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Donnerstag, 07.12.2017

Abgewählte Ministerpräsidenten wechseln in die Wirtschaft

Hannelore Kraft geht in den Aufsichtsrat des Kohlekonzerns RAG. Torsten Albig wird Lobbyist des Logistik-Unternehmens DHL in Brüssel.

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Hannelore Kraft und Torsten Albig
Hannelore Kraft und Torsten Albig

© dpa

Düsseldorf/Kiel/Brüssel. Nordrhein-Westfalens frühere Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat eine neue Aufgabe neben ihrem Landtagsmandat übernommen: Sie bestimmt künftig als Mitglied des Aufsichtsrats mit über die Geschicke beim Steinkohlekonzern RAG, der gerade die Schließung der beiden letzten deutschen Zechen bis Ende kommenden Jahres vorbereitet. Die Wahl Krafts, über die zuvor die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet hatte, wurde von einem RAG-Sprecher am Mittwoch bestätigt. Kraft kommt für den SPD-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag, Norbert Römer, in das RAG-Kontrollgremium.

Nach der Wahlniederlage vom 14. Mai und der Ablösung als Ministerpräsidentin war Kraft öffentlich kaum noch in Erscheinung getreten. Sie arbeitet im Landtag im Sportausschuss mit. Zusätzliche Einkünfte wird ihr der neue Job wohl nicht bringen: Die Aufwandsentschädigung für die Arbeit im Aufsichtsrat werde mit dem Übergangsgeld aus der Zeit als Ministerpräsidentin verrechnet, sagte ein Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Auch der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat gut ein halbes Jahr nach seiner Niederlage bei der Landtagswahl einen neuen Spitzenposten als Lobbyist gefunden. Der 54-Jährige fängt am 1. Januar als Unternehmens-Repräsentant der DHL-Gruppe in Brüssel an. „Wir ziehen nach Brüssel“, sagte Albig am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Ich sofort – der Rest nach den Schulferien.“ Albigs offizieller Titel lautet „Vice President Corporate Representation Brussels“.

Albig führte von 2012 bis 2017 in Schleswig-Holstein eine Koalition aus SPD, Grünen und der Partei der dänischen Minderheit SSW. Die Landtagswahl im Mai 2017 verlor die SPD jedoch. Eine Woche nach der Niederlage kündigte Albig seinen Rückzug aus der Politik an. Nach der Wahl von Daniel Günther (CDU) zu seinem Nachfolger zog sich Albig weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Landtagsmandat nahm er nicht wahr.

Vor seinem Wechsel an die Spitze der Landesregierung war er Sprecher mehrerer Bundesfinanzminister und Konzernsprecher der Dresdner Bank in Frankfurt (Main) sowie zuletzt bis 2012 drei Jahre lang Kieler Oberbürgermeister. 2016 hatte sich Albig nach 27 Jahren Ehe von seiner Frau getrennt. Mit ihr hat er zwei Kinder. Er zog zu seiner neuen Lebensgefährtin Bärbel Boy, die drei Kinder hat.

Bereits zu seiner aktiven Zeit als Politiker hatte der gebürtige Bremer einen späteren Berufswechsel in die Wirtschaft nicht ausgeschlossen. „Es wäre kein dramatischer Bruch in meinem Leben, wenn nach der Frankfurter, der Berliner und der Kieler Zeit noch eine Tätigkeit in London, Chicago oder Buenos Aires stehen würde“, hatte der SPD-Politiker noch Ende 2014 erklärt. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Worker

    Sie gehen wieder arbeiten. Und die Einkünfte werden mit den Übergangs- und/oder Abfindungsgeldern verrechnet. Win-Win-Situation für alle. Kein Grund gleich wieder bashing zu betreiben.

  2. GierOhneGewissen

    Die RAG ist von Politikern(m/w) durchsetzt und traut sich deshalb besonders dreist die Gegend zu verpesten, um deutschlandweite fuerstliche Sonderbezuege fuer die Granden und die Komplizen in der Mitarbeiterschar herauszuholen. Die RAG leitet -von der Politik legalisiert- dioxinhaltige Altoele ueber geflutete Stollen in die Fluesse (z.B. den Rhein). Der Spiegel hat das Thema klar herausgestellt, aber die Schamlosigkeit und Aussitzstrategie hat wieder einmal gesiegt. Es gibt kein Anstandsgefuehl mehr. Wenn die Politiker sich wenigstens zur Ruhe setzen wuerden, anstatt ihren Ruf und den Ruf der Politik zu ruinieren, waere das wuerdevoller als diese zur Schau gestellte Karrieregeilheit. Ob Tiere elendig verrecken oder Hobbyfischer elendig an Krebs sterben werden, interessiert nicht- Hauptsache abkassieren. Auch Herr Lammert hat das mitzuverantworten. Ich finde die Skrupellosigkeit beschaemend. Das hat mit Leistung nichts zu tun.

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