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Mittwoch, 15.11.2017

16 Wölfe in der Oberlausitz geboren

Im Raum Löbau/Zittau und in der Massenei gibt es Hinweise auf Wölfe. Ob es schon Rudel sind, ist offen.

Von Irmela Hennig

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Beim Nieskyer Rudel wurden dieses Jahr sechs Welpen geboren.
Beim Nieskyer Rudel wurden dieses Jahr sechs Welpen geboren.

© SBS/BROHT/A. Klingenberger

Oberlausitz. Für 2017 gibt es bislang nur wenige Hinweise auf Wolfsnachwuchs. Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf haben sechs Oberlausitzer Rudel Nachwuchs mit insgesamt 16 Welpen. Junge gibt es beim Daubitzer, Nieskyer, Königshainer, Neustädter und Rosenthaler Rudel sowie bei der Seenland-Wolfsfamilie. Die galt im letzten Jahr noch als verschwunden. Das Monitoringjahr läuft allerdings noch bis Ende April 2018. Alle Daten sind vorläufig.

Im vergangenen Wolfsbeobachtungsjahr 2016 wurden in der Oberlausitz mindestens 31 Wolfswelpen geboren. Das geht aus den Angaben hervor, die das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ mit Sitz in Rietschen bei Niesky veröffentlicht hat. Demnach konnten die Wolfsexperten des Lupus Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung bei acht Rudeln Nachwuchs feststellen. Jeweils sechs Junge gab es beim Daubitzer und beim Knappenroder Rudel, fünf waren es bei den Biehainer Wölfen nördlich von Görlitz. Je vier Welpen wurden bei den Nochtener und den Milkeler Wölfen gezählt. Die Kollmer Familie brachte es auf drei, die Rosenthaler auf zwei Junge. In der Königsbrücker Heide wurde ein Jungtier beobachtet.

Für vier Rudel konnte 2016 kein Nachwuchs festgestellt werden – und zwar für das Daubaner, das Nieskyer, das Neustädter Rudel und das aus den Königshainer Bergen. Auch die Wolfspaare in Cunewalde und der Laußnitzer Heide scheinen bislang keine Nachkommen großzuziehen – auch gegenwärtig gibt es keine Hinweise.

Insgesamt wurden im Freistaat Sachsen im Monitoringjahr 2016/17 genau 14 Rudel und vier Paare bestätigt. In der Oberlausitz lebten zwölf Rudel und zwei Paare. Hinzu kamen weitere Wolfsgruppen, die nur teilweise im Bundesland jagten. Ihre Territorien liegen größtenteils in Polen oder Brandenburg. Laut dem Kontaktbüro existiert das Bernsdorfer Wolfspaar nicht mehr. Der Rüde war im Oktober 2016 tot aufgefunden worden, er starb eines natürlichen Todes. Allerdings hat sich in Brandenburg im Raum Hohenbocka ein neues Wolfsrudel etabliert. Dessen Territorium reicht bis in den Raum Bernsdorf in Sachsen hinein. Was aus den Spremberg-Wölfen geworden ist, ist derzeit nicht klar.

Im Raum Löbau/Zittau und in der Massenei im Landkreis Bautzen wurden vereinzelt Wölfe beobachtet. Das genaue Vorkommen sei ungeklärt; man wisse nicht, ob es sich um Einzeltiere, Paare oder doch schon Rudel handelt.

2017 wurden bislang 85 Nutztierschäden in Sachsen gemeldet. In knapp 50 Fällen wurde der Wolf als Verursacher bestätigt oder zumindest nicht ausgeschlossen. Neun Vorfälle werden laut der Datenbank des Kontaktbüros noch bearbeitet. Rund 160 Nutztiere wurden dabei getötet oder gelten als vermisst. Teilweise waren die Tiere nicht ausreichend geschützt. In Rothenburg wurde beispielsweise ein Steinbock getötet. Der Zaun des Gatters führte keinen Strom und wurde vom Wolf untergraben. Wiederum waren Schafe in Cunnewitz und Schönau im Landkreis Bautzen durch Elektrozaun mit Flatterband gesichert. Allerdings sind die Herden dort ausgebrochen. Insgesamt kamen in den beiden Fällen 17 Tiere zu Schaden.

Viele Vorkommnisse gab es im Revier des Rosenthaler Rudels bei Kamenz. Zunächst war darum der Abschuss eines Wolfes aus dem Rudel genehmigt worden. Weil aber die Grüne Liga Widerspruch eingelegt hat und das Vorhaben rechtlich geklärt werden muss, gibt es zunächst keinen Abschuss.

Bis 3. November wurden außerdem elf tote Wölfe in Sachsen gefunden. Zuletzt starb ein Tier bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 115 zwischen Ödernitz und Kodersdorf. Zu welchem Rudel es gehörte, ist noch offen. Auch fast alle anderen Tiere kamen bei Unfällen ums Leben. In einem Fall lag eine natürliche Todesursache vor, in einem anderen konnte sie nicht geklärt werden. Der Kadaver war schon zu stark verwest.

In den vergangenen Monaten gab es zahlreiche Probleme mit Wölfen in der Oberlausitz, in Deutschland und anderen europäischen Ländern. So beim Milkeler Rudel in Sachsen. Dort wurden im September Welpen auffällig, sie näherten sich Menschen ohne Scheu und untersuchten auch Gegenstände nahe bei Personen. Nach Absprache mit Experten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf mit Sitz in Görlitz entschied des Umweltministeriums Sachsens, dass die mittlerweile sechs Monate alten Welpen mit Gummigeschossen und Lärm vergrämt werden dürfen; sie sollen so wieder Scheu entwickeln. Die Maßnahme läuft zunächst bis Ende November und werde dann ausgewertet, heißt es vom Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“.

Mehrfach gab es zudem Probleme mit Hund-Wolf-Mischlingen, sogenannten Hybriden. 2016 wurden drei solcher Welpen in Tschechien, nahe Rumburk, geboren. Zwei sind allerdings tot, das dritte Tier soll geschossen werden. Auch in Ohrdruf in Thüringen gibt es nun einen Hybridenfall mit sechs Jungtieren. Sie sollen in ein Wildgehege kommen. Noch immer unklar ist das Schicksal von Pumpak, der Ende 2016/Anfang 2017 im Raum Rietschen für Unruhe sorgte und abgeschossen werden sollte. Er verschwand aber spurlos.

Das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ bittet darum. Wolfssichtungen. Risse oder Totfunde zu melden:

035772 46762, kontaktbuero@wolf-sachsen.de

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