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Mittwoch, 15.11.2017

24-Stunden-Polizeiposten für Heidenau gefordert

Die Grünen im Landtag wollen eine Aufstockung. Der Stadtrat unterstützt das prinzipiell. Nur die Polizei selbst sieht es anders.

Von Heike Sabel

Schneller zur Stelle: Statt neuneinhalb Stunden am Tag soll der Heidenauer Polizeiposten rund um die Uhr besetzt sein. Das fordern die Grünen im Landtag und werden dabei von den Heidenauern unterstützt. Archivfoto: René Ruprecht/dpa
Schneller zur Stelle: Statt neuneinhalb Stunden am Tag soll der Heidenauer Polizeiposten rund um die Uhr besetzt sein. Das fordern die Grünen im Landtag und werden dabei von den Heidenauern unterstützt. Archivfoto: René Ruprecht/dpa

© dpa

Heidenau. Heidenau hat in den vergangenen Jahren etliche Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Die Stadt kennt Großaufgebote aus Hochwasserzeiten, aus den Auseinandersetzungen um die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Praktiker im August 2015 und von der jüngsten Nacht mit dem Bombenfund und der Entschärfung. Bei all diesen Einsätzen waren Hunderte Polizisten von Land und Bund in Heidenau. Im Alltag sind es vier Bürgerpolizisten, die in der Regel von 6 bis 15.30 Uhr arbeiten. In dieser Zeit sind sie auch im Büro auf der August-Bebel-Straße 30, aber eben nicht nur. Denn sie sollen genauso Streife laufen. Dann ist das Revier in Pirna Ansprechpartner. Ein entsprechender Hinweis befindet sich am Eingang des Heidenauer Postens.

Den Grünen im Landtag reicht das nicht. Sie fordern jetzt den 24-Stunden-Polizeiposten für alle Städte mit über 10 000 Einwohnern. Das dürften die Einwohner erwarten. Ausgangspunkt der Grünen-Forderungen sind die Pläne des sächsischen Innenministers, das Revier Pirna bis 2025 von derzeit 125 Stellen auf 117 zu reduzieren. Im Rahmen der Polizeireform habe sich die Polizei mit der Schließung von über 30 Polizeirevieren aus der Fläche im Freistaat zurückgezogen, rechnen die Grünen vor. Aktuell hat sich die Staatsregierung zwar zum Ziel gesetzt, der Polizei 1 000 Stellen mehr zu geben. Aber ob davon Heidenau profitiert? Wenn es nach den Grünen geht, ja.

Mehr Präsenz, egal wie

In Heidenau wird der Antrag von allen Fraktionen im Stadtrat begrüßt. Die CDU kennt ihn zwar im Detail noch nicht, unterstützt ihn aber. Schließlich gehe es um die tatsächliche und gefühlte Sicherheit der Einwohner, sagt Fraktionschef Reno König. Und da sei es egal, von wem der Antrag kommt. Für die Linke/Grüne-Fraktion gibt ein bei Tag und Nacht besetzter Anlaufpunkt den Bürgern ein Gefühl von Sicherheit. Für eine Stadt mit 16 500 Einwohnern sei das zwingend notwendig, sagt Fraktionsvorsitzender Steffen Wolf.

Den Liberalen ist egal, wie die Polizei die Forderung umsetzt. „Ob es dazu eines Reviers bedarf oder durch moderne Technik im Polizeiauto die Arbeit eines Reviers zum Teil miterledigt wird, ist eine organisatorische Frage“, sagt Fraktionsvorsitzender Norbert Bläsner. Entscheidend sei, dass genug Polizei zur aktiven Kriminalitätsbekämpfung unterwegs ist und zusätzliche Polizisten nicht nur an den Schreibtischen sitzen. „Zudem darf die Bundespolizei sich nicht weiter zurückziehen, sondern muss in unserem grenznahen Raum verstärkt werden.“

In Heidenau gab es vergangenes Jahr 1 231 Straftaten, 63 weniger als im Vorjahr. Darunter 264 schwere, 150 Rohheits- sowie 198 Vermögens- und Fälschungsdelikte. Statistisch vergleichbar mit anderen Städten ist die auf 100 000 Einwohner hochgerechnete Zahl der Straftaten. Das sind für Heidenau im vergangenen Jahr 7 205. Diese Zahl ist eine der höchsten im Landkreis, wenn man die den Grenzorten zugerechneten Delikte im Zusammenhang mit der Bundesgrenze außer Betracht lässt.

Für die Polizei ist das aber kein Grund, sich der Forderung der Grünen im Landtag anzuschließen. Die Besetzung des Heidenauer Postens habe in der Vergangenheit sicherlich variiert, sagt die Polizei. Eine Rund-um-die-Uhr-Besetzung im Sinne eines Reviers habe es jedoch noch nie gegeben – sie sei aus polizeilicher Sicht auch nicht notwendig. Der Grünen-Antrag wird am Donnerstag im Landtag diskutiert.

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