine Chance sei, Start-ups und innovative Köpfe in die Stadt zu holen. Die Bürger für Freital sprachen sich dafür aus, nach weiteren Lösungen zu suchen. Sie hatten mit der CDU an einem gemeinsa

men Beschlussvorschlag gefeilt, diesen dann aber abgelehnt.

Auch wenn die Entscheidung gegen eine Sanierung gefallen ist – das Schicksal der Lederfabrik ist damit noch nicht ganz besiegelt: Denn laut Beschluss soll der Oberbürgermeister die Lederfabrik dem Freistaat zunächst als Behördenstandort anbieten. Dieser könnte dort das einst vom Landtag beschlossene Haus der Bildung ansiedeln. Bis Ende Juli 2018 hat der Freistaat Bedenkzeit. Erst wenn er ablehnt, soll das Gebäude ab spätestens August 2018 abgerissen werden. Die nötigen Schritte dazu soll die Stadt parallel zu den Verhandlungen mit dem Freistaat einleiten. Außerdem – dieser Punkt wurde im Beschluss ergänzt – soll sie nach alternativen Standorten für eine Kreativwirtschaft suchen.

Schon im Vorfeld hatte sich Oberbürgermeister Rumberg gegen eine Sanierung durch die Stadt ausgesprochen. Auch zu Beginn der Sitzung am Donnerstag verwies er noch einmal auf die Verantwortung im Umgang mit Steuergeldern. Er bedaure, dass eine Sanierung für die Stadt wirtschaftlich nicht möglich ist. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagte er am Freitag gegenüber der SZ. In den nächsten Wochen will Rumberg nun das Gespräch mit den zuständigen Ministerien suchen. Parallel dazu wird von der Verwaltung der Abriss vorbereitet. „Dazu werden wir Gespräche mit dem Denkmalschutz führen“, sagte Rumberg. Dieser hatte sich in einer Stellungnahme bereits gegen einen Abriss gestellt. Auch gegenüber privaten Investoren ist die Stadt offen. „Aber da müsste ein Wunder passieren“, so Rumberg.

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