• Einstellungen
Mittwoch, 29.11.2017

Abgepacktes Gemüse noch mal waschen

Es ist praktisch und spart eine Menge Zeit: geschnittenes Obst und Gemüse aus dem Kühlregal. Doch in den Verpackungen können neben Vitaminen auch Krankheitserreger stecken. Manche Menschen sollten vorsichtig sein.

Von Sabine Meuter

Abgepackter Salat spart Arbeit. Die Plastiktüten sind allerdings auch ein hervorragender Nährboden für Keime.
Abgepackter Salat spart Arbeit. Die Plastiktüten sind allerdings auch ein hervorragender Nährboden für Keime.

© Arno Burgi/dpa

Berlin. Gewaschen, geschält und in mundgerechte Stücke geschnitten: So präsentieren sich Möhren in einem kleinen durchsichtigen Beutel im Supermarkt-Regal. Und auch beim Blattsalat wollen viele Hersteller dem Verbraucher die Arbeit daheim ersparen. In Tüten abgefüllt wird er als zerkleinert, gesäubert und verzehrfertig anpriesen. Wer einen Obst-Snack möchte, wird ebenfalls fündig: Äpfel, Orangen, Beeren und Kiwis befinden sich geschnitten und zu einem farbenfrohen Salat vermengt in einem Plastikbecher, an dem sogar ein Löffel baumelt.

Hersteller wollen dem Kunden den Verzehr der vitaminreichen Kost so leicht wie möglich machen. Am Faktor Zeit fürs mitunter lästige Waschen und Zerkleinern soll es jedenfalls nicht scheitern. Doch ganz unproblematisch sind die Packungen mit dem vorgefertigten Inhalt nicht.

Zellsäfte ziehen Keime an

Generell gehört vorgeschnittenes Obst und Gemüse zu den leicht verderblichen Lebensmitteln. Sind etwa Salat- und Kohlblätter intakt, sind sie auf natürliche Weise gegen Keime geschützt. Mit diesem Schutz ist es aber vorbei, wenn die Blätter zerkleinert werden. An den Schnittstellen treten Zellsäfte aus. Sie ziehen Keime an, die sich rasant vermehren können.

Das zeigt auch eine 2016 veröffentlichte Studie von Mikrobiologen an der Universität Leicester. Sie hatten für ihre Untersuchung unter anderem Rucola- und Spinatblätter zerrieben. Den ausgetretenen Pflanzensaft impften sie mit Salmonellenkeimen. Das Ergebnis: Die Erreger vermehrten sich schon in einer winzigen Menge an Pflanzensaft - und zwar um das 2400-Fache.

Das ist aber nur ein Laborergebnis. „Bislang wurden Salmonellen in Tütensalaten zum Glück nur sehr selten gefunden“, erklärt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED). Anders sieht es bei Listerien aus. Im Jahr 2008 hatte das BfR küchenfertige Mischsalate aus dem Einzelhandel auf Listerien untersucht. Von 133 Mischsalaten enthielten fünf Prozent der Proben das krankmachende Bakterium Listeria monocytogenes. Es kann bei Schwangeren und Personen mit geschwächter Immunabwehr schwere Erkrankungen verursachen. „Vor allem in Mischsalaten mit Zusätzen von Weißkohl waren die Krankheitserreger gefunden worden“, erläutert Petra Hiller vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Schon beim Zerkleinern können Keime wie etwa Schimmelpilze in die Verpackung geraten. Das Wachstum dieser Mikroorganismen wird durch die in Plastikverpackungen auftretende Luftfeuchtigkeit begünstigt. „Aber auch schon beim Anbau und während der Ernte kann das jeweilige Produkt mit Keimen verunreinigt worden sein, beispielsweise durch das Beregnen mit nicht sauberem Wasser“, sagt Hiller. Die Keime haften teilweise fest an der Oberfläche der Pflanzen. Einige Keime können auch über die Wurzeln in das Innere der Pflanze gelangen.

Schwangere sollten verzichten

Morlo rät Schwangeren und Menschen, die empfindlich sind oder ein schwaches Immunsystem haben, auf bereits zerkleinertes Obst und Gemüse zu verzichten. Für gesunde Menschen stellt der Salat aus Beuteln dagegen meist kein Problem dar. Sie sollten aber beim Kauf unbedingt auf das Verbrauchs- und auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten, empfiehlt Hiller. Je näher die auf der Verpackung aufgedruckten Termine rücken, desto höher kann die Keimbelastung sein. Zudem muss die Verpackung im Supermarkt unbedingt im Kühlregal liegen - und sie sollte unbeschädigt sein.

Für vorgeschnittene Salate, zerkleinertes oder geschnittenes, geschältes Obst und Gemüse gelten strenge Hygienevorschriften. Darauf weist ein Sprecher des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hin. Diese Lebensmittel müssen nicht nur mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern auch mit einem Kühlhinweis für die Aufbewahrung versehen sein.

Leicht verderbliche Lebensmittel sollten bei höchstens sieben Grad aufbewahrt werden. Wichtig ist es, die Kühlkette konsequent einzuhalten. Die Hersteller müssen sich an strengen Hygienevorschriften halten. Ob sie beachtet werden, wird regelmäßig von den Behörden überprüft. Der Lebensmittelunternehmer ist für die Sicherheit seiner Produkte verantwortlich.

Trotz alldem sollten Verbraucher Salat, der im Handel als „gewaschen“ angepriesen wird, unbedingt auch noch einmal zu Hause im Sieb unter den Wasserhahn halten. Damit spülen sie zumindest einen Teil der Keime weg. Noch besser ist es, man kauft frischen Salat oder Obst. Das macht zwar mehr Arbeit, dafür hat man Morlo zufolge eine bessere Qualität auf dem Tisch. (dpa)