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Mittwoch, 03.01.2018

800 000 Euro für das polnische Wunder

Der Rundweg im Geopark Muskauer Faltenbogen wird bis zum „Geopfad Grube Babina“ geschlossen. Künftig soll es E-Bikes und Ladestationen geben.

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Damian Sandak ist zuständig für den Geopfad an der Grube Babina.
Damian Sandak ist zuständig für den Geopfad an der Grube Babina.

© Jost Schmidchen

Der Aussichtsturm an der Grube „Afryka“ bietet einen spektakulären Blick über den polnischen Teil des Geoparks Muskauer Faltenbogen.
Der Aussichtsturm an der Grube „Afryka“ bietet einen spektakulären Blick über den polnischen Teil des Geoparks Muskauer Faltenbogen.

© Jost Schmidchen

Seit 2012 ist der „Geopfad Grube Babina“ in Leknica ein touristischer Anziehungsmagnet im Global Geopark Muskauer Faltenbogen. Bislang kommen jährlich mehr als 20 000 Besucher in diesen Teil des Geoparks. Doch es sind weit mehr, erfährt die SZ von Damian Sandak (39), Sprecher und Projektverantwortlicher im Staatlichen polnischen Forstamt Lipinki. Die SZ hat nun mit ihm über das Tourismusprojekt „Geopfad Grube Babina“ aus aktueller Sicht und über die Erweiterung, die im Jahr 2018 folgen wird, gesprochen.

Herr Sandak, woher wissen Sie, dass die Besucherzahl von 20 000 in jedem Jahr überstiegen wird?

Wir haben bereits 2012 beim Bau des Geopfades ein Zählsystem installiert, welches die Radwanderer, Nording Walker und Wanderer zu Fuß erfasst. Allerdings bleiben die Besucher unerfasst, die lediglich zum zentralen Punkt an der ehemaligen Grube Afryka kommen, also zum Kippengebilde „Elefantenrücken“ und dem 2013 eingeweihten 28 Meter hohen Aussichtsturm.

Der „Geopfad Grube Babina“ gilt als eines von „sieben neuen Wundern“ Polens. Woher stammt diese Aussage?

Das weltweit agierende Unternehmen „National Geographic“ mit seinen vielen Fachgebieten – es gilt als die größte gemeinnützige Wissenschaftsorganisation überhaupt – lobte 2016 in Polen einen Wettbewerb zum Thema „Die sieben neuen Wunder Polens“ aus. Es gab zahlreiche Bewerbungen, auch wir haben uns beteiligt. Alle Bürger im Lande konnten per SMS ihren Favoriten benennen. Wir kamen unter die ersten „Sieben“ und erhielten dafür im Oktober 2016 anlässlich eines Empfangs in Warschau eines der begehrten Diplome.

2017 gab es noch einen „Nachschlag“ für den Geopfad. Worin bestand die erneute Ehrung?

Die basierte auf einem Wettbewerb namens „Geologia 2017“ des polnischen Umweltministeriums. Wir als Forstamt Lipinki erhielten für unsere Bemühungen erst vor wenigen Tagen im Rahmen der Wettbewerbsergebnisse finanzielle Mittel für die weitere Gestaltung des „Geopfades Grube Babina“.

Nun soll der Geopfad mit großem finanziellen Aufwand 2018 in erheblichem Ausmaß erweitert werden. Was versprechen Sie sich davon?

Sehr viel. Der „Geopfad Grube Babina“ bietet Gästen und Bewohnern eine qualitativ hochwertige touristische Infrastruktur mit vielfältigen Erlebnisangeboten und einer einheitlichen Identität. Denn der Geopark Muskauer Faltenbogen in Gänze verbindet Deutsche und Polen gleichermaßen. Mit der Umsetzung des Projekts tragen die Partner dazu bei, in der Grenzlage des „Kleinen Dreiländerecks“ Brandenburg/Sachsen/Polen die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland über die Verwaltungsebene hinaus zu vertiefen. Das heißt: Mit diesem Projekt wird es gelingen, Menschen in der Grenzregion nicht nur eine Identität wieder zu geben, sondern auch eine Zukunftsperspektive. Die abgestimmte touristische Vernetzung des gemeinsamen Natur- und Kulturerbes trägt zu einer Stärkung im grenzübergreifenden internationalen Wettbewerb der Regionen bei.

Wie stellen Sie sich die gesamte Projektumsetzung vor? Wie quantifizieren Sie die Zielgruppen und den Zugewinn für das Förderprojekt „Geopfad Grube Babina“?

Ziel des gemeinsamen Projektes ist es, dauerhaft mehr Gäste für einen Besuch in der Grenzregion zu gewinnen. Dazu ist es notwendig, die touristische Infrastruktur für den internationalen Besucherverkehr weiter zu verbessern und den Erlebniswert des Geoparks zu erhöhen. Wir müssen immer daran denken: Der „Geopfad Grube Babina“ befindet sich in unmittelbarer Grenznähe hinter Leknica. Mehr Besucher sorgen für die Stärkung der regionalen Wirtschaftskreisläufe, für die Verbesserung der Erholungs- und Freizeitangebote sowie für die Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Region.

Was beinhaltet die Erweiterung des „Geopfades Grube Babina“ konkret?

2018 wird es eine rund vier Kilometer lange Erweiterung des Geopfades geben einschließlich einem Lückenschluss in der Wegeführung vom Ortszentrum Leknica zum Geopark. Dort werden zugleich acht dreisprachige Informationstafeln die Gäste informieren. Das Wanderwegenetz um die Grube Babina wird in sich als Rundweg geschlossen. Die rund 100 Kilometer langen Themenradwege mit zusätzlichen Rastplätzen reichen dann bis zum Aussichtsturm am Felixsee oder zur Alten Ziegelei in Klein Kölzig. Alles sind historische Wahrzeichen im Geopark Muskauer Faltenbogen. Alternative Verkehrsmittel werden das touristische Angebot bereichern, so werden wir auf polnischer Seite zehn E-Bikes anschaffen und eine Ladestation für Fahrräder und Autos errichten. E-Bikes werden zukünftig Personen mit eingeschränkter Mobilität die Besichtigung der Geoparkbereiche ermöglichen, die ihnen bislang unzugänglich waren.

Wer sind die Projektpartner für die Erweiterung und wer trägt die Kosten?

Die Projektsumme von 800 000 Euro kommt aus dem EU Interreg-Programm. Wir haben die Besonderheit, dass unsere Wojwodschaft Lebuskie aufgrund ihrer territorialen Lage sowohl mit Brandenburg und Sachsen gleichermaßen zusammenarbeitet. Das neue Babina-Projekt fällt in die brandenburgische Hoheit. Wir als polnischer Staatsforst tragen Verantwortung für das Gesamtvorhaben. Alle beteiligten Partner, das sind der Landkreis Spree-Neiße, die Stadt Leknica, der Förderverein Muskauer Faltenbogen e.V., die Gemeinde Felixsee und wir selbst schaffen zur Umsetzung entsprechende neue Personalstellen für die Sicherung von der Projekterarbeitung über die Teambetreuung auf deutscher und polnischer Seite bis zur Abrechnung der Kosten. Das alles ist ein komplexer Prozess, bei dem sich die Projektpartner gegenseitig unterstützen.

Wann wird der erweiterte „Geopfad Grube Babina“ für alle Besucher zugänglich sein?

Nach noch ausstehenden formaljuristischen Vertragsunterzeichnungen aller am Projekt beteiligten Partner einschließlich der Bauausschreibungen werden Bau und Eröffnung noch 2018 realisiert. 2019 wird es dann auch neue Literatur dreisprachig in Polnisch, Deutsch und Englisch zum erweiterten „Geopfad Grube Babina“ geben.

Das Gespräch führte Jost Schmidtchen.