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Donnerstag, 12.04.2018

65 Jahre Achterbahn im Dynamoland

Geliebt und gefürchtet, dafür oder dagegen, und das seit 1953. Dresden ist anders – und der Dynamo ein Phänomen. Jetzt feiert der Verein runden Geburtstag.

Von Tino Meyer

Gegründet 1953 – so steht es auf der schwarz und gelb gestreiften Fahne mit dem großen, gekrönten weißen D auf weinrotem Grund. Doch 1953 ist längst mehr als eine Jahreszahl, zumindest für die Fans und Freunde von Dynamo Dresden.
Gegründet 1953 – so steht es auf der schwarz und gelb gestreiften Fahne mit dem großen, gekrönten weißen D auf weinrotem Grund. Doch 1953 ist längst mehr als eine Jahreszahl, zumindest für die Fans und Freunde von Dynamo Dresden.

© Robert Michael

Ein sonniger Sonntag, der erste des Jahres. Man könnte so vieles tun: ein ausgedehnter Spaziergang, Picknick im Grünen, Mittagsschlaf auf dem Balkon, die Auftaktrunde mit dem Rad – oder nach Braunschweig fahren. Rund 2 500 in schwarz und gelb gekleidete Fußballfans haben sich vergangenes Wochenende wieder auf den Weg gemacht, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Und das ist keine Frage des Wetters, sondern für sie eine Sache der Einstellung. Passend zur Vereinshymne: „Wir sind der zwölfte Mann, auf uns kommt’s heute an.“

Dynamo ist schließlich immer, und das an diesem 12. April genau seit 65 Jahren. Und Dynamoland? Ist längst nicht mehr nur Dresden und drumherum. Das beweisen jene Aufkleber mit der Aufschrift „Dynamoland“, die sich inzwischen deutschlandweit auf Autobahnschildern oder diversen anderen Wegweisern wiederfinden. Mit fast 22 000 Mitgliedern hat sich die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden e.V. – so der offizielle Name – zudem zum größten Sportverein Sachsens entwickelt mit einer Ausstrahlungskraft weit über den Freistaat hinaus. Eine so große leidenschaftliche, leidensfähige und spielklassenunabhängig treue Fanszene gibt es wirklich selten.

Dynamo kann hierzulande gleichermaßen begeistern und polarisieren wie kaum etwas anderes – immer auch mit dem Potenzial für deutschlandweite Schlagzeilen. Das hat zuallererst mit der ereignisreichen wie erfolgreichen Vergangenheit zu tun, mit legendären Spielen und genialen Spielern, aber auch mit menschlichen Tragödien und finanziellem Harakiri.

Der vielbeschworene Mythos Dynamo zieht seine unglaublich emotionale Kraft aber auch aus der Gegenwart. Da ist zum Beispiel die Spendenaktion vor anderthalb Jahren für die Beerdigung von Vereinslegende Reinhard Häfner, bei der während eines Heimspiels mehr als 11 000 Euro zusammengekommen sind. Rund 3 000 Fans haben – in Anlehnung ans Gründungsjahr – 19,53 Euro bezahlt, um ihren Namen auf dem Mannschaftsbus wiederzufinden. Ein Theaterstück „Dynaaamo!“ hat es im Dresdner Schauspielhaus gegeben, erst kürzlich eine künstlerische Choreographie mit tausend Fans in der Semperoper. Sogar als Benefizgegner sind die Schwarz-Gelben jetzt gefragt, um anderen finanziell angeschlagenen Ostvereinen zu helfen. Wie sich die Zeiten doch ändern ... Dynamo – das ist offenbar mehr als ein Verein. Die kollektive Begeisterung reicht weit über den K-Block hinaus und manchmal auch über die Grenzen des guten Geschmacks bis hin zum bewussten Tabubruch.

Vor knapp einem Jahr marschierte die „Footballarmy Dynamo Dresden“ in Karlsruhe und erklärte dem Deutschen Fußballbund den Krieg. Das war symbolisch gemeint, verletzte Polizisten und Ordner gab es dennoch. Derzeit ermittelt der Staatsanwalt, und ein selbst ernanntes Solidaritätskomitee Dynamo bittet mit Hilfe des Vereins um Spenden, falls es zum Prozess gegen die mutmaßlichen Drahtzieher kommt.

Unterwegs in Dynamoland ist und bleibt eine Achterbahnfahrt der Gefühle, ganz sicher auch in den nächsten 65 Jahren. Denn ob dafür oder dagegen – wirklich egal ist dieser Fußballverein nur wenigen.

Noch mehr rund um das Vereinsjubiläum lesen Sie in unserem Dossier „65 Jahre Dynamo“

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