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Samstag, 13.01.2018

200 Nachwuchsspieler, Dutzende Ehrenamtler und ein Ziel

Seit 85 Jahren wird in Weißwasser Eishockey gespielt. Die SZ feiert das mit einer Serie und einem Gewinnspiel. Heute: Im Gespräch mit Bernard Stefan.

Von Steffen Bistrosch

Die drei haben gut lachen. Links Bernard Stefan, rechts Jan Garreis, Mitglied des Vorstands, und in der Mitte in Lebensgröße das Maskottchen. Gemeinsam freuen sie sich über die Nachwuchsarbeit der vergangenen Jahre, die langsam aber sicher Früchte trägt. Der Verein zeichnet im Wesentlichen verantwortlich für die Grundlagen des Profisports in der Stadt.
Die drei haben gut lachen. Links Bernard Stefan, rechts Jan Garreis, Mitglied des Vorstands, und in der Mitte in Lebensgröße das Maskottchen. Gemeinsam freuen sie sich über die Nachwuchsarbeit der vergangenen Jahre, die langsam aber sicher Früchte trägt. Der Verein zeichnet im Wesentlichen verantwortlich für die Grundlagen des Profisports in der Stadt.

© Steffen Bistrosch

Weißwasser. Bernard Stefan hat seine Lebensaufgabe beim Eissport Weißwasser gefunden. Als Vorsitzender des Stammvereins „Eissport Weißwasser e.V. Die Füchse“ wacht er gemeinsam mit seinen Kollegen und Mitstreitern darüber, dass möglichst viele Jungfüchse den Weg zum Leistungssport finden. Wir trafen uns zum Abschluss der Serie „85 Jahre Eishockey in Weißwasser“ in seinem „Arbeitszimmer“ der Eisarena während des Freilaufes am Neujahrstag.

Herr Stefan, der Eissport Weißwasser ruht auf zwei Säulen: Zum einen ist da die „EHC Lausitzer Füchse Spielbetriebs GmbH“, die sich ausschließlich um die Profimannschaft kümmert, zum anderen ist da der Stammverein „Eissport Weißwasser e.V. Die Füchse“, der sich der Nachwuchsarbeit verschrieben hat. Sie sind seit zehn Jahren Vorsitzender des letzteren, wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Gremien?

Grundsätzlich sind wir in der glücklichen Situation, alle Führungspositionen mit Leuten aus der Region besetzt zu haben. Ich denke da an den Geschäftsführer Dirk Rohrbach, Trainer Robert Hoffmann, den Vorstand, die Gesellschafter. Die Profiabteilung steht permanent unter Erfolgsdruck, hat in den letzten Jahren aber immer einen Trainer gefunden, der mit jungen Spielern arbeiten will und kann und nicht nur auf fertige Spieler setzt. Ich glaube, die Zusammenarbeit funktioniert deutlich besser als in den Neunzigern oder noch vor zehn, fünfzehn Jahren. Im Profisport ist die Entwicklung des Nachwuchses vorgeschrieben, in Weißwasser sind in der Vergangenheit sehr viele gute Spieler ausgebildet worden. Wir im Stammverein spüren aus tiefstem Herzen eine Verpflichtung, die langjährige Tradition fortzuführen. Diese Aufgabe ist wichtig für den Eissport für die Region, um Kindern und Jugendlichen eine Perspektive geben zu können.

Wieviele Personen engagieren sich denn hauptamtlich, nebenberuflich oder in ihrer Freizeit im Stammverein für den Nachwuchs?

Wir planen mit vier hauptamtlichen Trainern, einem Geschäftsstellenleiter, einer Reihe von Ein-Euro-Jobbern für den Fahrdienst der Kinder, ein bis zwei Leuten, die sich um die Wohngruppe kümmern. Dazu kommen eine Fülle von ehrenamtlichen Helfern, lizensierte Trainer, Übungsleiter, die Besetzung des Kampfgerichts, engagierte Eltern, der Vorstand, der Beirat, der Ehrenrat, damit kommen wir auf etliche Dutzend an Leuten, die tagtäglich versuchen, alles am Laufen zu erhalten. Wir betreuen derzeit nahezu zweihundert Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis neunzehn Jahren. Im Einzelnen sind das neben der Laufgruppe die beiden Meldeklassen der Bambini und der Kleinschüler, eine Knabenmannschaft, das Schülerteam in der Bundesliga A und das DNL 2-Team im Jugendbereich. Aus diesem Bereich bewegt sich bis zu einer Handvoll Jugendspieler bereits im erweiterten Kader der Profis.

Die bundesdeutsche Nachwuchsförderung orientiert sich inzwischen an Entwicklungskonzepten anderer erfolgreicher Nationen. Dazu ist ein sogenanntes Fünf-Sterne-Projekt vom Deutschen Eishockeybund (DEB) ins Leben gerufen worden. Weißwasser hält bisher vier von fünf möglichen Sternen. Ist da Luft nach oben?

Es ist erklärtes Ziel, die fünf Sterne zu erlangen. Wir wollen nicht nur Talente-Stützpunkt sein, sondern unter den besten Nachwuchsförderclubs in Deutschland. Es ist nicht utopisch, wenn der DEB mit dem SEV die Unterlagen auswertet, werden wir sehen, was uns zur höchsten Kategorie möglicherweise noch fehlt.

Wie erfolgt die Finanzierung des Stammvereins?

Über Zuschüsse von verschiedenen Verbänden wie SEV, Kreissportbund und Stadtsportbund, die üblichen Regularien eines gemeinnützigen Vereins eben. Dann gibt es die Kooperationsvereinbarung mit dem EHC, Zuschüsse über das Fünf-Sterne-Programm, große Sponsoren wie die Stadtwerke/Veolia und die Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser oder die vielen kleinen Sponsoren und natürlich die Mitglieder über die Beiträge. Wir wollen immer noch die Anzahl von 850 Mitgliedern erreichen. Unser Etat liegt in Summe etwa bei einer Drittel Million Euro. Wir zahlen beispielsweise allein für Buskosten etwa 70000 Euro im Jahr. Im Vergleich zu anderen professionellen Clubs ist das ein eher kleines Budget. In Weißwasser steckt im Nachwuchs eine ganze Menge Ehrenamt drin, das spart viel Geld. Wir, der Stammverein und die Spielbetriebs-GmbH, müssen mit dem haushalten, was wir haben.

Sie sind seit mehr als zehn Jahren Vorsitzender des Stammvereins, waren zuvor Schatzmeister und seit weit mehr als 20 Jahren Mitglied und Sponsor. Welche Beweggründe haben zu einer dermaßen engen Bindung zum Eissport in Weißwasser geführt?

Ich habe selbst kurzzeitig in den 70er Jahren auf dem Eis gestanden, Hockey war immer eine Leidenschaft von mir, auch wenn ich mich anderen Dingen zugewandt hatte. Mein Sohn hat viele Jahre im Nachwuchsbereich Eishockey gespielt. Seit Mitte der Neunziger bin ich Mitglied im Verein, bin damals auch als Sponsor eingestiegen. Das hat sich nach und nach gesteigert, dann kam es 2005 über Dirk Rohrbach zur engeren Zusammenarbeit bis in den Vorstand. Ich bin zunächst als Schatzmeister kooptiert worden und später Vorsitzender geworden. Wir sind seit Jahren in unveränderter Besetzung (Bernhard Stefan, Jan Garreis, Jürgen Hanke, Dietmar Wolsch, Dirk Rohrbach, d. Red.) im Vorstand aktiv. Ich empfinde Eishockey als geilste Sportart der Welt, ich sehe unheimlich gern zu, spiele auch noch ab und zu bei den „Chiefs“. Eishockey ist wichtig für Weißwasser, für die Region, und ich als will als Sponsor und als Vorstandsmitglied meinen Beitrag dazu leisten, um den Sport in dieser Stadt am Leben zu erhalten. Solange ich die Zeit finde, die Gesundheit mitmacht und Spaß bei der Sache erhalten bleiben, werde ich dem Eishockey treu bleiben. Ich glaube, ohne zu übertreiben, es ist inzwischen zu einer Lebensaufgabe geworden. Obwohl es zeitlich und familiär nicht immer einfach ist.

Was soll das kommende Jahr für den Eissport allgemein, für den Stammverein im Besonderen bringen?

Ich glaube, das Wichtigste ist eine dauerhafte Lösung für die Besetzung der Geschäftsstelle. Wir fünf Vorstände können auf Dauer die Leitung der Geschäftsstelle nicht endlos und nebenbei leisten. Wir wollen die erfolgreiche Arbeit unserer Trainer weiter fortführen, wir arbeiten daran, dass viele Kinder und Jugendliche den Weg zu dieser schweren Sportart finden und dabeibleiben. Wir brauchen etwa eine Zahl von einhundertachtzig bis zweihundert Nachwuchsspielern als Basis dafür, den Eissport auf Dauer erhalten zu können. Wir als Verein sehen uns nicht nur als Grundlage für die Spielbetriebs-GmbH, sondern auch für den Betrieb der Eishalle. Frühere Nachwuchsleute von uns sind in den Hobbyvereinen aktiv, in der Freizeit, in Niesky. Wir sind ein Arbeitgeber in dieser Stadt. Wir wollen in fünfzehn Jahren den Hundertsten feiern, zurückblicken und sagen: Eishockey ist immer Bestandteil dieser Stadt und der Region. Das wünsche ich mir und dafür werden wir jedes Jahr aufs Neue kämpfen.